Staatsschulden Trichet stellt EU-Staaten auf neue Krisenlasten ein

Die EU-Staaten müssen sich angesichts der Staatsschuldenkrise auf zusätzliche finanzielle Lasten einstellen. Nicht nur, weil die Europäische Zentralbank überlegt, sich ihren Kauf von Staatsanleihen finanziell bedrohter Euro-Länder von den nationalen Notenbanken nachträglich absichern zu lassen. EZB-Chef Trichet erwägt wohl auch, den Schutzschirm für Krisenstaaten bei Bedarf kräftig auszubauen.
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In der Debatte um Sinn und Unsinn gemeinsamer europäischer Anleihen (Euro-Bonds) lehnte sich EZB-Chef Trichet nicht aus dem Fenster. Quelle: Reuters

In der Debatte um Sinn und Unsinn gemeinsamer europäischer Anleihen (Euro-Bonds) lehnte sich EZB-Chef Trichet nicht aus dem Fenster.

(Foto: Reuters)

dne/HB FRANKFURT. "In Bezug auf den (Rettungsfonds) EFSF kann ich sagen, dass wir uns für maximale Flexibilität stark machen und ich würde auch sagen: maximale Kapazität in punkto Quantität und Qualität", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Trichet wagt sich mit diesen Äußerungen auf heikles Terrain. Denn die Debatte um eine Aufstockung des Fonds und mögliche Ankäufe von Staatsanleihen durch den Fonds wird höchst kontrovers diskutiert. Das Thema steht beim EU-Gipfel Ende der Woche in Brüssel nach Informationen aus Kreisen offiziell zwar nicht auf der Agenda; es dürfte jedoch hinter den Kulissen zu intensiven Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich auf der einen Seite und vielen anderen Ländern auf der anderen Seite führen.

Deutschland lehnt bislang sowohl eine Erhöhung der für den Notfall bereitstehenden EFSF-Gelder - derzeit 440 Milliarden Euro -, als auch einen Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch den Fonds ab. Dies tut die Europäische Zentralbank (EZB) bereits seit der Griechenlandkrise im Mai. Sie hat bislang Staatspapiere in einem Volumen von rund 72 Milliarden Euro angekauft - vergangene Woche wurden Geschäfte über rund 2,7 Milliarden Euro abgewickelt; nach Händlerinformationen vor allem aus Irland, Portugal und Spanien.

Aus Notenbankkreisen hieß es zudem, dass die EZB aus Angst vor möglichen Verlusten bei diesen Papieren die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken zur Aufstockung ihres Grundkapitalanteils dränge. Besonders stark zur Kasse gebeten würde entsprechend ihres Kapitalanteils die Bundesbank. Trichet lehnte am Montag jeden Kommentar hierzu ab. Nach Informationen von Reuters aus der vergangenen Woche würde die EZB gerne eine Verdoppelung der Höhe des Rettungsschirms sehen, weil dann auch Länder wie Portugal und Spanien auf jeden Fall abgesichert wären.

Nach Einschätzung von Ökonomen tragen die Steuerzahler der EU-Staaten in jedem Fall das Risiko, sollte die EZB durch den Ankauf von riskanten Staatsanleihen Verluste einfahren. Entsprechend zurückhaltend äußerten sich die Chefvolkswirte von Barclays Capital, Dekabank und Commerzbank, Thorsten Polleit, Ulrich Kater und Jörg Krämer, zu den Kapitalaufstockungs-Überlegungen innerhalb der EZB.

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31 Kommentare zu "Staatsschulden: Trichet stellt EU-Staaten auf neue Krisenlasten ein"

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  • Fehldiagnose:Euro
    Neue Diagnose:D-Mark
    Ergebnis:Deutschland ist wieder gesund.

  • [28] Poldi 0824

    Sehr gut beschrieben.
    Sicher dürfte es noch sein, sein Geld nach Schweden oder Norwegen zu bringen. Die haben keinen Euro und deswegen geht es ihnen auch gut. Ebenso die Schweiz. Die Schweiz hat schon den 2. WK diesbezüglich überstanden
    Ansonsten rate ich gerade auch meinem Sohn, der vor kurzem ins berufsleben einstieg, er soll sich eine Eigentumswohnung kaufen, die hat er, wenn alles andere den bach runter geht.

    bekommen wir Verhältnisse wie 1923, als nur noch Geld gedruckt wurde und ein brot billionen gekostet hat? Und das Geld was man morgens hatte, abends schon nichts mehr Wert war?
    Auch damals hatte man die bundesbank angewiesen, Schrottpapiere zu kaufen.
    Genau wie es jetzt vor kurzem Merkel mit der EZb getan hat

  • @ 25 Carlos Anton


    Und Thomas Jefferson war der letzte wirklich große Präsident der Vereinigten Staaten!

  • @Poldi 0824
    Sehr geehrter Herr oldi,ich denkewie Sie, wir können froh sein über die Möglichkeit hier im handelsblatt solche Artikel gleichzeitig lesen und kommentieren zu können. Wobei man bald nicht mehr weiß, ob den Kommentatoren das gleiche Lob zukommen sollte. Was die schrieben ist einfach genial, weil es die ungeschmickte Wahrheit ist.
    Sie fragen sich, was Sie tun sollen, angesichts der herannahmenden Katastrophe?
    Nun, mit der Wahrheit habe ich in dem Mment ein Problem. Durch Zufall habe ich vor ein paar Jahren eine Entdeckung auf dem Gebiet der Quantenphysik gemacht, die ist so tiefgreifend, daß Sie mir keiner abkaufen wird. Da kann ich sie gleich für mich behalten. ich bin nämlich sozusagen als "Laie" darüber gestolpert. Na ja, das Ergebnis kann ich ihnen sagen: >bEWUSSTSEiN schaffen< ist die LÖSUNG. Hier verlieren ihm Moment ziemlich viele Dinge ihr bEWUSSTSEiN: die Dt.bahn, die banken, die Versicherungen, der Staat, die Politiker usw. das sit nict weiter kritikwürdig, es mußte so kommen, aber es könnte gefährlich werden: vor lauter Angst werden sehr viele Menschen eine unkontrollierbare Reaktion angesichts des Verlustes "ihres" Geldes bekommen, oder ihrer Macht oder ihres Jobs etc. Man sollte vielleicht wissen, wie die Lösung lautet.
    ich wünschen ihnen alles Gute und Dnak nochmal an ie übrigen Kommentatoren: knallhart und bissig
    MfG
    iNFO ät SelbsthilfeprojektDeutschland.de

  • Die Richtung ist politisch vorgegeben und regierungsmäßig alternativlos!
    Das Eigenleben dieses Disasters zeichnet einen ziemlich genauen Weg in unsere neue Zukunft vor.
    Vielen Dank bei der Meinungsbildung an manche Journalisten im Haus, insbesondere aber an die vielen Kommentatoren im Hb.
    Für mich stellt sich jetzt die Frage: Wie kann ich heute die zukünftige Katastrophe für meine Familie, Freunde und Verwandten minimieren:
    Alles wo Dollar, Euro oder Yen draufsteht oder in dieser Währung gelistet ist wird stark wertreduziert = meiden.
    Aktien bin ich noch unentschlossen?
    Private Altersvorsorge wird stark wertreduziert: Siehe Artikel im Hb Finanzen / börse + Märkte vom 13.12.2010: Wie Staatsschulden in Europa unsere Altersvorsorge bedrohen.
    Fallen mir augenblicklich nur 2 Lösungen ein:
    Alles was Edel,Selten und Teuer ist, aber zum 'in die Hand nehmen'.
    Alles wo ich mit meinem Fuß vortreten kann z. b. immobilien.
    Cash reduzieren. 'Nur bares ist Wahres' ist falsch wenn in obengenanten Währungen.
    Währung aus sog. Schwellenländern wäre eine überdenkenswerte Alternative. Aber event. Währungsverluste und zu wenig Ahnung, NOCH.
    Russland (wegen Rohstoffe), indien, brasilien, China.

    Jetzt kommen aber die wichtigen weiterführenden Gedanken:
    Rotgrün hat beim Wähler den Nimbus: Könen nicht mit Geld umgehen.
    Wenn trotz Rechtsbrüchen, vielen Lügen und Herausreden von Schwarzgelb der letzte dumme Michel gemerkt hat, daß CDU und FDP gar nicht mit Geld umgehen können und dem deutschen Volk Qualen ohne Ende zumuten, die Altersvorsorge vergeigt haben.


    WAS GLAUbEN SiE, WAS WÄHLT DER bUNDES- ODER EUROPAbÜRGER DANN?

    Schönen Tag noch?

  • @Carlos Anton
    Das letzte Geschäft des Herrn Mappus mit Hilfestellung seines Morgan Stanley Freundes Notheis vorbei am Parlament und aller
    Öffentlickeit, illustriert den von ihnen beschriebenen Sachverhalt überdeutlich. Natürlich ist juristisch alles völlig in Ordnung.Zuerst verkaufen, damit angeblich Geld in die Kasse kommt,nach einer Schamfrist völlig überteuert wieder zurückkaufen.Und das,wie gesagt völlig ohne Öffentlichkeit und zulasten des Steuerzahlers.ich glaube ich bin schon zu alt um das noch zu kapieren.
    beim Verkauf vor 10 Jahren, so erinnere ich mich dunkel, gab es im Vorfeld zumindest noch öffentliche Diskussion und heute? null-nichts.

  • Das ist die Wahrheit, alles nur Marionetten die Politiker dieser Erde hinter allem stecken
    Rothschilds, Rockefellers, Schiffs, Warburgs, Morgans, Harrimans, und und und

  • Wer es bisher noch nicht gemerkt haben sollte. Wir haben keine Demokratie mehr, sondern eine bankokratie. Zentral- und Geschäftsbanken haben die Kontrolle über das Geld und damit über unser Zusammenleben. Wie sagte schon Thomas Jefferson: banken sind gefährlicher als Armeen.

  • @ Leertasche
    "WER ORGANiSiERT EiNEN REiSEbUSS VOLLER PSYCHOLOGEN?" Mit ihrer Einschätzung kommen Sie der Wahrheit schon ziemlich nahe, denn die brandstifter Greenspan, bernanke, Trichet, Merkel, Schäuble, Ackermann, Sarkozy u.a. haben sich Feuerwehruniformen besorgt und geben sich als Feuerwehrleute aus. Ein gewisser Konfuzius hat es so ausgedrückt: "Die Freiheit der Wölfe bedeutet den Tod der Schafe!".

    M.W.

  • Während wir in D eher darüber nachdenken, uns noch rechtzeitig mit Edelmetallen einzudecken (wohl ahnend, dass im Moment des akut bevorstehenden Staatsbankrotts der Zwangsankauf zum Lachmichschiefkurs unter Androhung höchster Strafen auf der Tagesordnung stehen wird), kann ich mir gut vorstellen, dass viele büerger der PiiGS-Staaten ihre soweit noch auf Konten ruhenden Euro-Guthaben in bar abheben werden, um sie sich unter das Kopfkissen zu stecken, hoffend, im Falle einer Rückkehr zur Weichwährung noch eine gewisse Zeit über Devisen zu verfügen.

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