Steigende Investitionen machen Hoffnung
Bundesbank rechnet mit langsamerem Wachstum

Die Deutsche Bundesbank rechnet mit einem langsameren Wachstumstempo in Deutschland. Der Übergang von der ersten Phase der Konjunkturerholung zu einer zusätzlich von der Inlandsnachfrage gestützten Aufwärtsbewegung vollziehe sich „zäher als erwartet“, schreibt die Bank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

HB FRANKFURT/MAIN. Im vierten Quartal würden Heizölkäufe viel Kaufkraft binden. Zudem schränkten Kürzungen von Weihnachtsgeld und anderen Lohnbestandteilen den Ausgabenspielraum für Privathaushalte ein. Die Bundesregierung dürfte damit nach Einschätzung der Bundesbank mit ihrem Ziel scheitern, das Haushaltsdefizit 2005 unter die Drei-Prozent-Grenze zu senken.

„Trotz der Erwartung einer sinkenden Defizitquote besteht aus heutiger Sicht ein erhebliches Risiko, dass die Drei-Prozent-Grenze auch im kommenden Jahr überschritten wird“, hieß es am Montag im Monatsbericht der Bundesbank. Es sei zu begrüßen, dass die Bundesregierung nachdrücklich das Ziel verfolge, die Verpflichtungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes einzuhalten. Dies sei auch wichtig, um die „Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik nicht weiter zu beschädigen“, hieß es. „Allerdings erscheint nicht gesichert, dass die geplanten Maßnahmen ausreichen, die Drei-Prozent-Grenze einzuhalten.“ Es handele sich zum Großteil um Einmaleffekte, die künftige Haushalte belasteten. Die Bundesregierung plant neben Einsparungen unter anderem den Verkauf von Zahlungsverpflichtungen der Telekom und der Post.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte jüngst angekündigt, für 2005 ein Defizit von 2,9 % an die EU-Kommission zu melden. Deutschland hatte bereits 2002 und 2003 gegen die Drei-Prozent-Grenze verstoßen und wird dies auch 2004 tun.

Nach Ansicht der Bundesbank stützen allenfalls steigende Investitionen in Deutschland die Hoffnung auf eine breitere wirtschaftliche Erholung auch im Inland.

Die Investitionstätigkeit sei zwar insgesamt noch verhalten und die Bauinvestitionen gingen sogar weiter leicht zurück, aber die Ausrüstungsinvestitionen lösten sich von ihrer schwachen Grundtendenz, hieß es am Montag im Bundesbank-Monatsbericht. „Dies nährt die Hoffnung, dass die wirtschaftlichen Auftriebskräfte allmählich auch auf die Binnenwirtschaft übergreifen.“ Denn bisher stütze sich die Belebung sehr einseitig auf die Auslandsnachfrage.

Die Voraussetzungen für ein Wiederbeleben der Investitionen seien gegeben, da etwa die Finanzierungsbedingungen weiter günstig seien. „Die strukturellen Bereinigungen im Unternehmenssektor und die moderaten Lohnabschlüsse haben zu einer Aufhellung der Ertragsperspektiven beigetragen, die Kapazitätsauslastung in der Industrie nimmt tendenziell zu.“ Zudem gebe es inzwischen einen hohen Ersatzbedarf an gewerblichen Ausrüstungsinvestitionen.

Die Wirtschaftserholung in Deutschland sei im Sommer „in schwieriges Fahrwasser geraten“, da das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal nur noch um 0,1 % zum Vorquartal zugelegt habe. In den beiden Quartalen zuvor hatte das Plus noch jeweils 0,4 % betragen. „Trotz dieser deutlichen Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität scheint der Erholungsprozess aber nicht abgebrochen zu sein.“ Allerdings sei das schwächere Wachstum ein Anzeichen dafür, dass die derzeitige Konjunkturlage anfällig und noch nicht selbsttragend sei.

Für die „Wachstumsdelle“ im dritten Quartal seien vor allem rückläufige Exporte verantwortlich, die aber wieder zulegen dürften. „Trotz der jüngsten Aufwertung des Euro ist im vierten Quartal wieder mit einer anziehenden Exporttätigkeit zu rechnen“, schrieben die Bundesbank-Experten. Darauf deuteten die nach wie vor gute Weltkonjunktur und die gestiegenen Auslandsaufträge hin, auch wenn die jüngste Dollar-Abwertung leicht dämpfende Effekte auf die Exportentwicklung haben dürfte. „Auf Grund der moderaten Kosten- und Preisentwicklung stellt sich die Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft derzeit immer noch etwas besser dar als im langfristigen Durchschnitt.“

Kreditnachfrage in Deutschland immer noch schwach

Trotz der Konjunkturerholung in Deutschland haben Unternehmen und Verbraucher im dritten Quartal nur vergleichsweise wenige Kredite aufgenommen. Das Kreditgeschäft der deutschen Banken sei hinter der lebhaften Kreditvergabe in der gesamten Euro-Zone zurückgeblieben, hieß es in dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Von Juli bis September hätten sich die Bankfinanzierungen auf das Jahr hochgerechnet saisonbereinigt um 1,5 % erhöht nach einer Stagnation im Vorquartal. In der Euro-Zone lag der Zuwachs dagegen nach Angaben der Bundesbank bei 6,3 %.

Der Zuwachs sei aber vor allem auf den Erwerb von öffentlichen Anleihen durch die Banken zurückzuführen. „Die anhaltend schwache Kreditentwicklung in Deutschland scheint weiterhin vor allem auf die geringe Nachfrage zurückzugehen.“ Zurückhaltung der Banken beim Kreditangebot habe dagegen kaum eine Rolle gespielt. Im Vergleich zum restlichen Euro-Raum differenzieren die deutschen Banken aber ihre Kreditzinsen stärker nach dem Ausfallrisiko der Kunden. Nach der jüngsten Umfrage über die Kreditbedingungen der Banken rechnen diese mit einer spürbaren Belebung im Firmenkundengeschäft im vierten Quartal.

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