Starkes erstes Quartal
Fed-Studie: Wachstum in USA wird schwächer

Die Wirtschaft in den USA dürfte im ersten Quartal 2006 nach der Schwäche Ende 2005 wieder kräftig gewachsen sein. Diesen Schluss ziehen Bankvolkswirte aus kurz vor Ostern veröffentlichten Konjunkturdaten.

ari/HB DÜSSELDORF. Nach einer bislang nicht veröffentlichten Studie der US-Notenbank Fed ist auf Grund der demographischen Entwicklung in den nächsten zehn Jahren aber mit sehr viel kleineren Wachstumsraten zu rechnen als bisher angenommen.

Im März nahmen die Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent zu – dank erholter Autokäufe etwas stärker als erwartet. Zudem revidierte das US–Handelsministerium den Rückgang im Februar nach oben auf minus 0,8 statt minus 1,4 Prozent. Das Vorjahresniveau wurde zuletzt um fast acht Prozent übertroffen.

Die Industrieproduktion einschließlich Energie wurde im März gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent ausgeweitet – ebenfalls etwas stärker als zuvor prognostiziert. Allerdings fiel das Februar-Plus mit 0,5 Prozent 0,2 Prozentpunkte kleiner aus als ursprünglich gemeldet. Die Kapazitätsauslastung nahm auf 81,4 Prozent zu von revidiert 81 Prozent.

Einschließlich des starken Januar-Geschäfts im Einzelhandel rechnen Volkswirte jetzt mit einer deutlichen Erholung des privaten Konsums im ersten Quartal. „Eine nachhaltige Abschwächung des Konsums ist nicht in Sicht“, sagte beispielsweise Gerald Müller von der Commerzbank mit Blick auf entsprechende Befürchtungen wegen der Schwäche im Schlussquartal 2005. Die privaten Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Gestützt wird die positive Einschätzung des Konsums durch die erste Verbraucherumfrage im April. Der von der Universität Michigan berechnete Vertrauensindex stieg trotz steigender Benzinpreise von 88,9 auf 89,2 Punkte. Rudolf Besch von der Deka-Bank führt dies auf die zuletzt gute Entwicklung der Aktienmärkte zurück. Allerdings beurteilten die US-Verbraucher nur ihre aktuelle Situation günstiger, für die Zukunft wurden sie etwas pessimistischer.

Während die Ökonomen in diesem und mehrheitlich auch im nächsten Jahr noch mit Wachstumsraten von mehr als drei Prozent in den USA rechnen, wird dies langfristig nach einer Fed-Studie nicht mehr der Fall sein. Die Autoren der Studie gehen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg davon aus, dass die Erwerbsbevölkerung in den nächsten zehn Jahren mit dem Ausscheiden der Babyboom-Generation aus dem Arbeitsleben schwächer zunimmt als von Ökonomen bisher unterstellt. Ian Morris, Chefvolkswirt bei HSBC Securities USA, bezeichnete die Studie als „einfach revolutionär“.

Nach der Studie liegt das Potenzialwachstum in den nächsten zehn Jahren bei unter drei Prozent jährlich gegenüber 3,3 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. Der unterstellte Rückgang der Erwerbsquote um drei Prozentpunkte reduziere die nachhaltig ohne Inflationsdruck zu erreichende Wachstumsrate. Stephen Goss, Chefmathematiker der Sozialversicherungsbehörde in Baltimore, hält die Fed-Schätzung für den Rückgang der Erwerbsquote indes für zu hoch. Seine Behörde erwarte bis in zehn Jahren nur einen Rückgang um 1,1 Prozentpunkte, sagte Goss.

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