Starke US-Wirtschaft
Fed fährt Konjunkturhilfen zurück

Fed-Chefin Janet Yellen kürzt das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank weiter zusammen. Das Signal: Der amerikanischen Wirtschaft geht es auch so gut genug. Der Leitzins bleibt, wie seit 2008 immer, unverändert.
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WashingtonTrotz nachlassender Hilfe der Notenbank startet die US-Wirtschaft voll durch. Sie wuchs von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um vier Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Ein derart hohes Tempo hat die weltgrößte Volkswirtschaft seit dem Sommer 2013 nicht mehr angeschlagen.

Die Zahlen überraschten selbst Experten: "Der Aufschwung ist intakt", sagte Helaba-Ökonom Johannes Jander. Insbesondere die Verbraucher schoben mit ihrer Kauflust die Konjunktur an, die wegen des ungewöhnlich strengen Winters zu Jahresbeginn noch eingebrochen war. Die Notenbank Fed drosselte ihre Geldspritzen nun um weitere zehn auf 25 Milliarden. Im Oktober soll das Fed-Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren auslaufen und die Wirtschaft wieder auf eigenen Beinen stehen.

An den Märkten wird trotz des Aufschwungs damit gerechnet, dass die Zinsen erst Mitte kommenden Jahres steigen. Die Fed sandte auch keine Signale, dass sie über eine frühere Wende nachdenkt. "Überraschungen - Fehlanzeige", meinte US-Ökonom Kim Rupert vom Analysehaus Action Economics. Der Schlüsselzins von null bis 0,25 Prozent soll der Wirtschaft auch nach dem Ende des Wertpapierkaufprogramms noch "geraume Zeit" Aufwind verschaffen, wie die Fed bekräftigte. Die geldpolitische Entscheidung fiel mit neun zu eins Stimmen: Der Chef der Fed von Philadelphia, Charles Plosser, stimmte dagegen.

Der Jobmarkt bereitet weiter Sorgen

Kopfzerbrechen bereitet der Fed trotz der Erholung noch immer der Jobmarkt. Die Erwerbslosenquote sei zwar gefallen, doch seien die Ressourcen auf dem Arbeitsmarkt bei weitem noch nicht ausgeschöpft, warnte die Notenbank. Sie soll für Vollbeschäftigung sorgen, sieht sich bei einer Arbeitslosenquote von aktuell 6,1 Prozent jedoch noch lange nicht am Ziel. "Da die Notenbank auf die freien Ressourcen am Arbeitsmarkt verweist, fühlt sie sich offensichtlich sehr wohl damit, die Zinsen äußerst niedrig zu halten", meinte Ökonom Omer Esinger vom Finanzhaus Commonwealth Foreign Exchange.

Allerdings strichen die Notenbanker eine Passage, in der von einer erhöhten Erwerbslosenquote die Rede war. Außerdem blickt die Fed nun mit weniger Sorge auf die Inflationsrate: Die Gefahr, dass diese längere Zeit unter dem angepeilten Wert von zwei Prozent verharre, habe sich etwas verringert. Die Wall Street reagierte mit Kaufaufträgen auf die Äußerungen der Notenbanker: Der S&P 500 stieg, während der Dow Jones seine Verluste nach der Bekanntgabe der Zinsentscheidung wettmachen konnte.

Fed-Chefin Janet Yellen hatte jüngst signalisiert, dass die Notenbank auch früher reagieren könne, sollte sich die Lage schneller als gedacht bessern. Wegen des harten Winters war die Wirtschaft zwischen New York und San Francisco zu Jahresbeginn um 2,1 Prozent geschrumpft. Der Einbruch war aber nicht so stark wie ursprünglich vermutet, als ein Minus von 2,9 Prozent veranschlagt wurde. Mit dem kräftigen Wachstum im zweiten Quartal steuern die USA in diesem Jahr insgesamt auf eine Wachstumsrate jenseits der Zwei-Prozent-Marke zu.

Auch am Arbeitsmarkt geht es aufwärts: Die US-Firmen schufen im Juli 218.000 Stellen, wie der private Arbeitsvermittler ADP zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Damit war der Anstieg allerdings etwas schwächer als von Ökonomen erwartet, die im Schnitt ein Plus von 230.000 auf dem Zettel hatten. Der Arbeitsmarktbericht der Regierung steht am Freitag an. Ökonomen sagen für Juli 233.000 zusätzliche Stellen voraus. Hierbei fließen anders als beim ADP auch die Beschäftigungszahlen im staatlichen Bereich ein. Einer Faustregel zufolge müssen Monat für Monat rund eine Viertelmillion Stellen geschaffen werden, damit der US-Arbeitsmarkt richtig in Schwung kommt. In den vergangenen fünf Monaten lag die Zahl stets über der Marke von 200.000.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es handelt sich nicht um Konjunkturhilfen, sondern um Anleihekäufe mit gedruckten USD zur Zinsmanipulation und zur US Staatsfinanzierung mittels Notenpresse.

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