Stimmt es, dass...
Bringt eine Frauenquote ungeeignete Kandidatinnen an die Spitze?

Die Meinungen zur Frauenquote sind geteilt. Während eine norwegische Studie den Mangel an qualifizierten Frauen für hohe Positionen in den Fokus rückt, kamen Forscher bei Wahlen in Italien zu zu anderen Ergebnissen.
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FrankfurtEin aufmerksamer Ökonomieprofessor hat festgestellt, dass die positive Wirkung von Frauenquoten auf die Qualität der Kandidaten, wie sie in der Kolumne vom 6. März in Aussicht gestellt wurde, offenbar nicht überall im Handelsblatt so gesehen wird. Er verweist auf den Beitrag „Das Kreuz mit der Quote“ vom 12. März. Darin wird eine Studie referiert, wonach die Einführung einer Frauenquote in Norwegen zu lang anhaltenden Kursverlusten für Unternehmen führte, die ihren Frauenanteil an der Spitze stark erhöhen mussten.

Diese Studie ist ein Beleg für die in der Kolumne genannte wichtige Bedingung für eine positive Wirkung einer Frauenquote. In mehrstufigen Hierarchien ist es dafür nötig, zuerst auf den unteren Ebenen den Frauenanteil zu erhöhen. Denn, wenn man ganz oben mit Quoten anfängt, so wie das die EU-Kommission den renitenten europäischen Unternehmen androht, besteht die Gefahr, dass es auf der Führungsebene direkt darunter nur ganz wenige Frauen gibt, die infrage kommen. Dann fehlt die Möglichkeit zur Auswahl.

Es kann kaum noch darauf geachtet werden, dass nur Mitarbeiter befördert werden, die sich bewährt und für höhere Aufgaben empfohlen haben. Vielmehr müssen dann auch solche Mitarbeiterinnen befördert werden, die ohnehin schon höher gestiegen sind, als ihnen und dem Unternehmen guttut.

Ein positives Beispiel liefert eine andere, eben erschienene Studie. Sie hat untersucht, wie sich eine Geschlechterquote bei italienischen Kommunalwahlen, die nur zwei Jahre lang galt und für jedes Geschlecht eine Quote von mindestens einem Drittel vorschrieb, auf die Qualität der Gewählten auswirkte.

Qualität wurde dabei gemessen als die Jahre in schulischer und universitärer Ausbildung. Bei Kommunalwahlen tritt das Problem der Mehrstufigkeit nicht auf. Praktisch alle Bürger kommen für ein Mandat in Frage. Es zeigte sich, dass in den Kommunen, in denen während Gültigkeit der Quote gewählt worden war, die erfolgreichen Kandidaten ein höheres Bildungsniveau aufwiesen als in anderen Kommunen. Das lag nicht nur an der größeren Anzahl der gewählten Frauen, die durchschnittlich besser gebildet sind als Männer, sondern auch daran, dass die erfolgreichen Männer über einen höheren Bildungsabschluss verfügten.

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es so schön, und die Konkurrenz funktioniert nicht richtig, wenn die Hälfte der Bevölkerung keine faire Siegeschance hat.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Bringt eine Frauenquote ungeeignete Kandidatinnen an die Spitze?"

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  • Wie richtet man eine Firma zugrunde!

    Durch Verwaltung: das dauert lange
    Durch Computer: das ist am sichersten
    Durch Frauen: das ist am schönsten

  • Frauen in Spitzenpositionen? Da fallen mir spontan nur Negativ-Beispiele ein die Merkel, Koch-Mehrlin, die Gruenen (Roth, Kuehnast als besonders abschreckende Exemplare)... e "Damen" wie diese sollen dann kuenftig auch noch die bisher erfolgreiche dt. Industrie fuehren, d.h. ruinieren? Das Problem mit der Quotilda ist nicht nur die haeufig mangelhafte Qualifikation (durch echten oder gefakten/gekauften Abschluss), sondern auch die fehlende persoenliche Eignung zur Fuehrung. Die maennlichen Manager bekommen ihre Jobs (im Gegensatz zur Quotilda) nicht geschenkt, sondern sie "Karriere gemacht", d.h. sie haben "klein" angefangen und sich in 20-30 Jahren noch oben gekaempft. Diesen steinigen Weg kann auch jede Frau gehen, es gibt aber leider wenige, die das tun (koennen/wollen?). Die Quote ist doch viel
    einfacher (Qualifikation: Frau) und weder anstrengend noch besonders zeitaufwendig...

  • besonders peinlich für Wahl-Platzierungs-listen weil einfach zu wenig kompetenten Frauen zur Verfügung stehen; musste mich mal bereit erklären auf der Frauenliste zu kandidieren, was dazu führte,dass ich Info-briefe an FRAU bekam und einigen Spott...

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