Staatsanleihen werden wieder aufgekauft EZB geht wieder in den Krisenmodus

Die EZB beugt sich dem Druck: Sie lässt zwar den Leitzins noch unverändert, kauft aber wieder Anleihen von Euro-Wackelkandidaten. Doch was als vertrauensbildende Maßnahme gedacht war, geht im Euro-Krisengewitter unter.
Update: 04.08.2011 - 15:59 Uhr 19 Kommentare

EZB erwartet Abkühlung der Wirtschaft

Frankfurt/MainDie Europäische Zentralbank (EZB) geht wieder in den Krisenmodus: Händlern zufolge hat die Zentralbank ihr Programm zum Kauf von Anleihen aus angeschlagenen Euro-Staaten wieder aufgenommen. Die Notenbank kaufe nach einer 18 Wochen dauernden Pause am Sekundärmarkt portugiesische und irische Bonds, sagten europäische Händler.

Aufgrund der wachsenden Spannungen an den Märkten versucht die Zentralbank den Banken mit zusätzlichen Refinanzierungsangeboten Vertrauen wiederzugeben. Dafür packt die EZB ein eigentlich längst weggelegtes Instrument wieder aus: Am 10. August wird die Zentralbank den Geschäftsbanken zusätzlich für sechs Monate Geld leihen - zu einem an die Leitzinsentwicklung gekoppelten Zinssatz. Mit diesem sogenannten Sechs-Monats-Tenders soll dem Finanzsektor weitere Liquidität zur Verfügung gestellt werden. Trichet sagte, dies sei „angemessen“ angesichts der neuen Spannungen in einigen Märkten.

Trichet deutete auf seiner Pressekonferenz in Frankfurt an, dass die EZB auf Forderungen eingehen könnte, am Markt für Staatsanleihen zugunsten der unter Druck stehenden Länder Spanien und Italien zu intervenieren. Er schließe Anleihekäufe heute nicht aus, sagte EZB-Präsident Jean-Claude am Donnerstag in Frankfurt am Main. Das Programm sei nie unterbrochen worden. Details ließ Trichet offen. „Sie werden sehen, was wir tun werden.“ Die Bundesbank in Frankfurt wollte keine Stellung zu den Angaben der Händler nehmen.

Die EZB hatte seit März keine Staatsanleihen mehr gekauft, und jüngste Äußerungen von Vertretern der Notenbank hatten nahegelegt, dass das Programm faktisch außer Betrieb sei. Nachdem nach dem Euro-Gipfel zur Griechenlandrettung zuletzt Spanien und Italien an den Finanzmärkten unter Druck gerieten, wurden allerdings Forderungen laut, dass die EZB wieder aktiv wird.

Die Euro-Staaten haben auf ihrem jüngsten Gipfel beschlossen, dass künftig auch der Euro-Rettungsschirm EFSF auf Empfehlung der EZB Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen darf. Dem müssen aber noch die nationalen Parlamente zustimmen, was voraussichtlich nicht vor Ende September der Fall sein wird.

Deswegen soll nun die EZB aktiv werden. Die Zentralbank hatte in der Krise um ausufernde Staatsschulden massenhaft Staatspapiere von den hochverschuldeten Euro-Staaten Griechenland, Irland und Portugal gekauft. Die Notenbank sitzt inzwischen auf Staatsanleihen im Gesamtwert von 74 Milliarden Euro.

EZB lässt Leitzins bei 1,5 Prozent
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Staatsanleihen werden wieder aufgekauft - Zentralbank im Krisengang

19 Kommentare zu "Staatsanleihen werden wieder aufgekauft: Zentralbank im Krisengang"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Erst bekommt Präsident Trichet, trotz dieser Amtsfehltritte,den Karlspreis verliehen, und schon gehts mit Fehltritten weiter. Wer bremst eigentlich die EZB? Offenbar ein sanktionsfreier Raum, natürlich letztlich zulasten der Steuerzahler. Die EZB soll sich auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren, bisher viel zu wenig, und die Finger von Staatsfinanzierungen lassen.

  • Eigentlich ist das doch alles Irrsinn! Die EZB wird niemals vom Steuerzahler rekapitalisiert werden müssen.

    Die EZB ist im Geldsystem die letzte Instanz und König des Buchgelds. Die Euroländer müssten lediglich die EZB Satzung etwas anpassen damit diese keine Bilanz mehr veröffentlichen muss. Danach wäre es völlig egal was die EZB mit den Schrottanleihen macht. Vermutlich lohnt sich die Aufbewahrung nicht mal. Direkt ins Feuer damit!

    Einen Haken hat diese Lösung aber: Die Geldmenge wäre schlagartig massiv überhöht. Die Schulden wären weg, aber das geschöpfte Geld bliebe im Umlauf. Genau dieser Prozess führt in kurzer Zeit zu einer Hyperinflation.

  • Gibt es eigentlich heutzutage irgendwo noch Märkte mit freier Preisbildung? Wo man auch hinsieht wird manipuliert und verzerrt. Zentralbanker sind da nicht besser als Hedge-Fond Manager die sich heimlich absprechen. Und die Politik spielt eifrig mit. Nur leider niemand der die Interessen der Steuerzahler vertritt.

  • Wenn irgendwann die EZB rekapitalisiert werden muss, dann doch nur weil die italienischen, spanischen, irischen, griechischen, usw. Anleihen die sie bis dahin gekauft hat ausfallen. Und damit fallen all diese bankrotten Länder schon mal als Geberländer für eine Rekapitalisierung aus.

    Und: Trichet wird noch zu seiner Amtszeit italienische Anleihen kaufen, denn den Erstkauf kann er ja schlecht seinem italienischen Nachfolger überlassen!

  • Frechheit! Wo sind die Parlamente? Wo sind die gewählten Volksvertreter? Warum wird hier Schrott gegen mein Steuergeld eingetauscht? Es ist unfassbar was hier einfach mal so beschlossen und durchgeführt wird. Nochmals, Ungeheuerlichkeit!

  • Naja, schlussendlich stehen die Schuldenländer dann aber für sich selbst ein, während Deutschland dann für die Schuldenländer einstehen muss. Aber Sie haben im Grunde Recht. Es gibt auch andere reichere Länder, die auch zahlen werden. Da ist Deutschland nicht allein, aber an den Kosten leider einsame Spitze..

  • Aber doch wohl mit Abstand am meisten. Und was das Beste ist: kein Deutscher hat in diesem unsäglichen Verein eine bedeutende Rolle, wenn mal von der Witzfigur Oettinger absieht. Und wenn Sie sich mal die Verträge ansehen - an die sich zwar keiner hält - so sehen diese sinngemäß vor, dass Länder sich von ihrer Zahlungsverpflichtung abkoppeln können, wenn sie sich teurer refinanzieren müssen als die zu unterstützenden Länder. Die hierdurch ausfallenden Zahlungen müssen von den anderen Ländern übernommen werden - allen voran wieder Deutschland.

  • Zitat:
    Europa kämpft und kämpft und kämpft gegen die Euro-Krise. Die EZB entschließt sich, wieder verstärkt Anleihen von Fast-Pleitestaaten zu kaufen. Am Markt kommt das nicht gut an. Der Dax fällt auf ein Jahrestief, der Euro rutscht ab.
    Zitat Ende:

    Wie war das mit der "no-bail-out Klausel"?
    Wie war das mit "die EZB kauft nur sichere Papiere"?
    Wie war das mit "die EZB ist für Stabilität"?

    Die EZB ist die größte Mülldeponie der Welt!!!

  • Es geht schon seit der Euroeinführung abwärts.
    Das schlimme daran ist allerdings, daß Länder in die Eurozone hereingeholt wurden, welche keine Wirtschafskraft und Disziplin haben (PIIGS).
    Der große Knall kommt bald und dann sind alle pleite!

  • Die EZB frisst den Schiss, den andere EU-Länder ablassen und Deutschland frisst dann am Ende den Shit, den die EZB abgibt. Mahlzeit auch !!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%