Standard & Poor's
Bundesregierung hält zu herabgestuften Spaniern

Jetzt erst recht. Die Bundesregierung hat sich demonstrativ an die Seite Spaniens gestellt - auch und gerade weil die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes herabgesetzt hat.
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New York/Tokio/SydneyAuch nach der Herabstufung der Bonität Spaniens hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben weiter Vertrauen in den Willen des Landes zur Krisenbewältigung. Die Regierung habe Vertrauen und Zutrauen in die Entschlossenheit des Landes, das Nötige zu tun, um die Herausforderungen der Krise zu bewältigen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Dies hätten die Reformschritte Spaniens in der Vergangenheit gezeigt. Die Ratingagentur S&P hatte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes zuvor um zwei Stufen zurückgesetzt.

Seibert machte zudem deutlich, dass Deutschland weiter eine direkte Vergabe von Hilfsgeldern aus den Rettungsschirmen an Banken ablehnt. Zunächst seien hier die Mitgliedsstaaten selbst gefragt, im Notfall dem Sektor zu helfen. Auch der vereinbarte Fiskalpakt solle nicht geändert werden. Er sei auch schon in der beschlossenen Form in zwei Länder ratifiziert worden.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Spanien herabgestuft, weil es erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt gebe, wie die Bonitätswächter erklärt hatten. S&P setzte den Ausblick auf negativ und senkte die Bewertung auf BBB-plus von zuvor A. Es sei möglich, dass das südeuropäische Land dem Bankensektor erneut unter die Arme greifen müsse. Die Agentur erklärte, sie glaube zudem nicht, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden.

Die Zahl der Arbeitslosen in dem Land steigt weiter. Zum Ende des ersten Quartals lag die Arbeitslosigkeit bei 24,4 Prozent, dem höchsten Wert seit 18 Jahren. Ende vergangenen Jahres hatte die Quote noch 22,9 Prozent betragen, wie das spanische Statistikamt am Freitag mitteilte. Spanien steckt derzeit in einer Rezession.

In einer ersten Reaktion auf die Herabstufung hatte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid die Entscheidung kritisiert. S&P habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte sie. „Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben.“

Die Herabstufung Spaniens hat den Euro in Fernost vorübergehend belastet - und drückte die Stimmung an der Tokioter Börse. Eine Reihe von japanischen Konjunkturdaten blieb da ohne nennenswerten Einfluss auf den Handel. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf faktisch unverändert bei 9568 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um knapp 0,1 Prozent auf 809 Punkte. „Wie immer gibt es schlechte Nachrichten aus Spanien“, sagte Hiroyuki Mutsuro von Mizuho Securities.

Spanien gilt seit längerem an den Finanzmärkten als Wackelkandidat. Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Zuletzt zeigte sich die Regierung in Madrid zuversichtlich, ihr Sparziel für dieses Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Milliarden Euro will Spanien einen Fehlbetrag von 5,3 Prozent nach Brüssel melden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien noch erfolgreich den Kapitalmarkt anzapfen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

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  • Genau. Und Merkel mit Schäuble sind die 2.0 Version von Kohl und Weigel.

  • Ich würde mich freuen, hielte die Bundesregierung mehr zum deutschen Volk.

  • @Dr. Norbert Leineweber

    "Wenn es in einem Urknall den Zusammenbruch der Europäischen Schuldenunion gibt, wird sich zeigen wie gut wir durch die Krise gekommen sind"

    Dazu fällt mir gerade ein Zitat ein, ich glaube es ist von Warren Buffet:

    "Wenn die Ebbe kommt, zeigt sich wer nackt geschwommen ist!"

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