Statistisches Bundesamt legt Zahlen für August vor
Deutscher Einzelhandel verbucht unerwartetes Umsatzplus

Die deutschen Einzelhändler haben im August überraschend mehr Umsatz gemacht als im Juli. Doch Experten meinen: „Es sieht weiter trübe aus.“

HB BERLIN. Die Erlöse stiegen um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Preissteigerungen herausgerechnet, kletterten die realen Einnahmen um 3,1 Prozent. Dies war das größte Plus im Monatsvergleich seit Dezember 2006. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hingegen hatten die Einzelhändler nur 0,3 Prozent mehr in den Kassen: Real gab es sogar ein Minus von 3,0 Prozent. Allerdings hatte der August auch einen Verkaufstag weniger als vor Jahresfrist.

Volkswirte hatten real mit einem Plus von 0,5 Prozent zum Vormonat und einem Minus von 2,6 Prozent zum Vorjahresmonat gerechnet.

Im Lebensmittelhandel lief es im August nicht so gut: Diese Sparte verzeichnete ein reales Umsatzminus von 4,7 Prozent zum Vorjahr. Dabei erlitt besonders der Facheinzelhandel große Einbußen. Auch bei den Warenhäusern und im Versandhandel waren die Umsatzrückgänge mit je 4,5 Prozent überdurchschnittlich. Im sonstigen Facheinzelhandel, der etwa Bücher und Schmuck verkauft, stiegen die Einnahmen um 4,5 Prozent zum August 2007 an.

In den ersten acht Monaten hatten die Einzelhändler 2,1 Prozent mehr in den Kassen als im Vorjahreszeitraum, real aber 0,7 Prozent weniger. Für 2008 erwartet der Branchenverband HDE ein Umsatzplus von 1,5 Prozent, real ein Minus von 1,0 Prozent.

„Es war ein überraschend starker Anstieg. Zuletzt war er im Dezember 2006 höher, damals aber durch Vorzieheffekte wegen der Mehrwertsteuererhöhung bedingt“, sagte Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit. Als Gründe würden nun der starke Rückgang beim Öl und bei den Energiepreisen angeführt. Das habe die Kaufzurückhaltung sinken lassen. Wenn man aber die Daten von Juli und August zusammenfasse und das mit dem zweiten Quartal vergleiche, hätten die Umsätze nur stagniert. „Die drei Prozent sind keine Trendwende. Es sieht weiter trübe aus“, meint Koch. Andreas Scheuerle von der Dekabank hält den starken Anstieg im Monatsvergleich für „ein kleines Rätsel“. Die Rahmenbedingungen hätten sich kaum verändert. „Aber die Inflation ist zurückgegangen. Dies war womöglich der entscheidende Auslöser, dass sich der Konsumfrust der vergangenen Monate entladen hat“, sagt der Volkswirt. Aber an anderer Stelle wachse neue Gefahr heran: die Gefahr der Arbeitslosigkeit.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, sagt Ulrike Kastens Volkwirtin bei Sal. Oppenheim. „Wir hatten in den Vormonaten eine sehr schwache Entwicklung, deswegen haben wir im August jetzt eine Gegenbewegung gesehen. Da könnten auch die Nachwirkungen des Schlussverkaufs eine Rolle gespielt haben.“ Die Aussichten seien sehr eingetrübt. Der Verbraucher sei verunsichert, einerseits durch die Inflation, aber auch zunehmend durch die Finanzkrise.

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