Starke Inlandsnachfrage
Konjunktur trotzt noch der Euro-Stärke

Mit einer dynamischen Entwicklung im Spätsommer hat die deutsche Wirtschaft aus Sicht von Volkswirten „Widerstandskraft“ bewiesen. Der Aufschwung stemme sich überraschend kräftig gegen den starken Euro und den hohen Ölpreis, erklärte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke. Im vierten Quartal dürfte sich das jedoch ändern.

FRANKFURT. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal im Vorquartalsvergleich dank einer starken Inlandsnachfrage um 0,7 Prozent und damit schneller gestiegen als in den beiden Vorquartalen, „In Ausrüstungen und Bauten wurde mehr investiert als im zweiten Quartal“, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zudem habe eine moderate Zunahme der privaten Konsumausgaben das Wachstum gestützt. Vom Außenbeitrag seien keine Wachstumsimpulse ausgegangen – vor allem wegen eines deutlichen Anstiegs der Importe.

„Das ist eine gute Nachricht, weil die Importe durch eine zunehmende Inlandsnachfrage gestiegen sein dürften“, sagte der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn. Für eine Exportschwäche gebe es derzeit noch keine Anhaltspunkte. Weder die Subprime-Krise noch der Euro-Höhenflug dürften sich bislang ausgewirkt haben. „Das dauert – noch werden Aufträge abgearbeitet.“

Dass die Investitionen im Spätsommer erneut stiegen, könnte Fachleuten zufolge unter anderem am Auslaufen der degressiven Abschreibungsmöglichkeit zum Jahresende liegen. „Das gibt den Investitionen im zweiten Halbjahr 2007 einen kleinen Extra-Schwung“, kommentierte DIHK-Experte Nitschke. Details über die Wachstumsträger geben die Statistiker kommende Woche bekannt. Volkswirte hatten mehrheitlich die deutliche Tempoerhöhung erwartet und halten sogar eine Korrektur der Daten nach oben für möglich. Das BIP wird ebenso wie viele monatliche Konjunkturindikatoren häufig revidiert – zum Teil erheblich.

Der Handelsblatt-Barclays-Indikator, der darauf zielt, den endgültigen und nicht den als erstes veröffentlichten vorläufigen Wert zu treffen, sagt einen Anstieg von 0,8 Prozent für das dritte Quartal vorher. Auch die Volkswirte der Commerzbank hatten ein derart starkes Wachstum vorhergesagt. „Nachdem die Industrie im September derart gute Zahlen vorgelegt hat, ist eine Korrektur nach oben durchaus vorstellbar“, sagte auch Döhrn vom RWI. Der für die Konjunktur wichtige Wirtschaftszweige hatte zuletzt unerwartet viele Aufträge verbucht.

Im vierten Quartal dürfte die deutsche Konjunktur allerdings kurzfristig Tempo einbüßen. Der starke Euro, die hohen Ölpreise und die schwächere weltwirtschaftliche Nachfrage infolge der Finanzmarktturbulenzen dürften dann bremsen. Dennoch rechnen die meisten Ökonomen für das Gesamtjahr mit einem Zuwachs von mehr als zwei Prozent.

Auch für das kommende Jahr sind Experten wie der Konjunkturchef des Ifo-Institutes, Kai Carstensen, trotz der globalen Risiken zuversichtlich. Der viel beachtete Ifo-Index war zuletzt sechs Mal in Folge gesunken. In den Augen von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist das „ein klares Abschwung-Signal“, wie er in seinem Konjunktur-Blog für das Handelsblatt schreibt. Aus Sicht des Ifo-Experten Carstensen signalisiert die Abwärtsbewegung allerdings „noch keine schwierige Lage. Das Niveau ist noch immer sehr hoch.“

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