Steigende Energiepreise
IWF rechnet mit knapperem Ölangebot

Der Preis für Öl auf den Weltmärkten steigt, gleichzeitig hat das Ölangebot tendenziell abgenommen. Doch nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist dies kein Grund, dass das globale Wachstum schrumpfen muss.
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WashingtonDie Weltwirtschaft muss sich nach Einschätzung des IWF einerseits gegen plötzliche und kurzfristige Preissprünge auf dem Ölmarkt wappnen. Und andererseits darauf einstellen, dass es zu einem verstärkten Kapitaltransfer von Öl importierenden zu Öl exportierenden Ländern kommt. 

Eine zweite Quelle der Besorgnis sind für den IWF, der gestern den  analytischen Teil seines jüngsten Weltwirtschaftsausblicks (WEO) vorgelegt hat, die wachsenden Kapitalströme hin zu den Schwellenländern. Die Liquidität, die in diese wachstumsstarken Regionen fließe, lasse sich oft schlecht vorhersagen und kontrollieren, heißt es in dem IWF-Bericht. Kapital reagiere dabei höchst sensibel auf die Bedingungen an den Finanzmärkten. Sind die globalen Zinsen niedrig, stiegen die Kapitalströme in die Schwellenländer an. Aber entsprechend schnell könnten sich diese Entwicklungen auch wieder umkehren. Dabei spiele auch eine Rolle, wie groß das jeweilige Investitionsrisiko eingeschätzt werde und wie sehr ein Schwellenland ökomomischen Einflüssen aus den USA ausgesetzt sei. 

Mit einem Anteil von rund 33 Prozent ist Öl noch immer die wichtigste Energieressource weltweit. Kohle macht im Energiemix 28 Prozent aus, Gas 23 Prozent, Atomstrom rund sechs Prozent. Der Anteil der erneuerbaren Energien wächst zwar, ist im Vergleich mit anderen Energieträgern jedoch noch immer gering. Die Sorge über eine mögliche Reduzierung des Angebots hat dabei weniger mit dem Vorhandensein von Öl zu tun als mit der rapiden Nachfragesteigerung in den Schwellenländern. 

Eineinhalb Jahre nachdem sich die Weltwirtschaft wieder zu erholen begonnen hat, sind Rohstoffe wieder ein zentrales Thema geworden, schreibt der Fonds. Bei der Berechnung der Wachstumsaussichten spielt die Nachfrage nach Öl als Indikator eine zentrale Rolle. Öl und andere natürliche Ressourcen haben sich enorm verteuert, was auf eine weltweite kräftige Nachfrage und Wachstumsentwicklungen hinweist. 

Gleichzeitig aber bestehen auch Gefahren, dabei vor allem, dass steigende Energiekosten das Inflationsrisko erhöhen. Die Autoren des WEO sind jedoch optimistisch, dass anders noch als in den 80er und 90er Jahren diesmal die Preisausschläge nicht so überraschend kommen. Was indes kaum zu prognostizieren sei, ist der Zusammenhang zwischen Nachfrage und schrumpfendem Angebot an Öl, heißt es in der IWF-Analyse. Zwar werde die erwartete Knappheit beim Angebot einen Effekt auf das Wachstum haben, doch sei der mit einem Minus von rund einem Viertel Prozent gering. Dies könne sich jedoch ändern, wenn auch langfristig weniger Öl auf den Weltmärkten zur Verfügung stehe.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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