Stagnation
Frankreichs Wachstum bricht unerwartet ein

Die französische Wirtschaft ist im Sommer völlig überraschend nicht mehr gewachsen, nachdem sie im Frühjahr noch kräftig zugelegt hatte. Den Aufschwung in Deutschland gefährdet dies nach Ansicht von Experten jedoch nicht, da vor allem die französische Industrie unter hausgemachten Problemen leide.



HB PARIS. Die vom Statistikamt Insee am Freitag vermeldete Stagnation zum Frühlingsquartal erwischte die Statistiker ebenso wie die Notenbank und Bankenexperten auf dem völlig falschen Fuß: Alle hatten damit gerechnet, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone um etwa einen halben Prozent zulegt. „Das ist ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagte Volkswirt Nicolas Bouzou von der Beratungsfirma Asteres in Paris.



Kurz vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr ist die Stagnation auch ein Rückschlag für die Regierung von Ministerpräsident Dominique de Villepin. Sie prognostiziert für das Gesamtjahr ein Wachstum von knapp zweieinhalb Prozent. Volkswirte sagten, dass die Rate nun wohl eher bei zwei Prozent liegen wird.

Im Frühjahr hatte die Wirtschaft noch um 1,2 Prozent zum Jahresanfang zugelegt. Für die konjunkturelle Erlahmung im Sommer machte der Frankreich-Experte der DekaBank in Frankfurt, Sebastian Wanke, vor allem die Industrie verantwortlich: „Die Industrie leidet unter hausgemachten Problemen und war im Sommer sehr schwach. Der französischen Automobilbranche geht es nicht gut. Dann sind noch die Probleme bei Airbus dazugekommen.“

Auch im September sank die Produktion der französischen Industrie wider erwarten, wie die Statistiker ebenfalls am Freitag meldeten. Ohne den Bau lag sie 0,9 Prozent unter dem September. Die Experten vermuteten, dass die Firmen im Sommer auf Kosten der Produktion ihre Lager abgebaut haben und so zum Einbruch des Wachstums beigetragen haben.

„Gerade im Vergleich zu Deutschland hat die französische Industrie in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren“, sagte Wanke. Dieser Einschätzung stimmte Emmanuel Ferry von BNP Paribas zu: „Jeden Monat sehen wir neue Belege dafür, dass Frankreichs Wirtschaft immer weniger eine Exportwirtschaft ist, besonders im Vergleich zu Deutschland. Frankreich wird eine Dienstleistungswirtschaft.“

Das Wachstum in Deutschland wird am kommenden Dienstag veröffentlicht. Experten rechnen im Schnitt mit einem Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Dazu dürfte hierzulande besonders ein starker Anstieg der Industrieproduktion beigetragen haben.

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