Stimmt es, dass...
Betreibt die EZB keine Bankenrettung?

Jörg Asmussen bestreitet mit Hilfe einer spitzfindigen Formulierung, dass die EZB Bankenrettung betreibe. Allerdings besteht der Unterschied zwischen Kapital und Liquidität eher in der Theorie als in der Praxis.
  • 0

Auf einer Diskussionsveranstaltung der Grünen-Bundestagsfraktion zum Thema „Bankenrettung durch die EZB - Wem nützt's? Wem schadet's? Gibt es bessere Alternativen?" trat Jörg Asmussen auf, ein Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Er beschwerte sich über den aus seiner Sicht falschen Titel.

Denn für ihn ist klar, dass die EZB keine Bankenrettung betreibt, weil sie den Banken kein Kapital, sondern nur Liquidität zur Verfügung stelle. Die Unterscheidung ist ziemlich spitzfindig. Die Banken brauchen „Liquidität" in Form von unlimitierten Krediten von der Zentralbank zu einem Zins unterhalb der Inflationsrate, weil sie sich gegenseitig aus gutem Grund nicht mehr trauen.

Asmussen betont zwar, die EZB gebe nur kreditwürdigen Banken ihre Liquiditätskredite. Aber zum Ersten unterscheidet sich ihr Urteil über die Solvenz vieler Banken ganz eklatant vom Urteil der Branche. Zum Zweiten wäre das gesamte Bankensystem längst pleite, wenn die EZB ihm nicht mit dieser überaus großzügigen Kreditbereitstellung über alle selbst verursachten Probleme hinweggeholfen hätte.

„Die EZB hat dem Bankensystem lebenserhaltende Infusionen gegeben", sagte Asmussen dazu an anderem Ort. Und drittens ist ein erklärtes Ziel der jüngsten, mit drei Jahren besonders langfristigen und mit einer Billion Euro besonders umfangreichen Kredite der EZB für die Banken, deren Gewinnsituation zu verbessern. Sie will ihnen ermöglichen, mehr Gewinn zu machen, um so ihr Eigenkapital aufzufrischen.

Seite 1:

Betreibt die EZB keine Bankenrettung?

Seite 2:

Prinzip der Marktwirtschaft wird verwässert

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Betreibt die EZB keine Bankenrettung?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%