Statistik
Niedriglohnquote entfacht Debatte über Mindestlohn

Mehr als 20 Prozent der deutschen Beschäftigten verdienen nur 10,36 Euro brutto die Stunde. 2006 waren es noch 18,7 Prozent. Der Niedriglohn hat auch Auswirkungen auf die zukünftige Rente der Arbeitnehmer.
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BerlinImmer mehr Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten für einen Niedriglohn. Jeder fünfte Beschäftigte in einem Betrieb mit zehn oder mehr Mitarbeitern habe im Jahr 2010 einen Stundenlohn von weniger als 10,36 Euro brutto erhalten, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Der Anteil der Niedriglohn-Beschäftigten sei auf 20,6 Prozent gestiegen nach 18,7 Prozent im Jahr 2006. Besonders hoch sei ihr Anteil mit 87 bis 81,5 Prozent unter Taxifahrern, Friseuren sowie im Reinigungsgewerbe. In Restaurants und Gaststätten, Wäschereien und chemischen Reinigungen sowie in Kinos bekämen drei von vier Beschäftigten einen Niedriglohn.

„Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, erklärte der Präsident des Bundesamtes, Roderich Egeler. Betroffen von Niedriglöhnen seien vor allem atypisch Beschäftigte. Dazu würden Teilzeit von bis zu 20 Wochenstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit und Minijobs gezählt. Fast jeder Zweite (49,8 Prozent) von ihnen habe einen Niedriglohn erhalten. Besonders ausgeprägt sei dies bei 400-Euro-Jobbern: 84,3 Prozent bekommen nur einen Niedriglohn.

Der Studie zufolge investieren nur 6,2 Prozent der zu einem Niedriglohn Beschäftigten per Entgeltumwandlung in eine Betriebsrente. Das sei deutlich seltener als bei Beschäftigten mit mittlerem Verdienst (22,4 Prozent) oder mit hohem Verdienst (36,4 Prozent). Wenn sich Niedriglöhner dazu entschlössen, brächten sie mit 4,1 Prozent ihres Bruttojahresverdienstes aber vergleichsweise viel für die Entgeltumwandlung auf.

Die Struktur der Arbeitsverdienste erhebt die Behörde alle vier Jahre. Als Niedriglohn gilt ein Verdienst von weniger als zwei Dritteln des mittleren Einkommens aller Beschäftigten. Daraus ergibt sich die Niedriglohngrenze von 10,36 Euro.

Daraus ergibt sich auch, dass Niedriglöhne nicht generell durch tarifliche oder gesetzliche Mindestlöhne verringert werden können. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern etwa wurden laut der Studie 11,9 Prozent unterhalb der Niedriglohngrenze bezahlt.

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  • Genau das ist eines der Probleme.
    Die Nebenkosten erfüllen die Aufgabe die soziale Marktwirtschaft zu stützen. Verringern wir die Nebenkosten, werden automatisch die Rentenbeiträge kleiner. Ergo bricht die Rentenkasse völlig zusammen.

    Die Lösung liegt in der Ausgewogenheit der Einkommen. Untere monatliche Einkommen auf 1.300 Euro anheben und alle Einkommen über 3.000 Euro um 20% senken.

    Die Managergehälter und die Einkommen unserer Politiker müssen drastisch kürzen werden. Auch sollte es strafrechtlich verboten sein, dass Politiker mehrere Gehälter beziehen. Um all diese riesigen Gehälter auszubezahlen, werden eben die kleinen Einkommen permanent niedrig gehalten.

    Die Bevölkerung lebt teilweise ärmer als viele Hunde, damit die riesigen Gehälter bezahlt werden können. Tiere geht es besser als Menschen. Das ist pervers.

  • Unsere Lohnnebenkosten sind es die hier dem Billiglohnsektor Tür und Tor öffnen, vielleicht sollte man sich auch hier mal etwas überlegen in Sachen Rentenbeiträge wie diese effektiver genutzt werden könnten oder gar damit sie Wirkung zeigen bei der Rente.

    Unsere Jobspirale geht mit dem Trend und der ist nunmal Minijobs oder gar Leiharbeit....sogar EU-weit scheint sich dieses "Problem" auszuweiten.... fragt doch mal rum...in der EU

  • Niedriglöhne sind nichts anderes als reiner Rentenbetrug.
    Millionen Arbeiter verdienen in Deutschland einen Nettolohn von 1.100 bis 1.400 Euro. Frisöse gehen mit knapp 700,- Euro nach Hause. Diese kleinen Gehälter führen immer dazu, dass am Monatsende kein Geld zum Sparen übrig bleibt. Mit diesen kleinen Gehältern schafft man ¼ bis ½ Rentenpunkt im Jahr. In 30 bis 40 Jahren wird dann eine Rente zwischen 250,- und 450,- Euro ausbezahlt.

    Kein Geringverdiener kann sich eine Zusatzversicherung für das Rentenalter in Form von Aktien, Goldbarren, Immobilienfonds oder sonstigen Wertpapieren leisten. Und die Risterrente ist ebenfalls für diese große arme Personenkruppe unsinnig. Für das Rentenalter müsste eine monatliche Lücke von 600,- bis 800,- Euro geschlossen werden. Wie soll das bei den kleinen Einkommen gehen?

    Welch ein Zynismus.
    Die Gehälter wollen viele Unternehmen und Politiker eher kürzen als erhöhen. Werden die Gehälter gekürzt kommen weniger Abgaben in die Rentenkasse herein. Werden die Einnahmen sinken gibt es zukünftig keine Rentenerhöhungen, im Gegenteil. Die Renten könnten schlagartig um bis zu 10% fallen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass weniger Berufstätige die Rente für mehr Rentner aufbringen müssen.

    Und der ESM gibt Deutschland den Rest und treibt die Bevölkerung geradewegs in die bittere Armut. Schöne beschissene Aussichten. Denn, der ESM verschlingt endlos Kapital aus dem Staatshaushalt.

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