Statistisches Bundesamt
Rekordüberschuss beim deutschen Export

Experten halten eine positive Überraschung bei den Wachstumsdaten in Deutschland für das zweite Quartal für möglich. Der Grundist, dass die deutsche Wirtschaft Juni deutlich mehr Waren verkauft als im Vorjahr und einen neuen Rekord beim Exportüberschuss erzielt.

HB BERLIN. Mit 68,8 Milliarden Euro lagen die Ausfuhren um 9,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Allerdings gingen die Exporte im Vergleich zum Mai saisonbereinigt um 0,4 Prozent zurück, die Importe sanken jedoch sogar um 5,5 Prozent. Der Überschuss in der Handelsbilanz kletterte damit auf das Rekordhoch von 16,8 Milliarden Euro. „Wir könnten eine positive Überraschung bekommen bei den BIP-Daten am Donnerstag“, kommentierte Jörg Lüschow von der WestLB die Daten.

Die meisten Experten gehen bislang nur von einer Stagnation im zweiten Quartal aus. Andreas Scheuerle von der DekaBank zeigte sich zuversichtlich für die Zukunft. „Die Weltwirtschaft dürfte ihre Wachstumsdelle hinter sich lassen und wieder Schwung aufnehmen. Davon profitieren dann auch die deutschen Exporte.“

In der Leistungsbilanz verzeichnete Deutschland im Juni ein Plus von 10,4 Milliarden Euro. Im ersten Vierteljahr hatte ein großer Überschuss im Außenhandel fast allein für das Wirtschaftswachstum von einem Prozent gesorgt. Ob es nun im zweiten Quartal einen umgekehrten Effekt gegeben hat, ist nach den neuen Daten unter Experten umstritten. Wegen des kräftigen Einfuhrrückgangs von Mai auf Juni könnte die Belastung etwas geringer als befürchtet ausfallen, sagte HVB-Analyst Alexander Koch. „Unter dem Strich dürfte der Außenbeitrag nach dem starken ersten Vierteljahr aber das Wachstum etwas gebremst haben.“

Die Commerzbank-Experten hingegen erwarten eher, dass der Außenhandel keinen negativen Einfluss auf das Wachstum hat. „Gesamtwirtschaftlich rechnen wir für das abgelaufene Vierteljahr mit einem Plus von 0,1 Prozent“, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank.

Die Warenimporte lagen im Juni mit 51,9 Milliarden Euro um 8,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im gesamten ersten Halbjahr kletterten die Exporte im Vorjahresvergleich um knapp sechs Prozent, die Einfuhren lagen gut sieben Prozent höher.

„Die Exporte werden weiter gut laufen“, sagte Solveen. „Dies liegt an der stabilen Weltwirtschaft und auch der etwas schwächere Euro dürfte helfen.“ Scheuerle geht davon aus, dass es für die hiesige Wirtschaft im zweiten Halbjahr bergauf geht. „In Deutschland wird die Konjunkturdelle insgesamt durchschritten werden.“ Zum Jahresende erwartet er eine Rückkehr zum Potenzialwachstum von aufs Jahr gerechnet rund 1,6 Prozent. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sagte in einem Interview, auch für die gesamte Euro-Zone gebe es Zeichen für eine Erholung noch in diesem Jahr.

Im Juni verteilten sich die deutschen Exportzuwächse den Daten zufolge auf alle Regionen: Die Ausfuhren in die anderen Länder der Euro-Zone legten um zehn Prozent auf 30,2 Milliarden Euro zu, die Exporte in den Rest der Europäischen Union (EU) stiegen um 9,8 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. In den Rest der Welt führten die deutschen Firmen Waren im Wert von 25,1 Milliarden Euro aus, was einem Zuwachs von 9,6 Prozent im Vergleich zum Juni 2004 entsprach.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%