Statistisches Bundesamt
Die Deutschen sparen wieder mehr

Die Ersparnis der Deutschen ist im Sommer um 0,2 Prozent auf 9,7 Prozent angestiegen. Ein Grund dafür: Viele Autokäufer, die die Abwrackprämie nutzten, fangen jetzt an ihre Kredite zu tilgen. Steuererleichterungen im Januar dürften ebenfalls Auswirkungen auf das Sparverhalten haben. Warum der Notgroschen der Deutschen weiter wächst.
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HB BERLIN. Die Deutschen legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante. Die Sparquote stieg im Sommer binnen Jahresfrist um 0,2 Punkte auf 9,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Bereinigt um saisonale Effekte sparten die Verbraucher sogar 11,3 Prozent ihres Einkommens - das sind ebenfalls 0,2 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

Mit steigender Arbeitslosigkeit dürfte die Sparquote weiter steigen

Dabei spiele die Abwrackprämie eine wichtige Rolle, sagte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle: Die Autokäufer fingen nun damit an, ihre Kredite zu tilgen, die sie für den Erwerb eines Neuwagens aufgenommen hätten. "Ich glaube nicht, dass es sich um Vorsichtssparen handelt - noch nicht", fügte er hinzu. Das könnte sich aber in den kommenden Quartalen ändern: Mit steigender Arbeitslosigkeit dürfte nach Einschätzung des Experten auch die Sparquote steigen, weil die Verbraucher sich vor den erwarteten Einkommenseinbußen schützen wollten. Zudem treten im Januar Steuererleichterungen in Kraft. Das zusätzliche Geld werde ebenfalls zumindest zum Teil auf die hohe Kante gelegt. "Man wird froh sein, noch einen Notgroschen mehr in der Tasche zu haben", sagte Scheuerle. Mitentscheidend ist daher, wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt.

Bisher blieb trotz des scharfen Einbruchs der Konjunktur eine Entlassungswelle in größerem Umfang aus, und auch im kommenden Jahr dürfte die Arbeitslosigkeit nicht so stark steigen wie noch vor ein paar Monaten befürchtet. "Das wird die große Erfolgsstory in dieser Krise", sagte Scheuerle.

Ihren Tiefpunkt hatte die Sparquote im Sommer 2000 erreicht, als sie bei lediglich 8,9 Prozent lag. Das Rekordhoch wurde Anfang der 1990er Jahre mit 13,5 Prozent markiert.

Einkommen der Unternehmen sinken deutlich

Zugute kam den Verbrauchern im Sommerquartal, dass ihre verfügbaren Einkommen wegen höherer Sozialleistungen um 0,2 Prozent zulegten. Zudem wirkt sich die Wirtschaftskrise bislang deutlich weniger stark auf Arbeitnehmer als auf Unternehmen aus: Während Arbeiter und Angestellte von Juli bis September lediglich 0,6 Prozent weniger Geld erhielten, brachen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 7,1 Prozent ein.

Wenngleich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder angezogen hat, dürfte die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr mit ungefähr fünf Prozent so stark einbrechen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.

Quelle: Reuters

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  • Sind wir doch mal realistisch:

    Wenn ich monatlich 40 Euro mehr netto bekomme...wo soll ich das jetzt bitte sparen? Wird doch sicher alles bald deutlich teurer, da eine Deflation absolut unnütz ist um die hohen Staatsschulden zu tilen. Also will man eine möglichst hohe inflation, damit die Schulden weniger werden - auch wenn sie mehr werden. Komplex - ist aber so.

    Um mehr Geld ausgeben zu können benötige ich schon 150 Euro mehr. Dann kurbel ich den Konsum im Einzelhandel sprich binnenmarkt an. Und hieran krankt es ja in Deutschland.

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