Starker Rückgang im Mai
Enttäuschender Auftragseingang

Ein Einbruch der Auslandsorders hat der deutschen Industrie im Mai deutlich dünnere Auftragsbücher beschert. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) machte dafür neben der schwachen Weltkonjunktur auch die Aufwertung des Euro verantwortlich.

Reuters BERLIN. Von April auf Mai habe das Ordervolumen saisonbereinigt um 2,2 % abgenommen, teilte das BMWA am Freitag in Berlin mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang der Orders um 0,3 % gerechnet. Während die Inlandsaufträge mit einem Zuwachs um 0,2 % nahezu stagnierten, brachen die Auslandsaufträge um 4,8 % ein. Analysten sagten, die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland halte an.

Im Vergleich zum Mai 2002 lag das Ordervolumen nach Reuters-Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten 5,8 % niedriger. Jan-Paul Ritscher, Analyst bei der HSH Nordbank, nannte die Mai-Daten erschütternd: „Das signalisiert, dass wir aus dem Konjunkturtal so schnell nicht herauskommen werden.“

Der Deutsche Aktienindex (Dax)reagierte auf die Nachricht zunächst mit leichten Verlusten, erholte sich dann aber wieder. „Im Moment traut sich kaum einer, auf ein einzelnes Konjunkturdatum zu handeln, weil sich die letzten Indikatoren widersprachen“, sagte ein Aktienhändler.

Zusätzlicher Brückentag spielte eine Rolle

Das Ministerium erklärte, für den Rückgang des Ordervolumens könne auch von Bedeutung gewesen sein, dass der 1. Mai auf einen Donnerstag gefallen sei und somit anders als üblich ein weiterer Arbeitstag zu einem Brückentag wurde. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte aber, auch ohne den Brückentags-Effekt sähen die Zahlen nicht gut aus. „Es gibt damit noch immer keine klaren Signale für einen Aufschwung, bei den Auftragseingängen sieht es sogar fast nach einem Abwärtstrend aus.“

Gerd Haßel von der ING BHF-Bank führte den Einbruch bei den Auslandsorders auf ausgebliebene Großaufträge zurück. Darauf deute hin, dass die Bestellungen an Investitionsgüter aus dem Ausland um 6,9 % zurück gegangen sind: „Generell bedeutet das für die deutsche Konjunktur, dass sie weiter schwach bleiben wird.“ Der Auftragseingang der Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung. Die Daten können aber von Monat zu Monat zum Beispiel wegen Großaufträgen stark schwanken. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich April/Mai zu Februar/März sank das Auftragsvolumen um 1,2 %. Vorleistungsgüterproduzenten erhielten dem BMWA zufolge 2,1 % weniger Aufträge als im April. Die Bestellungen von Investitionsgütern gingen um 2,8 % zurück. Die Konsumgüterhersteller verzeichneten ein Orderplus von 1,0 %. Die westdeutsche Industrie erhielt den Angaben zufolge 2,0 % weniger Aufträge, die Bestellungen in Ostdeutschland gingen um 3,4 % zurück.

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