Staatsanleihen

Banken glauben nicht an ESM-Rettung

Verschuldete EU-Länder wie Italien und Spanien können sich am Markt kaum mehr refinanzieren. Ein Ausweg: Die europäischen Rettungsschirme EFSF und ESM könnten Staatsanleihen kaufen. Doch Banken halten davon nichts.
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Funken einer Wunderkerze fliegen über Euro-Münzen aus Spanien und Italien. Ein kleines finanzielles Wunder könnten beide Staaten gut gebrauchen. Quelle: dpa

Funken einer Wunderkerze fliegen über Euro-Münzen aus Spanien und Italien. Ein kleines finanzielles Wunder könnten beide Staaten gut gebrauchen.

(Foto: dpa)

Forderungen von hochverschuldeten EU-Ländern wie Spanien oder Italien, der Euro-Rettungsschirm solle am Markt Staatsanleihen aufkaufen, haben gleich mehrere Banken eine Absage erteilt. Von einem Ankauf von Staatsanleihen durch die europäischen Rettungsschirme EFSF und ESM wären etwa nach Auffassung von Goldman Sachs nicht einmal dann “dauerhafte Stabilisierungseffekte” zu erwarten, wenn die operativen Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens gelöst würden.

Analysten von Lloyds Banking Group Plc (LB) weisen ihre Kunden wiederum in einer Notiz darauf hin, dass Staatsanleihen-Käufe nicht zu nachhaltig sinkenden Renditen führen würden - sondern stattdessen vielmehr zu einem Investoren-“Exodus”. Unterm Strich seien die Vorteile einer solchen Aktion nur “zeitlich begrenzt”. Hilfe-Anfragen beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) “werden vom Markt als Anzeichen dafür gesehen, dass (Spanien) die Fähigkeit eingebüßt hat, sich am Markt zu finanzieren. Sehr schnell werden dann die Kosten eines möglichen umfassenden dreijährigen Rettungspakets eingepreist”, heißt es in der Notiz.

Sorgen privater Investoren, dass sie bei der Rückzahlung erst hinter dem ESM kommen, dürften darüber hinaus dazu führen, dass sie sich aus dem Markt zurückziehen. Auf einen solchen Zusammenhang hatten zuvor bereits die Analysten der Schweizer UBS AG hingewiesen.

Wie der Goldman-Strategen Francesco Garzarelli in einer Mitteilung an Kunden schreibt, ist es ohnehin “unwahrscheinlich”, dass EFSF oder ESM spanische oder italienische Anleihen kaufen werden. Garzarelli verweist darauf, dass die Rettungsschirme mit begrenzter Kapazität ausgestattet sind. Auf etwa 400 Mrd. Euro veranschlagt er das Kreditvolumen, das EFSF und ESM vergeben können. Den Kreditbedarf Italiens und Spaniens schätzt er für die nächsten zwölf Monate auf rund 300 Mrd. Euro. Die begrenzte Kapazität sowie die Furcht vor der Nachrangigkeit von Forderungen hätten zur Folge, dass die Ankündigung eines Ankaufs von Anleihen ein “Wettrennen auslösen” könne, “Bonds zu verkaufen bevor dem Programm das Geld ausgeht”.

Vorhaben zur Stabilisierung oder Vergemeinschaftung können nur dann glaubhaft und wirksam sein, wenn politische Übereinstimmung über Haushaltsführung besteht. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass einzelne Akteure fahrlässig Risiken eingehen, in der Gewissheit, dass diese von der Allgemeinheit übernommen werden (“moral hazard”).
Wahrscheinlicher als Bond-Ankäufe durch EFSF oder ESM ist aus Sicht Garzarellis eine Einbeziehung der EZB - durch weitere LTROs oder durch Anleihekaufprogramme.

Am Dienstag hatte sich der französische Präsident Francois Hollande dafür stark gemacht, die Mittel des ESM für den Kauf bestimmter Staatsanleihen einzusetzen. Damit bezog er sich auf die Bonds von Ländern, die Schritte unternommen haben, ihre Wirtschaft in Ordnung zu bringen. Auf diese Weise sollten die Renditen gedrückt werden.


  • Bloomberg
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15 Kommentare zu "Staatsanleihen: Banken glauben nicht an ESM-Rettung"

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  • @ Delinix und @ Anton.

    Stimme zu.

  • Zitat: Goldman-Stratege Francesco Garzarelli: „… verweist darauf, dass die Rettungsschirme mit begrenzter Kapazität ausgestattet sind. Auf etwa 400 Mrd. Euro veranschlagt er das Kreditvolumen, das EFSF und ESM vergeben können“. Zitat Ende.

    Wie kommt Herr Garzarelli auf ein Kreditvolumen von 400 Mrd. €?

    Lt. ESM-Vertrag

    ARTIKEL 8
    Genehmigtes Stammkapital
    (1) Das genehmigte Stammkapital beträgt 700 Milliarden EUR.

    Weiter Garzarelli …
    „Den Kreditbedarf Italiens und Spaniens schätzt er für die nächsten zwölf Monate auf rund 300 Mrd. Euro. Die begrenzte Kapazität sowie die Furcht vor der Nachrangigkeit von Forderungen hätten zur Folge, dass die Ankündigung eines Ankaufs von Anleihen ein “Wettrennen auslösen” könne, “Bonds zu verkaufen bevor dem Programm das Geld ausgeht”. Zitat Ende

    Der ESM stellt UNBEGRENZTEN Kreditrahmen zur Verfügung, siehe ESM-Vertrag

    ARTIKEL 10
    Veränderungen des genehmigten Stammkapitals
    1.Der Gouverneursrat überprüft das maximale Darlehensvolumen und die Angemessenheit des genehmigten Stammkapitals des ESM regelmäßig, mindestens jedoch alle fünf Jahre. Er kann beschließen, das genehmigte Stammkapital zu verändern und Artikel 8 und Anhang II entsprechend zu ändern.

    Weiter aus Artikel:
    Zitat: „Sorgen privater Investoren, dass sie bei der Rückzahlung erst hinter dem ESM kommen, dürften darüber hinaus dazu führen, dass sie sich aus dem Markt zurückziehen. Auf einen solchen Zusammenhang hatten zuvor bereits die Analysten der Schweizer UBS AG hingewiesen.“ Zitat Ende.

    Wie zuletzt bekannt wurde, ist dieser Sachverhalt inzw. erkannt und soll geändert werden. Also Gleichrangigkeit Investoren und Gläubiger (ESM- und ESFS-Vertragsmitglieder, EZB).

    Wäre interessant zu erfahren, wann der entsprechende Passus geändert wird, zumal einige ESM-Mitgliedsstaaten den Vertrag inzw. ratifiziert haben und Deutschland Ende dieser Woche selbiges tun wird. Der ESFS ist meines Erachtens seit längerem ratifiziert.

  • Was sagen eigentlich unsere Abgeordneten dazu, wenn Verträge, denen sie zugestimmt haben, nicht beachtet werden?

    Wie interpretieren sie selbst das Mitwirkungsrecht des deutschen Bundestages, das das Bundesverfassungsgericht einfordert?

    Da sie Freitags schon nicht mehr "da" sind, sollten wir überlegen, ob wir denn Montags auf ihre Hilfe überhaupt angewiesen sind oder gar verzichten können.

    Aus Praktikabilitätsgründen sollten wir überlegen, wo wir das Thema schon einmal auf dem Tisch haben, ob wir nicht auch in der ersten und in der letzten Woche eines jeden Monats auf sie verzichten können.

    Das wir in den Ferienmonaten auf sie verzichten, ist ohnehin klar. Sie müssen ja auch einmal bei ihrer Familie (am Heimatort!) sein.

    Eigentlich braucht man die Abgeordneten doch garnicht mehr.

  • @Anton.
    „Mich dauern die abgezockten Menschen in Griechenland und Spanien, denen dieses krank parasitäre System keinerlei Möglichkeit gab und gibt, noch ihren Lebensunterhalt SELBST zu verdienen. Mich dauert die Jugend, die dieses System völlig ohne Perspektive hinter sich lässt.“

    Bitte lassen Sie GR aus Ihrer Systemanalyse mal einfach heraus. Hier gibt es riesige Probleme, die mit der übrigen Finanzkrise in der Eurozone höchstens indirekt zu tun haben. GR hätte auch ganz allein die Pleite geliefert. Es wurde nur etwas beschleunigt durch den Fortfall einiger Subventionen. MICH dauert die Jugend und vor allem ihre Eltern übrigens nicht, denn sie haben alle schön zugeguckt und sind nur für ganz private Interessen wie höhere Löhne eingetreten. Wie ihr Staat ansonsten funktioniert, hat nie jemanden wirklich gekümmert. Es war ja auch immer mehr als genug Geld vorhanden.
    Mit anderen Worten – sie haben nichts gegeben, nur genommen. Allein die Tatsache, dass ein ganzes Volk zuschaut, wie ihre Kinder auch nachmittags zur (privaten) Schule gehen müssen, bloß weil das Schulsystem nicht in der Lage ist, ordentlich Wissen zu vermitteln, ist eine Schande und bringt mich immer wieder auf die Palme.
    Es gibt Familien, die im Jahr pro Kind um die 10.000,-€ für die Nachmittagsschule ausgeben… nur damit Ihnen klar wird, um welche Beträge es hier geht und dass ein sinkendes Einkommen in GR nicht gleich Armut bedeutet.
    Ich erwarte von den Griechen, dass sie sich endlich aufraffen und ihren Staat in Ordnung bringen, anstatt sich ins Ausland davonzumachen.
    Sonst bleibt wieder nur der weniger intelligente Bevölkerungsteil übrig, der dann in schon gewohnter Weise den Staat organisiert.
    Ansonsten stimme ich Ihrer Analyse zu.

  • DIE BANKEN??? Ich frage mich immer noch wer sich wirklich darum kümmert was "Die Banken" wollen! Die sollten sich lieber freuen, dass sie immer noch Geld vom Staat bekommen und nicht schon längst fallen gelassen wurden. Ausser den Bankern hat doch eh niemand etwas von den Banken ...

  • Wenn schon das große Geld(Banken) nicht an den ESM glaubt,wer soll dann noch an den ESM glauben?Doch nur Verrückte können noch da ran Glauben.

  • "Und alle gemeinsam - gesetzlich - geloben, ab 2015 nicht mehr Geld auszugeben, als sie einnehmen."

    Ach sanni, wer glaubt das denn noch? Etwa diese dubiosen "Märkte"? Ist das etwa eine Religion? Sie hatten bereits mit Maastrich "gelobt". Und, wenn ich daran erinnern darf, diese Kriterien wurden erstmals von der deutschen Finanz GmbH und Frankreich gebrochen. Was soll man dazu dann noch überhaupt sagen?

    "Wenn bei den aktuell schwachen Systemen gespart wird, geht alles den Bach runter."

    Das allerdings scheint mir verd**** richtig zu sein. Mich dauern die abgezockten Menschen in Griechenland und Spanien, denen dieses krank parasitäre System keinerlei Möglichkeit gab und gibt, noch ihren Lebensunterhalt SELBST zu verdienen. Mich dauert die Jugend, die dieses System völlig ohne Perspektive hinter sich lässt. Und, machen wir uns doch bitte nicht länger etwas vor: da hilft keine noch so gute (Aus-)Bildung, solange einige Wenige die lukrativsten Pöstchen nur unter sich verteilen.

    Dieses System ist sowas von krank -> das muss rückstandsfrei verschwinden. DAS ist alternativlos.

  • Die eigentliche Problematik ist nicht die Tatsache, dass der Strudel immer tiefer zieht sondern die Tatsache, dass er immer schneller zieht.

    Der Zusammenbruch ist zwar schmerzlich, aber nie mehr so günstig wie heute.

    Wollte man von den Leidtragenden auf die Schuldigen schließen, ist der kleine Steuerzahler an allem schuld. Anders wird Logik doch nicht verstanden. Oder?

    Der Versuch der umgekehrten Logik:
    Wenn die Politiker zuständig sind, dann sind sie auch verantwortlich. Also müssen sie zuerst die Leidtragenden sein.

  • Sorry, das sollte natürlich heißen:

    Wo das Tandem (Banken+Politik) doch bisher soo gut und einvernehmlich funktioniert hat?

  • Exakt so ging es mir eben durch den Kopf ...

    Wo kämen wir denn da hin, wenn die Bänkster sich jetzt nicht einmal mehr an den Staatsanleihen ihre ach so bedürftigen Pfötchen abwischen dürften? Wo das Tandem doch bisher soo gut funktioniert und einvernehmlich hat?

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