Stimmt es, dass ...
Ist Basel III reine Augenwischerei?

Die neuen Basel-Regeln sollen angeblich Bankenkrisen verhindern - aber im Kern ist der Ansatz verfehlt. Offenbar soll der Aktivismus nur von der notwendigen grundlegenden Reform des Banken- und Geldsystems ablenken.
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FrankfurtDie neuen Regeln zur Eigenkapitalausstattung von Banken, genannt Basel III, sollen angeblich künftige Bankenkrisen verhindern. Die Basel-II-Regeln hatten das gleiche Ziel, mit dem bekannten Ergebnis. Basel III mildert einige Schwächen von Basel II, die vordergründig zur Krise beigetragen haben. Im Kern hält Basel III aber am verfehlten Ansatz von Basel II fest.

Den Banken werden weitgehend einheitliche Regeln und einheitliche Methoden der Risikokontrolle vorgeschrieben. Das bewirkt, dass, wenn etwas schief läuft, es bei allen gleichzeitig schief läuft. Wenn es gut läuft, wiegen sich alle in falscher Sicherheit. Es gibt keine kleinen Waldbrände, die dafür sorgen könnten, dass sich das brennbare Material in Grenzen hält. Wenn es dann irgendwann brennt, brennt es richtig.

Hinzu kommt, dass die vorherrschenden Methoden der Risikomessung von einer Risikoverteilung ausgehen, von der jeder weiß, der sich ein bisschen auskennt, dass sie falsch ist: der Normalverteilung. In Wahrheit treten große Kursveränderungen von Wertpapieren sehr viel häufiger auf, als bei einer Normalverteilung unterstellt. Doch das wird im Interesse der Banken, die so ihre Risiken mit dem Segen der Aufseher klein rechnen können, seit Jahrzehnten ignoriert.

Angesichts der Energie, die auf Nebensächlichkeiten verwendet wird, muss man den Verdacht haben, dass dieser Aktivismus nur von der Notwendigkeit einer grundlegenden Reform des Banken- und Geldsystems ablenken soll – einer Reform, an der die Finanzbranche nicht das geringste Interesse hat.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass ...: Ist Basel III reine Augenwischerei?"

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  • Ja. Wie alle wissen, arbeiten alle Modelle mit Wahrscheinlichkeiten, mit Wahrscheinlichkeiten unter 100 %.

    D.h., um einen der früheren, führenden Wirtscahftsprüfer zu zitieren, nach diesen Modellen ist die Bank nur an zweit Tagen im Jahr pleite.

    Aber genau das sagen die Modelle aus. Der Fall Commerzbank drückt das Risiko in Euro sowie die Risikoverteilung aus. Der Steuerzahler, der die Bank vor dem Aus bewahrt hat, erhält nichts, der Vorstand kassiert. So ist an jeden gedacht. So haben wir die Herren gern.

    Der Fall macht uns deutlich, dass es garnicht um eine Aufsicht der Finanzindustrie geht.

  • Das war nie anders gedacht.

  • "einer Reform, an der die Finanzbranche nicht das geringste Interesse hat".
    Hm, irgendwie wäre ich da jetzt nicht drauf gekommen. :)

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