Staatsbankrott
Ukraines Wirtschaft stürzt ab

Viktor Juschtschenko steht heftig unter Beschuss. Jahrelang schon sind die Ukrainer bitter enttäuscht von einstigen Helden der "orangenen Revolution", der sich in der Finanzkrise als völlig handlungsunfähig erweist. Das Land balanciert seit einem Jahr am Rand des Abgrunds, nun droht der IWF erneut mit einer Aussetzung der Kredithilfen.
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MOSKAU. Die Buhrufe, die Viktor Juschtschenko vor ein paar Tagen in Donezk entgegenschallten, übertönten sogar die leistungsstarken Boxen des Stadions. Dabei hatte die Einweihung der ersten neu gebauten Sportstätte der Fußball-EM 2012 ein erfreulicher Termin für den ukrainischen Präsidenten werden sollen - und einer der wenigen Gründe zum Feiern, die ihm bis zu den Präsidentschaftswahlen am 17. Januar nächsten Jahres noch bleiben.

Der einstige Held der "orangenen Revolution" steht heftig unter Beschuss. Jahrelang schon sind die Ukrainer bitter enttäuscht von ihrem Präsidenten, der sich in der Finanzkrise auch noch als völlig handlungsunfähig erweist. Seit einem Jahr balanciert das Land mit seinen 48 Millionen Einwohnern am Rand des Abgrunds. Der Staatsbankrott schwebt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der Kiewer Staatskanzlei - zumal der Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Rettungsanker langsam die Bodenhaftung verliert.

Vorige Woche drohte Max Alier, der Missionsleiter des Währungsfonds in Kiew, mit einer Einstellung der Kreditzahlungen - wenn Präsident und Regierung nicht endlich zu einem rigorosen Sparkurs zurückkehren. Der IWF hatte der Ukraine Ende 2008 einen Kredit über 16,4 Mrd. Dollar gewährt, von dem bislang gut die Hälfte ausgezahlt wurde. Bereits im Frühjahr zögerte der IWF wochenlang mit der Auszahlung der zweiten und dritten Tranche, da die dem Präsidenten unterstellte Notenbank die Gelddrucker angeworfen hatte, während die Regierung mit einer exzessiven Ausgabenpolitik die Inflation anheizte und die Staatsverschuldung in die Höhe trieb.

Bis heute wird die Regierung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise nicht Herr - und böse Zungen behaupten, sie versuche es nicht einmal ernsthaft. Denn in der Ukraine tobt nicht nur die Finanzkrise, sondern auch ein erbitterter Wahlkampf. Neben dem chancenlosen Noch-Präsidenten Juschtschenko und den Außenseitern Arkandi Jazenuk und Pjotr Simonenko bewerben sich Premierministerin Julia Timoschenko und Oppositionsführer Viktor Janukowitsch um das Präsidentschaftsamt. Einer der beiden Letztgenannten wird das Rennen wohl machen.

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