Steigende Inflation: Bank von England in der Zins-Zwickmühle

Steigende Inflation
Bank von England in der Zins-Zwickmühle

Großbritanniens Zentralbankchef King erwartet einen kräftigen Teuerungsanstieg, dämpft aber zugleich Spekulationen auf Zinserhöhungen. Denn die vom harten Winterwetter gebeutelte Wirtschaft soll möglichst schnell wieder auf Touren kommen.
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LondonGroßbritanniens Zentralbank steckt in einer Zwickmühle aus anziehender Inflation und überraschend schwacher Konjunktur. Notenbankgouverneur Mervyn King sagte, er rechne in den kommenden Monaten mit einem Anstieg der Inflation auf bis zu fünf Prozent - deutlich über dem von Regierung und Notenbank angepeilten Ziel von zwei Prozent. King erklärte jedoch zugleich, er werde sich bei Zinsentscheidungen an langfristigen Zielen orientieren und nicht wegen eines als vorübergehend erachteten Teuerungsanstiegs sofort die geldpolitischen Zügel anziehen. Der Leitzins der Bank of England liegt seit vielen Monaten bei 0,5 Prozent. Nächste Woche entscheidet das geldpolitische Komitee unter Führung Kings das nächste Mal über seinen Kurs.

King verteidigte die Geldpolitik der BoE. Die Notenbank habe sich mit ihrem Beschluss im vergangenen Jahr, die Leitzinsen trotz des wachsenden Inflationsdrucks nicht zu erhöhen, richtig verhalten. Die verstärkte Inflation sei durch einmalige Faktoren wie höhere Importpreise, einen Anstieg beim Ölpreis und eine Erhöhung von indirekten Steuern verursacht worden. Die Notenbank müsse sicherlich irgendwann den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld heraufsetzen, sagte er bei einem seiner recht seltenen öffentlichen Auftritte in Newcastle im Nordosten des Landes. Dieser Schritt - also eine Zinserhöhung - werde jedoch nicht durch Inflationszahlen eingeleitet.

Die britische Wirtschaft hatte Ende des vergangenen Jahres einen schweren Rückschlag erhalten. Das harte Winterwetter ließ die Konjunktur von Oktober bis Dezember überraschend um 0,5 Prozent schrumpfen. Seit dem Sommer 2009 hatte es zum Vorquartal keinen Rückgang mehr gegeben. Davor hatte die globale Finanzkrise für eine heftige und vor allem zähe Rezession in Großbritannien gesorgt. Die Regierung in London will im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht von ihrem Sparkurs abweichen. Die Notenbank hatte die Wirtschaft in der Krise mit milliardenschweren Geldspritzen aufgepäppelt und gerät nun in einem Zwei-Fronten-Kampf gegen Preisdruck und Wachstumsschwäche in die Bredouille. Denn die Inflationsrate im Vereinigten Königreich liegt mit 3,7 Prozent bereits aktuell fast doppelt so hoch wie von der Zentralbank angestrebt.

Das Dilemma: Falls die Notenbank den zunehmenden Preisdruck mit einer Abkehr von ihrer Niedrigzinspolitik frontal angeht, riskiert sie ein Abwürgen der Konjunktur. Allerdings nimmt die Zahl der Befürworter eines in diese Richtung gehenden Kurses in der Führungsspitze der BoE offenbar zu. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Januar-Zinssitzung hervorgeht, sprachen sich zwei Mitglieder des Rates für eine Zinserhöhung aus. Der Kurs des Pfundes, der noch tags zuvor wegen der miserablen Konjunkturdaten unter Druck gestanden hatte, legte am Mittwoch wieder zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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