Stimmt es, dass...
Erhöht Bildungssparen die Chancengleichheit?

Die FDP fordert ein stark privatisiertes Bildungssystem. Das soll die Chancengleichheit in Deutschland erhöhen. Doch in der Praxis geht diese Rechnung nicht auf, wie das Beispiel aus den USA zeigt.
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Union und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag ein staatlich gefördertes Bildungssparen vereinbart. Die FDP drängt auf Umsetzung. FDP-Chef Philipp Rösler begründet das damit, dass Bildung nicht vom Einkommen abhängen dürfe und dass jeder entscheiden können soll, welche Art von Bildung er anstrebt. Er möchte ein möglichst stark privatisiertes, zumindest marktwirtschaftlichen Prinzipien folgendes Bildungssystem. Wer gute Bildungsangebote hat, soll sich mit Studiengebühren und Ähnlichem dafür bezahlen lassen können.

Was man mit einem marktwirtschaftlichen Umbau des Bildungssystems sicherlich nicht erreicht, ist die Entkopplung der Bildungschancen vom Einkommen, die Rösler als Ziel ausgibt. Wenn der Preismechanismus stärker durchschlägt, dann mindert das die Bildungschancen der Menschen aus einkommensschwachem Elternhaus.

Man schaue nur in die USA, wo etwas ganz Ähnliches, wie es die FDP anstrebt, bereits stattfindet. Dort gab es in den letzten Jahren eine massive Expansion der Studienkredite. Der Geldzustrom von den Kreditinstituten ermöglichte es den Universitäten, die Studiengebühren steil nach oben zu ziehen. Im Studienjahr 2011/2012 stieg die Zahl der Universitäten, die mehr als 50 000 Dollar Studiengebühren nahmen, auf 123 – von 100 im Vorjahr und 58 im vorletzten Jahr. Der Durchschnittslohn liegt demgegenüber bei 42 000 Dollar im Jahr. Dass gute Bildung unter solchen Bedingungen vom Vermögen der Eltern abhängt, ist offensichtlich.

Die staatliche Förderung des Bildungssparens wird an der unguten Verteilungswirkung von mehr Markt im Bildungswesen auf die Bildungschancen nichts zum Guten ändern; nicht nur wegen der geringen Beträge, die in Rede stehen, sondern auch aufgrund ihrer Wirkungsweise.

Die Erfahrung mit der Rürup-Rente lässt erwarten, dass diejenigen, die ohnehin Geld haben und sparen, ihre Ersparnisse teilweise in den geförderten Spartopf umschichten werden, während diejenigen, die finanziell zu kämpfen haben, darauf verzichten.

Das gilt umso mehr, wenn das Fördergeld aufgebracht wird, indem familienpolitische Leistungen gekürzt werden. Wie bei der Riester-Rente wird die bescheidene staatliche Förderung zu einem großen Teil als Gebühren in die Taschen der Finanzinstitute wandern, die die geförderten Sparpläne anbieten dürfen. Das ist keine gute Verwendung staatlicher Mittel.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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