Steigendes Risiko
IWF-Experte warnt die internationalen Finanzmärkte

Der Internationale Währungsfonds (IWF) verbreitet Alarmstimmung: Die Finanzmärkte kalkulieren offensichtlich zu wenig Risiken mit ein. Als mögliche Folge droht ein böses Erwachen aus dem Traum vom Wachstum. Experten sehen die aktuelle Lage kritisch.

mak FRANKFURT. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist besorgt, dass die Finanzmärkte zu sehr auf eine „weiche Landung“ der Weltwirtschaft setzen und über Jahre aufgebaute Risiken nicht ausreichend beachten. Die bisher günstige konjunkturelle Entwicklung könnte ohne jede Vorwarnung ins Gegenteil umschlagen und diese Risiken akut werden lassen. Davor warnte Axel Bertuch-Samuels in Frankfurt. Der stellvertretende Direktor der Kapitalmarktabteilung des Internationalen Währungsfonds gab damit einen Einblick in den „Global Financial Stability Report“, den die Washingtoner Währungsbehörde Anfang April veröffentlichen wird.

Der bis vor kurzem anhaltende Risikoappetit der Akteure an den internationalen Finanzmärkten könnte auf einer übertrieben positiven Beurteilung des Wachstums, der Zinsen und der Wechselkursen beruht haben, so Bertuch-Samuels. Auch die Liquidität sei überschätzt worden. Sie werde voraussichtlich vor allem durch die Europäische Zentralbank (EZB) und durch die japanische Notenbank weiter zurückgeführt. Die dadurch bedingte Wende im Kreditzyklus bringe wahrscheinlich einen Anstieg der Zahlungsausfälle mit sich.

Die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten wertete der IWF-Experte bereits als Abbau riskanter Positionen, die in letzter Zeit stark zugenommen hätten. Dies sei zwar grundsätzlich positiv zu bewerten. Es lasse sich aber nicht absehen, zu welchen Marktschwankungen es kommen könnte, wenn sich der Korrekturprozess fortsetze.

Der Finanzmarktexperte warnte vor Verstärkungen durch Hebeleffekte, die in Teilen des Finanzsystems ausgelöst werden könnten, ebenso wie vor den schnell gewachsenen komplexen innovativen Finanzinstrumenten. Die Märkte für diese Produkte seien in einem anhaltend ungünstigeren finanziellen und wirtschaftlichen Umfeld noch nicht getestet worden. Eine starke Abwärtskorrektur der Wachstumserwartungen oder neuer Inflationsdruck könnte über die Anlageklassen und Regionen hinweg zu einer überstürzten Anpassung der Portfolios führen – mit der möglichen Folge von Turbulenzen. Und obwohl sich die globalen Ungleichgewichte langsam abbauten, sei die Gefahr abrupter Korrekturen nicht gebannt.

Eine großes Gefahr ist für Bertuch-Samuels die Rückabwicklung der „Carry Trades“, also der Verschuldung in einem Land mit niedrigen Zinsen und gleichzeitiger Anlage in einem Land mit hohen Zinsen. Das könnte in Schwellenländern zu Zinsaufschlägen von über zwei Prozent führen. Der IWF-Experte appellierte an Marktteilnehmer und Behörden, die noch guten Zeiten zur Stärkung der Finanzinstitutionen zu nutzen.

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