Statistikamt
Der Euroraum wächst nicht mehr

Die Staatsschuldenkrise ist voll in der Realwirtschaft angekommen. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal nach Angaben des Statistikamts Eurostat nicht mehr gewachsen. Und der Export rettet jetzt auch nichts mehr.
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Das Bruttoinlandsprodukt in den 17 Ländern des Euroraums war gegenüber dem vierten Quartal, in dem es um 0,3 Prozent schrumpfte, unverändert, teilte das Statistikamt der Europäischen Union am Mittwoch aus Luxemburg mit. Damit bestätigte Eurostat eine ursprüngliche Schätzung vom 15. Mai. Die Exporte stiegen in dem Zeitraum um 1 Prozent, während die Investitionen der Unternehmen um 1,4 Prozent sanken. Die Bautätigkeit ging gegenüber dem vierten Quartal um 1,1 Prozent zurück.

Die Wirtschaft des Euroraums dürfte im laufenden Quartal kaum an Dynamik gewinnen. Die Besorgnis um ein Auseinanderfallen der Währungsunion nimmt zu, nachdem in Griechenland Neuwahlen stattfinden müssen und sich die Bankenkrise in Spanien verschärft. Im Mai ist das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gesunken, die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist geschrumpft und der Euro ist fast auf ein Zwei-Jahres-Tief zum Dollar gefallen.

“Wir rechnen mit einer wirtschaftlichen Schrumpfung im laufenden Quartal, vor allem aufgrund der Entwicklung bei den Exporten und den Investitionen”, sagt Gerd Hassel, Ökonom bei der BHF Bank AG in Frankfurt. “Es besteht ein erhöhtes Risiko einer Rezession, wobei die Unsicherheit auf der Stimmung lastet. Es ist naiv zu glauben, dass ein Ausstieg Griechenlands alle Probleme lösen würde.”

Der Euro hat im Mai gegenüber dem Dollar um 6,4 Prozent nachgegeben, womit sich die Abwertung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent summiert.

Die Europäische Kommission hatte am 11. Mai mitgeteilt, die Euroraum-Wirtschaft werde in diesem Jahr voraussichtlich um 0,3 Prozent schrumpfen. Für 2013 erwartet sie eine Rückkehr zum Wachstum. Der Euroraum ließ den letzten Konjunktureinbruch im dritten Quartal 2009 hinter sich, nachdem die Europäische Zentralbank die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt hat. Die deutsche Wirtschaft, deren Expansion von 0,5 Prozent ein Abrutschen des Euroraums in die Rezession im ersten Quartal verhinderte, dürfte 2012 eine Steigerungsrate von 0,7 Prozent aufweisen, erklärte die Kommission.

Zwar hat der Anstieg bei den deutschen Exporten die Expansion in den ersten drei Monaten des Jahres angeschoben. Aber Konjunkturdaten signalisieren, dass sich die Dynamik in der größten europäischen Volkswirtschaft seitdem abgeschwächt hat. In Deutschland hat sich das Geschäftsklima im Mai stärker eingetrübt als Ökonomen erwartet hatten, auch wurden Investoren pessimistischer und die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sank.



Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Statistikamt: Der Euroraum wächst nicht mehr"

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  • Unsere Gesellschaft schrumpft, was soll also wachsen? Was ewig wächst heißt Krebs und der trägt ja auch nicht gerade zur Gesundung bei.

    Irgendwann hat hat jeder genug Autos und Flachbildglotzen. Das Jungvolk verpulvert seine Knete lieber für Telefonate banalsten Inhalts und Körperschmuck. Die können sich keine teure Technik oder flotte Flitzer leisten.

  • Es sind Schwellenländer und Rohstoffförderländer, die nennenswertes Wachstum aufweisen - der Rest dümpelt vor sich hin oder schrumpft sogar. Damit wird werden wir uns abfinden müssen.

    Es ist auch egal, ob die Zentralbanken massenhaft Geld in das Privatbankensystem pumpt oder nicht; dadurch ändert sich an der realwirtschaftlichen Situation nichts. Anders herum gesagt, käme das Geld in der Privatwirtschaft an, dürfte es lediglich an Wert verlieren bzw. inflationäre Tendenzen auslösen.

  • Wie kommen Sie denn da drauf? Betreuungsgeld, Strompreis etc, man wird sich weiterhin für sein Klientel selbst bedienen.
    Wie wäre es wenn man für die Subventionen genauso viel Zinsen und Zinseszinsen zahlen müßte wie ein normaler Unternehmer, der sich am Markt orientieren, planen und produzieren muß, bzw. dieses ohne Geld vom Staat mit mehr Tiefe tun müßte? Dieser müßte mit seinem eigenen Geld planen und wirtschaften. So zahlt der Bürger nicht nur den theoretischen staatlichen Strompreis, sondern noch die Zinsen für die Subventionen dazu.
    Ob die Geschäfte dann schlechter laufen würden? Oder für Betreuungsgeld auf Pump, wachsen diese Kinder dann schneller und sind schlauer? Das dürfen die Frauen zahlen, die trotz Sozialleistungen ihre Mehrwertsteuer, Energiesteuer, Salzsteuer etc. zahlen, und deren Kinder zu Hause begluckt werden müssen, und nicht in den Kindergarten dürfen.
    Ist wie der von Eon, der Name ist mir gerade entfallen, der fordert Strombeihilfen für Arme. Unglaublich, das Existenzminimum als Manövriermasse für die Energiepolitik. Frei nach dem Motto, wenn Deine Feinde dich loben, mußt du vorsichtig sein.
    Die Sozialhilfe soll also helfen die Energiewende zu unterfüttern.

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