Staatsanleihen werden wieder aufgekauft
Zentralbank im Krisengang

Die EZB beugt sich dem Druck: Sie lässt zwar den Leitzins noch unverändert, kauft aber wieder Anleihen von Euro-Wackelkandidaten. Doch was als vertrauensbildende Maßnahme gedacht war, geht im Euro-Krisengewitter unter.
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Frankfurt/MainDie Europäische Zentralbank (EZB) geht wieder in den Krisenmodus: Händlern zufolge hat die Zentralbank ihr Programm zum Kauf von Anleihen aus angeschlagenen Euro-Staaten wieder aufgenommen. Die Notenbank kaufe nach einer 18 Wochen dauernden Pause am Sekundärmarkt portugiesische und irische Bonds, sagten europäische Händler.

Aufgrund der wachsenden Spannungen an den Märkten versucht die Zentralbank den Banken mit zusätzlichen Refinanzierungsangeboten Vertrauen wiederzugeben. Dafür packt die EZB ein eigentlich längst weggelegtes Instrument wieder aus: Am 10. August wird die Zentralbank den Geschäftsbanken zusätzlich für sechs Monate Geld leihen - zu einem an die Leitzinsentwicklung gekoppelten Zinssatz. Mit diesem sogenannten Sechs-Monats-Tenders soll dem Finanzsektor weitere Liquidität zur Verfügung gestellt werden. Trichet sagte, dies sei „angemessen“ angesichts der neuen Spannungen in einigen Märkten.

Trichet deutete auf seiner Pressekonferenz in Frankfurt an, dass die EZB auf Forderungen eingehen könnte, am Markt für Staatsanleihen zugunsten der unter Druck stehenden Länder Spanien und Italien zu intervenieren. Er schließe Anleihekäufe heute nicht aus, sagte EZB-Präsident Jean-Claude am Donnerstag in Frankfurt am Main. Das Programm sei nie unterbrochen worden. Details ließ Trichet offen. „Sie werden sehen, was wir tun werden.“ Die Bundesbank in Frankfurt wollte keine Stellung zu den Angaben der Händler nehmen.

Die EZB hatte seit März keine Staatsanleihen mehr gekauft, und jüngste Äußerungen von Vertretern der Notenbank hatten nahegelegt, dass das Programm faktisch außer Betrieb sei. Nachdem nach dem Euro-Gipfel zur Griechenlandrettung zuletzt Spanien und Italien an den Finanzmärkten unter Druck gerieten, wurden allerdings Forderungen laut, dass die EZB wieder aktiv wird.

Die Euro-Staaten haben auf ihrem jüngsten Gipfel beschlossen, dass künftig auch der Euro-Rettungsschirm EFSF auf Empfehlung der EZB Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen darf. Dem müssen aber noch die nationalen Parlamente zustimmen, was voraussichtlich nicht vor Ende September der Fall sein wird.

Deswegen soll nun die EZB aktiv werden. Die Zentralbank hatte in der Krise um ausufernde Staatsschulden massenhaft Staatspapiere von den hochverschuldeten Euro-Staaten Griechenland, Irland und Portugal gekauft. Die Notenbank sitzt inzwischen auf Staatsanleihen im Gesamtwert von 74 Milliarden Euro.

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  • Erst bekommt Präsident Trichet, trotz dieser Amtsfehltritte,den Karlspreis verliehen, und schon gehts mit Fehltritten weiter. Wer bremst eigentlich die EZB? Offenbar ein sanktionsfreier Raum, natürlich letztlich zulasten der Steuerzahler. Die EZB soll sich auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren, bisher viel zu wenig, und die Finger von Staatsfinanzierungen lassen.

  • Eigentlich ist das doch alles Irrsinn! Die EZB wird niemals vom Steuerzahler rekapitalisiert werden müssen.

    Die EZB ist im Geldsystem die letzte Instanz und König des Buchgelds. Die Euroländer müssten lediglich die EZB Satzung etwas anpassen damit diese keine Bilanz mehr veröffentlichen muss. Danach wäre es völlig egal was die EZB mit den Schrottanleihen macht. Vermutlich lohnt sich die Aufbewahrung nicht mal. Direkt ins Feuer damit!

    Einen Haken hat diese Lösung aber: Die Geldmenge wäre schlagartig massiv überhöht. Die Schulden wären weg, aber das geschöpfte Geld bliebe im Umlauf. Genau dieser Prozess führt in kurzer Zeit zu einer Hyperinflation.

  • Gibt es eigentlich heutzutage irgendwo noch Märkte mit freier Preisbildung? Wo man auch hinsieht wird manipuliert und verzerrt. Zentralbanker sind da nicht besser als Hedge-Fond Manager die sich heimlich absprechen. Und die Politik spielt eifrig mit. Nur leider niemand der die Interessen der Steuerzahler vertritt.

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