Staatsverschuldung
Ökonomen halten US-Bonitätsnote für sicher

Führende Ökonomen in Deutschland sehen die Top-Bonitätsnote der USA nicht in Gefahr. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Ratingagentur Moody's. Amerika besitze weiterhin ein solides „Triple-A“-Rating, meint Moody's-Manager Pierre Cailleteau. Er nannte jedoch drei denkbare Risiken, die die Bestnote bedrohen könnten.

DÜSSELDORF. Nach der Warnung vor einer Bonitäts-Herabstufung Großbritanniens ist auch die Kreditwürdigkeit der USA in den Fokus von Ratingagenturen geraten. Die Vereinigten Staaten könnten wegen der hohen Staatsverschuldung in drei bis vier Jahren ihre Bonitäts-Bestnote AAA verlieren, sagte vor kurzem der angesehene Marktexperte Bill Gross, Gründer der Fondsgesellschaft Pimco. Viel Rückendeckung bekommt Gross für seine Einschätzung allerdings nicht.

So bewertet Moody's beispielsweise den Ausblick für das US-Rating nach wie vor mit stabil, was bedeutet, dass die Agentur in den nächsten 18 Monaten nicht mit einer Änderung der Note rechnet. Moody's-Manager nannte jedoch drei denkbare Risiken. Die Bestnote sei bedroht, wenn die USA nicht wie geplant ihre hohe Staatsverschuldung abbauen oder sich nicht weiter zu geringen Kosten frisches Geld besorgen könnten. Auch eine Ablösung des Dollar als weltweite Leitwertung würde das Rating belasten, allerdings sei dies sehr unwahrscheinlich.

Vergangene Woche hatte bereits die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erklärt, die Top-Bonitätsnote der USA sei sicher. Im Mai hatte S&P den Ausblick für die „AAA“-Bonitätsbewertung Großbritanniens auf „negativ“ gesenkt damit am Finanzmarkt Sorgen ausgelöst, ein ähnlicher Schritt drohe auch den USA. Die Renditen der US-Staatsanleihen stiegen daraufhin stark. Ein schlechteres Rating bedeutet, dass mehr Zinsen bei der Aufnahme eines Kredits oder der Ausgabe einer Schuldverschreibung gezahlt werden müssen.

Deutsche Ökonomen sehen die Bonitätsbestnote für die USA nicht in Gefahr. „Mit einem Verlust des AAA-Ratings rechnen wir nicht. Zum einen scheinen die USA bei den Rating-Agenturen einen hohen Vertrauensvorsprung zu besitzen. Zum anderen wäre eine solche Entscheidung politisch brisant und dürfte den Agenturen daher sehr schwer fallen“, sagte der Kapitalmarktexperte der Dekabank, Kristian Tödtmann, am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt.com. Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht keine Gefahr für die Kreditwürdigkeit der USA. „Eine im Grunde starke Volkswirtschaft kann es verkraften, wenn der Staat eine Zeitlang zu viel Schulden macht", sagte Krämer bei Handelsblatt.com.

Der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, warnte vor den „teilweise spekulativen“ Urteilen der Rating-Agenturen über die Bonität von Staaten, die immer noch von einer „verengten einzelwirtschaftlichen Sichtweise geprägt“ seien. „Nicht bedacht wird, dass ohne höhere Staatschulden die Krise härter ausfallen würde und sich damit die Bonität sämtlicher Schuldner verschlechtern würde“, sagte Horn. „Dass dieser Gedanke bei den Ratings offensichtlich nicht gedacht wird, zeigt dass die Rating-Agenturen in ihrer derzeitigen Form entbehrlich sind und allenfalls Schaden anrichten.“

Seite 1:

Ökonomen halten US-Bonitätsnote für sicher

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%