Stärkster Einbruch seit 1991
Horror-Jahresbeginn für deutsche Wirtschaft

Die seit Monaten anhaltende Auftragsflaute hat im Januar zum stärksten Produktionseinbruch seit der Wiedervereinigung geführt. Industrie-, Bau- und Energieunternehmen stellten zusammen 7,5 Prozent weniger her als im Dezember, wie das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Einführung der Statistik 1991.

HB BERLIN. Von Reuters befragte Analysten hatten nur ein preis- und saisonbereinigtes Minus von drei Prozent erwartet. Das Ministerium befürchtet wegen der schlechten Auftragslage auch in den kommenden Monaten eine „stark gedämpfte“ Produktion.

Besonders stark trat die exportorientierte Industrie auf die Bremse. Sie fuhr ihre Leistung um 8,4 Prozent zurück, nachdem die Neuaufträge in 13 der vergangenen 14 Monate gesunken waren. Viele Unternehmen hatten deshalb verlängerte Werksferien und Kurzarbeit angeordnet.

Die weltweite Auftragsflaute trifft besonders die Hersteller von Fahrzeugen, Maschinen und anderen Investitionsgütern. Sie stellten 12,3 Prozent weniger her. Die Produzenten von Vorleistungen wie Verpackungen und Chemiefasern meldeten ein Minus von 8,1 Prozent. Besser lief es in der Konsumgüterindustrie, die lediglich 0,4 Prozent weniger produzierte.

In der Baubranche brach die Produktion witterungsbedingt um 7,8 Prozent ein. Wegen des kalten und schneereichen Januars konnte an vielen Baustellen nicht gearbeitet werden. Die Energiewirtschaft fuhr ihre Leistung dagegen um 3,2 Prozent nach oben. Auch hier dürfte der strenge Winter eine Rolle gespielt haben.

Die aktuellen Daten der deutschen Industrieproduktion passen der Nord/LB zufolge in das derzeitige Rezessionsbild. „Mittlerweile hat der Produktionsrückgang allerdings ein beängstigendes Niveau erreicht“, schreiben die Analysten in einer Studie. Zudem gebe es nur spärliche Fakten aus denen man Hoffnung ziehen könne. „Zu einer explosiven Stimmung fehlt nun lediglich noch eine Verschärfung der Situation am Arbeitsmarkt und es steht zu befürchten, dass wir nicht mehr lange auf derartige Hiobsbotschaften warten müssen“, so die Experten.

Zu einer ähnlichen Bewertung kommen die Experten der Postbank. „Auch der Blick in die Zukunft stimmt mit Blick auf die Auftragseingänge wenig hoffnungsvoll“, schreiben die Analysten in einem Kommentar vom Donnerstag. Der Rückgang der Aufträge im Januar um acht Prozent lasse eine Wiederbelebung zumindest in den kommenden zwei bis drei Monaten weitestgehend ausschließen. Die Postbank sieht aufgrund der jüngsten Daten ein erhebliches Abwärtsrisiko für ihre BIP-Prognose für das erste Quartal von minus 1,5 Prozent. „Es bleibt derzeit nur die Hoffnung darauf, dass die nachfragewirksamen Impulse aus dem Konjunkturpaket bald ihre Wirkung entfalten."

Die Commerzbank sprach von einem katastrophalen Start der deutschen Wirtschaft in das neue Jahr. Der Produktionseinbruch im Januar unterstreiche noch einmal, dass für das erste Quartal mindestens mit einem ähnlichen Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes wie im vierten Quartal 2008 zu rechnen sei, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Bankhauses. Auch für das zweite Quartal werde trotz der zu erwartenden Gegenbewegung beim Bau ein deutliches Minus immer wahrscheinlicher. Dies dürfte für die Europäische Zentralbank (EZB) sicherlich Anlass genug sein, die Geldpolitik weiter zu lockern.

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