Staatsanwaltschaft ermittelt - Bundesbank prüft Vorwürfe
Neue Vorwürfe gegen Ernst Welteke

Gegen den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme eingeleitet. Zuvor hatte Welteke bekannt gegeben, dass er einen Rücktritt nicht mehr ausschließt. Die „Bild“-Zeitung berichtet zudem von einem weiteren Urlaub auf Kosten einer Bank.

HB FRANKFURT/BERLIN. Der Vorstand der Zentralbank will bereits an diesem Mittwoch über Konsequenzen aus dem umstrittenen Berliner Hotel-Aufenthalt Weltekes beraten. Die Bundesregierung, die sich bislang in der Debatte zurückgehalten hatte, dringt mittlerweile auf eine schnelle Entscheidung. Von der Sitzung des Vorstandes werde ein Ergebnis erwartet, das sowohl Klarheit über die Zukunft Weltekes als auch eine deutliche Stärkung der Institution Bundesbank beinhalte, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen. Welteke selbst schloss einen Rücktritt nicht mehr aus.

Unterdessen ist der 61-Jährige auch ins Visier der Justiz geraten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme ein, teilte ein Behördensprecher mit. Welteke hatte mit seiner Familie zur Jahreswende der Euro-Einführung 2001/2002 auf Einladung der Dresdner Bank im Berliner Luxushotel Adlon gewohnt. Am Montag beglich er die Rechnung nachträglich zum Teil selbst, für den „dienstlichen Teil“ kam sein Arbeitgeber auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Frankfurter Großbank wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung. Ein Sprecher der Bank wollte dazu zunächst keine Stellung nehmen.

In seiner zweiten Stellungnahme innerhalb zweier Tage bedauerte Welteke „zutiefst“ den öffentlichen Eindruck, dass er den hohen Maßstäben an die Bundesbank nicht selbst Rechnung trage. Ein Fehlverhalten bei seinem Gratis-Aufenthalt im Adlon gestand er aber nicht ein. Er habe den Vorstand gebeten, die Vorwürfe „vorbehaltlos, umfassend und ohne Ansehen meiner Person zu prüfen“, teilte Welteke mit. Damit müssen seine sieben Vorstandskollegen über die Zukunft von Welteke an der Spitze der Zentralbank entscheiden.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung hat Bundesbankpräsident Welteke zudem einen weiteren Urlaub auf Kosten einer Bank eingeräumt. Wie das Blatt in ihrer Mittwochausgabe berichtet, hat sich Welteke nach einem Wiener Opernball von einer österreichischen Bank zu einem mehrtägigen Aufenthalt einladen lassen.

„Ich sehe bisher keinen Grund zurückzutreten“, sagte Welteke der ARD am Mittwochabend. Er wolle die Ergebnisse der Überprüfung durch den Vorstand der Bundesbank, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und auch die Berichterstattung der Medien in den kommenden Tagen würdigen. „Ich muss mich dann fragen, ob ich das meiner Familie, mir persönlich, meinen Ehrenämtern, meinem sozialen Engagement, dem Amt und der Institution zumuten kann.“

Ein möglicher Nachfolger würde von der Bundesregierung vorgeschlagen. Über dessen fachliche Qualifikation müsste der Bundesbankvorstand befinden. Dass erneut ein Politiker an die Spitze der Bundesbank rückt, gilt in Berlin als ausgeschlossen.

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