Statistisches Bundesamt: Experten sehen trotz Stagnation intakten Aufschwung

Statistisches Bundesamt
Experten sehen trotz Stagnation intakten Aufschwung

Unter die vielen positiven Meldungen zur Lage der deutschen Wirtschaft mischt sich nun eine negative: Am Jahresende 2005 gab es null Wachstum.

HB BERLIN. „Der Aufschwung ist intakt“, sagte Ökonom Andreas Scheuerle von der DekaBank. Nach wie vor erwarten die Experten, dass die Wirtschaft 2006 an Tempo zulegt und um 1,5 bis 2,0 Prozent wächst. „Wir sprechen nicht von einer Stagnation, weil der Wert für das letzte Vierteljahr unterzeichnet ist“, sagte ein Statistiker. Dieser Effekt entstehe, weil beim Vorquartalsvergleich die zusätzlichen Arbeitstage herausgerechnet wurden. Zudem zeige der Vergleich zum Vorjahr, dass die Wirtschaft zulege. Gegenüber dem vierten Quartal 2004 stieg das BIP - getragen von den boomenden Exporten - um 1,0 Prozent, kalenderbereinigt um 1,6 Prozent.

Zum Jahresende 2005 haben nur die Investitionen der Unternehmen - vor allem in Bauten - der Wirtschaft noch Impulse gegeben. Dieses Plus wurde von dem schrumpfenden privaten und staatlichen Konsum aufgefressen. Der Außenhandel fungierte nicht mehr als Wachstumsmotor, weil die Exporte an Fahrt verloren und der Wert der Importe wegen steigender Ölpreise und der Aufstockung der Lager wuchs. „Das Wirtschaftswachstum der ersten drei Quartale von 0,6 und 0,3 und 0,6 Prozent hat sich zum Jahresende 2005 nicht fortgesetzt“, schrieben die Statistiker.

Im Gesamtjahr 2005 hat die Wirtschaft dennoch wie erwartet um 0,9 Prozent zugelegt. Damit bestätigte das Bundesamt seine erste Schätzung. Bei der Überarbeitung der Zahlen revidierte das Amt das Wachstum vom vergangenen Frühjahr leicht von 0,2 auf 0,3 Prozent nach oben.

Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein warnte davor, wegen des schwachen Schlussvierteljahres von einem Ende des Aufschwungs zu sprechen. „Alle Indikatoren, die uns vorliegen, deuten schon auf eine Beschleunigung im ersten Quartal hin.“

Auch SEB-Experte Klaus Schrüfer sieht derzeit keinen Anlass, von seiner Wachstumsprognose von 1,7 Prozent im Gesamtjahr 2006 abzurücken. „Vielleicht haben sich auch einige Unternehmen zum Jahresende mit Investitionen zurückgehalten, um von den verbesserten Rahmenbedingungen in diesem Jahr zu profitieren“, sagte Schrüfer. „Das erste Quartal kann durchaus ein BIP-Wachstum von 0,5 oder 0,6 Prozent bringen.“

Trotz der Stagnation Ende 2005 geht die deutsche Wirtschaft mit einer Art Startkapital ins Jahr 2006. Dieser so genannte statistische Überhang belaufe sich auf rund 0,4 Prozentpunkte, erklärte das Statistikamt. Selbst wenn die Wirtschaftsleistung von Quartal zu Quartal über das ganze Jahr unverändert bleibt, würde sich im Vergleich zu 2005 ein Wachstum ergeben.

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