Stärkere Zunahme der Aufträge aus dem Inland: Industrie-Aufträge nehmen deutlich zu

Stärkere Zunahme der Aufträge aus dem Inland
Industrie-Aufträge nehmen deutlich zu

Die für die konjunkturelle Entwicklung wichtigen Auftragseingänge für die Industrie haben im Dezember deutlich zugelegen können. Gegenüber dem Vormonat stieg deren Volumen um 7,1 %, wobei zahlreiche Großaufträge die Entwicklung begünstigten, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) am Freitag in Berlin mitteilte. Auch wenn ungewöhnlich viele Großaufträge den Zuwachs überzeichneten, schöpften Volkswirte neue Hoffnung für den wirtschaftlichen Aufschwung.

HB BERLIN. Nach Angaben der Bundesbank ist dies der stärkste Anstieg seit Beginn der Erfassung gesamtdeutscher Daten 1991. Aus dem Inland erhielten die Firmen 8,8 % mehr Aufträge, wobei besonders die Nachfrage nach Investitionsgütern in die Höhe schoss. Aus dem Ausland kamen trotz der Rekordkurse beim Euro 5,3 % mehr Bestellungen.

„Ich bin fast sprachlos nach den Zahlen“, sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. Vermutlich hätten die zusätzlichen Arbeitstage im Dezember zu dem dramatischen Anstieg beigetragen. Andere Volkswirte nannten auch Airbus-Orders und die China-Reise von Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Das ist ein schönes Signal für den Jahreseinstieg“, resümierte Gerd Haßel von der BHF-Bank.

Das Ministerium wertete den Anstieg als Beleg für eine „robuste Industriekonjunktur“, auch wenn „weit überdurchschnittliche“ Großaufträge vor allem bei Investitionsgütern hierzu beigetragen haben dürften. Im November mussten die Firmen noch einen Order-Rückgang um 2,4 % verschmerzen - deshalb stiegen die Bestellungen im Zweimonatsvergleich November/Dezember gegenüber September/Oktober auch lediglich um 1,6 %. Zum Vorjahr legten die Bestellungen ebenfalls um 7,1 % zu.

Der Auftragseingang in der Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Er kann aber wegen Großaufträgen von Monat zu Monat stark schwanken. „Im Januar wird es sicherlich eine Gegenbewegung geben. Das kann so nicht weitergehen“, sagte Rubisch. Analysten hatten im Schnitt nur einen Anstieg um 1,5 % erwartet.

Als besonders gutes Omen für die wirtschaftliche Entwicklung werteten Analysten die Bestellungen von Investitionsgütern, die insgesamt um 12,8 % zulegten - das Plus aus dem Inland betrug hier sogar 17,8 %, aus dem Ausland immerhin 8,9 %. „Bei den Auslandsbestellungen wäre meine Vermutung, dass das möglicherweise mit der China-Reise des Kanzlers zu tun hat. Die Inlandsdaten sind noch sehr schwer zu interpretieren“, sagte Jörg Lüschow von der WestLB. Auch Brian Mandt von der Postbank schöpfte Hoffnung, „dass der Konjunkturfunke endlich - und vor allem nachhaltig - von der Außenwirtschaft auf die Binnenwirtschaft übergesprungen ist.“ Die Zunahme bei Konsumgütern fiel mit 1,8 % vergleichsweise moderat aus und signalisierte erneut die relative Schwäche des privaten Verbrauchs. „In Deutschland steht die Industrie besonders im Gegensatz zum schwächeren Einzelhandel“, erläuterte Phyllis Papadavid von Lehman Brothers.

Nach dem Rückschlag im November hatten bereits andere Industrie-Barometer für Dezember eine Besserung signalisiert, während sich das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel als Reinfall entpuppte. So war das vom Ifo-Geschäftsklima gestiegen und auch die Einkaufsmanagerindizes hatten eine Erholung der Branche angezeigt. „Zumindest in der Industrie wird sich der Aufschwung fortsetzen“, sagte Lüschow. Volkswirte setzen nun darauf, dass die Besserung in der Industrie allmählich auch bei den Verbrauchern ankommt und die Erholung dadurch robuster wird.

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