Stimmt es, dass...
Ist Brüssels Finanzhilfe tödlich?

Auch Spanien schlüpft nun unter den Euro-Rettungsschirm. Doch es kommen zunehmend Zweifel auf, ob der seinen Namen verdient hat. Statt Rettung erwarten die Geldempfänger auch zusätzliche Lasten.
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Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die Strategie zur Eindämmung der Euro-Krise verfehlt ist, dann war es die Ankündigung Spaniens vom Wochenende, um Hilfe bei der Bankenrettung zu bitten. Damit beugten sich die Spanier dem Druck aus Brüssel, Berlin und Frankfurt. Es dauerte nur Stunden, dann drehte die anfänglich positive Reaktion der Finanzmärkte. Spanische Staatsanleihen erlebten einen neuerlichen Kursrutsch, und auch der italienische Anleihemarkt geriet in den Abwärtssog. Wenn die Anleihekurse sinken, steigt die Rendite.

Es ist nicht das erste Mal, dass dies passiert. Nachdem Griechenland unter den Rettungsschirm geschlüpft war, wendeten sich die Augen der Marktteilnehmer Irland zu. Als Irland unter dem Schirm war, richtete sich die Spekulation sofort gegen Portugal. Die Anleihekurse der Rettungskandidaten selbst fielen jeweils trotz der Hilfen weiter.

Der Idee nach hätte europäisches Geld für Spaniens Banken die Krise entschärfen sollen. Wenn das Geld für die Banken von außen kommt, ist der Teufelskreis durchbrochen. Der besteht darin, dass marode Banken Geld vom klammen Staat brauchen, dessen Geldnot wiederum die Kurse seiner bei den Banken liegenden Anleihen nach unten treibt. Warum klappt es einfach nicht?

Inzwischen kennt jeder Investmentstratege die Dynamik und kann durch Leerverkauf von Anleihen des nächsten Rettungskandidaten darauf spekulieren, dass es wieder so kommt. Leerverkauf bedeutet, man leiht sich Anleihen und verkauft sie in der Absicht, sie später billiger zurückzukaufen. Die Märkte sind eng. Schon begrenzte Verkaufsaufträge treiben die Kurse. Wenn eine solche Spekulation einsetzt, erfüllt sie sich selbst. Die Anleihekurse fallen. Anleger, die noch in italienischen Anleihen investiert sind, werden nervös und verkaufen. Die Kurse fallen weiter.

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht willens ist, den Spekulanten durch massive Käufe von Anleihen große Verluste zu bescheren, ist bekannt. Sie hält den Druck von den Anleihemärkten auf die Regierungen immer noch für etwas Positives. Selbst wenn die EZB gekauft hat, dann nur so viel, um die Abwärtsbewegung der Kurse abzumildern.

Fazit: Die Politik wird immer langsam und vorhersehbar sein. Die Märkte werden sie immer ausspielen, wenn man sie lässt. Wollte man den Entscheidungsträgern statt Ignoranz Absicht unterstellen, so lieferte der politisch gewünschte Druck der Anleihemärkte die Sachzwänge, die widerstrebende Parlamente dazu bringen, eine Vergemeinschaftung der Risiken zu akzeptieren.

Der Autor ist erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Ist Brüssels Finanzhilfe tödlich?"

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  • Jetzt werden wieder irgendwelche angeblichen Spekulationsgeschäfte als Grund für erwartbare Reaktionen herbeigequält. Dabei war weder die Marktreaktion überraschend, noch bedarf es solch verschwörerischer Theorien.

    Ein Kredit ist eine zusätzliche Zahllast in der Zukunft. Es handelt sich nicht um ein Geldgeschenk. Ein Mehr an Schulden ohne konkrete Einnahmensteigerung verschlechtert die Bonität - so einfach ist das.

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