Stimmt es, dass...
Arbeiten Ökonomen wie wie mittelalterliche Scholastiker?

Argumentieren Ökonomen in der aktuellen Krise dogmatisch? Ist der Vorwurf berechtigt, sie betrieben ihre Wissenschaft wie mittelalterliche Scholastiker? Die Kritik ist nicht unberechtigt.
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Ein Vorwurf, den sich Ökonomen immer wieder anhören müssen, ist, dass sie ihre Wissenschaft betreiben wie mittelalterliche Scholastiker. Der als „Krisenprophet“ bekannt gewordene Betriebswirt Max Otte ätzte am Dienstag in Göttingen auf einem Kongress von kritischen Ökonomen über die „systemtragende Scholastik der Zunft“, die ihn an die katholische Kirche des ausgehenden Mittelalters erinnere.

Dabei ist Scholastik eigentlich eine durchaus respektable wissenschaftliche Herangehensweise, die auf Aristoteles basiert. Man wendet allgemeine Grundsätze, von deren Richtigkeit man überzeugt ist, auf ein besonderes Problem an und beantwortet so die Eingangsfrage.

Dann werden die Gegenargumente entkräftet, indem entweder logische Inkonsistenzen in der Gegenposition aufgezeigt oder die Anwendbarkeit der Annahmen der Gegenseite bestritten wird.

Zumeist wird Scholastik aber abwertend verwendet und auf ein Gebiet verengt, für das sie viel eingesetzt wurde, die Rechtfertigung und Anwendung kirchlicher Dogmen im Mittelalter. Begriffe wie engstirnig, dogmatisch und wirklichkeitsfremd schwingen daher mit.

Trifft das auf die Ökonomen zu? Beschäftigen sie sich tatsächlich mit Fragen, die an scholastische Auswüchse erinnern, wie die Diskussion darum, wie viele Englein auf eine Messerspitze passen?

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Es gibt Grundannahmen, die das Ergebnis bestimmen

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  • 1. Der methodologische Individualismus ist eine zutiefst freiheitliche und demokratische Perspektive, denn er geht davon aus, dass der einzelne Mensch selbst Präferenzen hat und diese nicht von anderen aufoktroyiert werden dürfen. Welch wohltuender Unterschied zum verbreiteten (neuen) Paternalismus in Medien und Politik. Individualismus schützt uns vor Gutmenschen aller Schattierungen.

    2. Gleiches gilt für den Verzicht auf Verrechnung von Nutzen in der Ökonomie. Wir haben eben keinen wissenschaftlichen Maßstab für Nutzenvergleiche, so dass diese immer nur politisch erfolgen können. Freilich existieren Gruppeninteressen oftmals nur in der Wahrnehmung der Polit-Funktionäre, die ihre eigenen dafür ausgeben. Immerhin offeriert die Ökonomie das Pareto-Prinzip: Wenn es mindestens einem besser geht, ohne dass es einem anderen schlechter geht, nimmt der Gesamtnutzen zu. Wer das beherzigt, ist jedenfalls kein neidischer Mensch.

  • Dazu fällt mir das "Memorandum besorgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" ein, das von mehr als 100 Professoren unterzeichnet wurde.
    Überschrift: "Für eine Erneuerung der Ökonomie"
    Darin wird bezweifelt, daß die Ökonomie in der zur Zeit in Deutschland gelehrten dogmatischen Form noch eine Wissenschaft ist.
    http://www.mem-wirtschaftsethik.de/memorandum-2012/

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