Statistisches Bundesamt
Geld verliert an Wert

Die Verbraucher mussten in diesem Jahr wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Verbraucherpreise stiegen um 1,1 Prozent. Die größten Preistreiber waren Benzin, Heizöl, Obst und Gemüse. Im nächsten Jahr erwarten Experten steigende Inflation und Löhne.
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HB BERLIN.Die Inflationsrate nur moderat gestiegen. Die Verbraucherpreise stiegen um durchschnittlich 1,1 Prozent im Vergleich zu 2009, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Mehr kosteten vor allem Benzin, Heizöl, Obst und Gemüse. Damit kletterten die Verbraucherpreise zwar fast dreimal so kräftig wie im Krisenjahr 2009 mit 0,4 Prozent. Dennoch fiel die Teuerung im historischen Vergleich gering aus: Seit der Wiedervereinigung zogen die Preise im Schnitt um 1,9 Prozent pro Jahr an. Experten zufolge müssen die Deutschen 2011 mit einer höheren Inflation rechnen. Die Löhne dürften aber deutlicher zulegen.

Das Münchner Ifo-Institut und die Postbank sagen für das kommende Jahr eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent voraus. "Wegen der im Aufschwung anziehenden Nachfrage können die Unternehmen höhere Kosten durch steigende Ölpreise leichter auf die Verbraucher abwälzen", sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. "In vielen Branchen zeichnen sich auch höhere Lohnabschlüsse ab. Auch hier werden die Unternehmen versuchen, die Kosten an die Kunden weiterzugeben." Ab Januar wollen Hunderte Versorger die Strompreise anheben - im Schnitt um sieben Prozent. Auch Vater Staat langt kräftiger zu: Flüge und Zigaretten werden wegen höherer Steuern teurer.

Bei der Europäischen Zentralbank - der obersten Währungshüterin - schrillen noch nicht die Alarmglocken. Sie sieht stabile Preise bis zu einem Wert von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. "Die EZB muss sich aber noch keine Sorgen machen, unterm Strich bleibt die Preisentwicklung noch moderat", sagte Ökonomin Jana Meier von HSBC Trinkaus.

Stärker als die Lebenshaltungskosten dürften die Löhne zulegen. Die DekaBank rechnet mit einem Anstieg der Tarifverdienste um mehr als zwei Prozent. "Die Abschlüsse, die 2011 ausgehandelt werden, dürften sogar noch deutlich darüber liegen", sagte ihr Experte Andreas Scheuerle. "Die Unternehmen werden eine Art Konjunkturdividende zahlen." Wegen des Aufschwungs wollen zahlreiche Firmen die Lohnerhöhungen vorziehen, darunter Bosch, Siemens und Volkswagen.

Auch 2010 stiegen die Tarifverdienste um mehr als zwei Prozent. Allerdings stand für viele Beschäftigte das Plus nur auf dem Papier: Wegen der Krise haben viele Unternehmen übertarifliche Leistungen gestrichen oder gekürzt sowie betriebliche Öffnungsklauseln genutzt und damit Lohnerhöhungen ausgesetzt. "Dennoch sind die real verfügbaren Einkommen gestiegen, was den Konsum beflügelt hat", sagte Scheuerle.

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr um etwa 3,7 Prozent wachsen. Dazu dürften neben Exporten und Investitionen auch der Konsum beitragen. Für 2011 wird ein Plus von etwa 2,3 Prozent erwartet. Der Großteil des Wachstums soll von der Binnennachfrage kommen, sind sich alle Institute einig.

Im Dezember kletterte die Teuerungsrate überraschend mit 1,7 Prozent so stark wie Oktober 2008 nicht mehr. Im Vergleich zum Vormonat gab es mit plus 1,0 Prozent sogar den kräftigsten Anstieg seit sechs Jahren. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit 0,8 Prozent gerechnet. "Wegen der Winterferien zogen wie üblich vor allem die Preise für Hotels und Pauschalreisen stark an", sagte Heidrich. Auch die Kraftstoff- und Heizölpreise legten deutlich zu, nachdem die Rohölpreise merklich gestiegen sind. "Das kalte Wetter dürfte da seinen Tribut gefordert haben", sagte HSBC-Expertin Meier. Details zur Preisentwicklung will das Statistische Bundesamt am 14. Januar veröffentlichen.

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