Stimmt es, dass...?
Hält die EZB den deutschen Export am Leben?

Der deutsche Leistungsüberschuss wird durch EZB-Kredite getragen. Es gibt keine Möglichkeit, die Kapitalflucht auszutrocknen ohne gleichzeitig die Importfinanzierung trockenzulegen.
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Wenn es nach der Bundesbank ginge, würde im deutschen Außenhandel alles bleiben wie es ist. Deutschland würde weiterhin kräftig in die übrige Währungsunion exportieren. Gleichzeitig würde den Abnehmerländern der Kredithahn von der Europäischen Zentralbank (EZB) zugedreht. Wasch mich, aber mach mich nicht nass?

Wie die Bundesbank in ihrem Monatsbericht ausführt, steht dem Überschuss in der Leistungsbilanz Deutschlands von etwa 150 Milliarden Euro kaum noch privater Netto-Kapitalexport gegenüber. Ein Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass ein Land mehr durch Exporte von Waren und Dienstleistungen und sonstige Zuflüsse aus dem Ausland einnimmt, als es für Importe und sonstige Zahlungen ans Ausland ausgibt. In Höhe des Überschusses muss Deutschland dem Ausland Kredit geben, sonst funktioniert es nicht. Weil die privaten Banken das nicht mehr tun, tut es die Bundesbank über die EZB. Der positive Target2-Saldo der Bundesbank deckt inzwischen fast den ganzen deutschen Leistungsbilanzüberschuss ab.

Was steht hinter diesem Saldo? Wenn es keine Währungsunion gäbe, müssten die Leistungsbilanzsalden der Defizitländer mangels Kredit sofort und krisenhaft auf null gehen oder gar negativ werden. Doch die Defizitländer bekommen den nötigen Kredit von der EZB. Sie gibt deren Banken - wie den deutschen auch - unbegrenzt Kredit zum Leitzins. Damit der Kredit nicht durch fehlende Sicherheiten begrenzt wird, hat die EZB die Anforderungen gesenkt. Den Zentralbankkredit nutzen die Banken der Defizitländer, um heimischen Unternehmen und dem Staat Kredit zu geben, damit diese Lieferungen aus Deutschland bezahlen können. Die internationalen Finanzströme von Zentralbankgeld, die so entstehen, werden im Target2-Saldo erfasst.

Wenn durch höhere Anforderungen an die Sicherheiten die Kreditvergabe und damit der Target-Saldo eingeschränkt würde, könnten die Banken der Defizitländer den Geldfluss nach Deutschland nicht mehr gewährleisten. Deutschlands Exporteuren stünden sehr schwere Zeiten bevor.

Zwar kann man einwenden, dass die EZB-Kredite auch der Alimentierung der Kapitalflucht nach Deutschland dienen, nicht nur der Bezahlung von Importen. Doch weil Kapitalverkehrskontrollen dem EU-Recht widersprechen, gibt es keine Möglichkeit, diese Kapitalflucht auszutrocknen ohne gleichzeitig die Importfinanzierung trockenzulegen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...?: Hält die EZB den deutschen Export am Leben?"

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  • "In Höhe des Überschusses muss Deutschland dem Ausland Kredit geben, sonst funktioniert es nicht."
    hört sich nach einem nachhaltigen Erfolgsrezept an...

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