Stimmt es, dass ...
Führt Biosprit-Beimischung in armen Ländern zu Hunger?

In den USA gibt es bereits die Forderung, den Anbau von Mais für die Bioprit-Produktion zurückzufahren. Doch was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?
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Entwicklungshilfe-Minister Dirk Niebel hat gefordert, den Verkauf der Benzinsorte E10, die zehn Prozent pflanzliches Ethanol enthält, auszusetzen. Damit will er dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise begegnen, den die schwere Dürre in den USA ausgelöst hat. Auch dort gibt es Forderungen, den Massenanbau von Mais für die Biosprit-Produktion zurückzufahren.

Mitschuld an den hohen Nahrungsmittelpreisen - und damit am Hunger in der Dritten Welt - sollen auch Banken haben, die Finanzprodukte auflegen, mit denen Investoren auf die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise spekulieren können.

Was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

Zunächst einmal folgt aus steigenden Nahrungsmittelpreisen nicht unbedingt, dass es armen Ländern schlechter geht. Denn diese Länder sind auch wichtige Nahrungsmittelproduzenten - oder könnten welche sein, wenn die Preise hoch genug wären. Manche Länder, und deren arme Landbevölkerung, profitieren durchaus. Andere haben vor allem den Schaden.

Das größere Problem ist nicht die Höhe der Preise, sondern deren fehlende Verlässlichkeit. Solange arme Länder als Abladeplatz für die temporäre Überproduktion der Industrieländer missbraucht werden, kann sich dort keine Landwirtschaft entwickeln, die die eigene Bevölkerung verlässlich ernährt und darüber hinaus noch Überschüsse für den Export erwirtschaftet - auch dann nicht, wenn die Preise zeitweise mal hoch sind. Denn wenn sie im nächsten Jahr wieder in den Keller rutschen, gehen die Betriebe wieder ein, die es gewagt haben, im Vertrauen auf die hohen Preise zu investieren. Ihre Konkurrenten in den Industrieländern werden dagegen durch Exportsubventionen und direkte Hilfen gestützt.

Bei den meisten Pflanzenarten und Standorten, die für die Produktion von Bio-Ethanol genutzt werden, ist sehr zweifelhaft, ob sich mit ihnen wirklich mehr Energie gewinnen lässt, als beim Anbau hineingesteckt wird. Insofern erscheint die Produktion von Biosprit allenfalls sinnvoll, um zeitweilige Überschüsse zu verarbeiten und damit die Preise zu stabilisieren. In Dürrezeiten müsste sie dann aber dementsprechend ausgesetzt werden. Niebels Vorschlag geht daher in die richtige Richtung.

Geldanlage in Nahrungsmittel verschärft das Problem der Preisschwankungen. Mal fließt viel Geld in diese Anlageform und treibt die Preise nach oben. Dann fließt es wieder ab und die Preise gehen in den Keller. Dem steht kein erkennbarer Vorteil gegenüber, lässt man einmal die Anbieter der Finanzprodukte und das Interesse der Anleger an der Risikostreuung außer Acht.

Der Druck der Straße auf die Finanzinstitute, keine solchen Produkte mehr anzubieten, ist also durchaus gerechtfertigt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass ... : Führt Biosprit-Beimischung in armen Ländern zu Hunger?"

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  • Biosprit ist durchaus sinnvoll, wenn kein Getreide in Nahrungsmittelqualität verwendet wird. Im Übrigen sind auch Kohle und Öl und Gas " regenerativ, es dauert nur eben viel viel länger bis sie wieder entstehen..... Von daher sind wir gut beraten die ich nenne sie mal sofort verfügbaren, natürlichen Energiequellen wie Soonne, Wasser und Wind nachahltig zu nutzen. Die schwierigkeit ist aber Zur Zeit nicht die Herstellung ( eher Umwandlung) sondern die Speicherung bzw. die Einspeisung ( Transport). Aber jeder entscheidende wandel braucht halt seine Zeit.
    Und nich eins: Wer Biosprit verteufelt, sollte besser auch Fleisch, Wurst und Geflügel verächten, da geht mal richtig Energie in der Wertschöpfungskette verloren. Ich würde mit 300 kg Kartoffeln und 100 kg Weizen auf jeden Fall länger überleben können als mit einem 50 kg Schwein. Sinnvoll wäre auch die Kfz- Steuer am tatsächlich ausgestoßenen CO2 jedes einzelnen Fahrzeuges zu bemessen, alternativ müßte der Sprit um Welten teurer werden, damit es sich " lohnt" sparsame fahrzeuge zu produzieren und zu fahren. dann könnte die separate KFZ Steuer endlich wegfallen. Und wer viel verbraucht und damit ausstößt zahlt auch mehr. Wer hingegen nen V8 mit 6,8 Litern fährt und nur 100 Liter im Jahr durch die Vergaser zeiht, bracuht nicht unnötig hohe Steuern beazhlen, denn der vertreter der seinen 2,0 Liter SkodaPassat 80000 km über die Autobahnen heizt, verbracht ein hundertfaches und verschmutz mit seinem " umweltfreundlicheren" Auto wesentlich mehr. Also Spritpreise rauf durch höhere Steuer. Die Kohle in die Entwicklung neuer verfahrenstechniken für Biosprit und den Ausbau der leitungsnetze sowie die Strominfrastruktur/ netzintelligenz. dann sind alle zufrieden und das System ist gerecht und schafft ordentlich marktanreize. Die Grünen sind dann froh, die FDP feiert ab und die SPCDU schläft weiter wie bisher.

    beste Grüße

  • E 10 verbesserz aber die Umweltbilanz nicht. erstens verbraucht man durch die niedrigere Energieleistung von E10 mehr Sprit als üblich pro 100 km und zweitens ist der Anbau der Pflanzen klimaschädlicher als wenn man weiterhin mit E5 oder Diesel fahren würde. Es geht doch nicht nur um die hungernde Bevölkerung sondern um diese Unsinnigkeit, die wie bei vielen anderen EU-Vorgaben einfach nicht richtig durchdacht wurden, sondern einfach mal so durchgedrückt werden um ein angeblich reines gewissen zu haben.

  • ich stimme zu - übrigends haben sich die Grünen nun unbenannt:

    http://www.youtube.com/watch?v=cdWI5LzkOMg

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