Steigende Verbraucherpreise
Schweinefleisch wird in China zum Luxusgut

China muss sich weiter auf steigende Verbraucherpreise einstellen. Im Januar legte die Inflation so stark zu wie schon lange nicht mehr. Mit einem Zuwachs von 7,1 Prozent lag die Inflation so hoch wie zuletzt vor über elf Jahren. Besonders betroffenen sind Lebensmittel.

PEKING. Im Januar kosteten sie 18,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das nationale Statistikamt in Peking mit.

Preistreiber Nummer eins bleibt Schweinefleisch: Nachdem sich die Preise für das Lieblingsfleisch der Chinesen im vergangenen Jahr fast verdoppelt haben, stiegen sie im vergangenen Monat erneut um 59 Prozent. Speiseöl legte 37 Prozent zu, Gemüse wurde 14 Prozent teurer.

Dennoch bleibt das wahre Ausmaß der Inflation unter Experten umstritten. Der Warenkorb der Statistiker umfasse zu viele Lebensmittel, so die Kritiker. Jonathan Anderson, Chefvolkswirt bei UBS in Hongkong, weist darauf hin, dass darum die Preise für Nicht-Nahrungsmittel nur gering steigen. Sie legten im Januar nur um 1,5 Prozent zu. Die hohen Fleischpreise werden die Inflationsraten zwar auch in den kommenden Monaten steigen lassen, so Anderson, für das Gesamtjahr erwarte er eine „Kerninflation von drei bis vier Prozent“.

Die Januarpreise wurden auch durch Sondereffekte nach oben getrieben. So hatten die schweren Winterstürme der vergangenen Wochen in weiten Teilen des großen Reichs Infrastruktur und Produktionen lahm gelegt. Zudem habe auch das Neujahrsfest für einen saisonalen Preisauftrieb gesorgt. Doch einen Grund zur Entwarnung sieht Stephen Green, Ökonom der Standard Chartered Bank in Schanghai, darum nicht: „Wir glauben, die Wirtschaft muss kurzfristig mit einem ernsten Inflationsdruck rechnen.“

Zumal die Regierung in Peking bereits zahlreiche Dinge veranlasst hat, um die Inflation einzudämmen. So wurden Preisobergrenzen für eine ganze Reihe von Lebensmitteln und vor allem für Benzin und Öl festgelegt. Um die Geldmenge zu verringern, wurde die Kreditvergabe durch Banken deutlich eingeschränkt. Seit Anfang vergangenen Jahres hat die Notenbank den Mindestreservesatz elfmal angehoben.

Chinas kommunistische Führung will jedoch weitere Preissteigerungen unbedingt vermeiden, da damit das Risiko von Unmut und Unruhen wächst. Bei einer Supermarkt-Schlacht um billiges Speiseöl sind vor wenigen Monaten bereits drei Menschen getötet worden. Die Engpässe beschädigen nach Ansicht von Russell Moses, Dekan des Beijing Center for Chinese Studies, zudem das Image der Regierung. „Das Problem ist nicht die Inflation allein, die Leute fragen sich langsam, ob sich China wirklich positiv entwickelt.“

Die chinesischen Verbraucher verwenden einen höheren Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel als in Industrieländern. Trotz der wachsenden Mittelschicht leben nach Angaben der Weltbank noch immer 300 Mill. Menschen im Reich der Mitte unter der Armutsgrenze.

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