Stimmt es, dass...
Jährt sich die Finanzkrise zum fünften Mal?

Vor fünf Jahren brach der amerikanische Immobilienmarkt zusammen und löste die Finanzkrise aus. Noch immer leidet das System unter den Folgen. Der Grund: Das Vertrauen in die Märkte fehlt.
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Wir sind gewohnt, den Ausbruch der Finanzkrise mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst 2008 zu verbinden, aber das ist falsch. Lehman war nur das bis dahin größte Opfer einer Finanzkrise, die ein knappes Jahr vorher ausgebrochen war.

Am 9. August 2007 schloss die französische Großbank BNP zwei Geldmarktfonds, die das Geld der Anleger in relativ hoch verzinste kurzfristige Schuldtitel mit Bezug zum amerikanischen Immobilienmarkt investiert hatten. Die Bank schrieb damals: „Die komplette Austrocknung der Liquidität in bestimmten Marktsegmenten des amerikanischen Verbriefungsmarkts hat es unmöglich gemacht, bestimmte Vermögenswerte fair zu bewerten, unabhängig von ihrer Qualität oder ihrem Kreditrating. Wir sind daher nicht in der Lage, einen verlässlichen Nettowert für unsere Fonds zu berechnen.“ Damit wurde aus Problemen am US-Immobilienmarkt eine weltweite Finanzkrise.

Das ging so: Die Zinsen waren niedrig, die Aktienkurse und die Immobilienpreise kräftig gestiegen. Die Finanzinstitute weltweit wollten so viel wie möglich an der Bonanza verdienen, indem sie sich kurzfristig verschuldeten und das Geld langfristig zu einem höheren Zins anlegten. Die Schulden wurden in kurzen Abständen, oft täglich, umgewälzt.

Das ging nicht mehr, als BNP seine Geldmarktfonds schloss. Denn das zeigte Anlegern und Fondsmanagern, dass ihr Geld bei manchen Finanzinstituten nicht sicher angelegt war. Der Zustrom von kurzfristigen Mitteln versiegte. Die verschuldeten Finanzinstitute, die sich darauf verlassen hatten, auslaufende Kurzfristkredite durch neue zu ersetzen, mussten ihre Wertpapiere zu jedem Preis verkaufen, um an Geld zu kommen. Dadurch drehten immer mehr Finanzmärkte ins Minus.

Hatten anfangs nur diejenigen Probleme mit ihren vielen kurzfristigen Krediten, die ihr Geld im US-Immobiliensektor angelegt hatten, bekamen nun auch diejenigen Probleme, die schuldenfinanziert in Aktien und auf anderen Märkten spekuliert hatten.

Die Zentralbanken halfen mit zusätzlichen kurzfristigen Krediten für die Banken aus. Lehman Brothers konnte durch Bilanzakrobatik ihre Verluste noch ein Jahr lang in Londoner Tochtergesellschaften verstecken. Die dann folgende Pleite war so verheerend, weil Lehman bei so vielen anderen Finanzinstituten Schulden hatte.

Jedes Haus schien wegen potenzieller Kreditausfälle selbst pleitegefährdet. Niemand kam mehr an Geld. Da aber das Geschäftsmodell der Banken darauf beruht, sich kurzfristig zu finanzieren und langfristig anzulegen, mussten die Zentralbanken die gesamte Finanzierung übernehmen. Daran hat sich bis heute, fünf Jahre nach BNP, kaum etwas geändert.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Jährt sich die Finanzkrise zum fünften Mal?"

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  • und ganz früher galt der Spruch: Brot und Spiele die nun zuende sind.

  • Wir arbeiten dran. Es war mal aller 80 jahre, jetzt sind die Abstände kürzer. Es funktioniert mit "Schneller", Höher", "Weiter". Wir bekommen das hin!
    siehe Link:
    http://www.tagesschau.de/inland/deutschlandhandelsueberschuss100.html

  • https://pravdatvcom.wordpress.com/2012/07/18/der-bedrohte-frieden/

    Wenn nicht bald ein absolutes Wunder passiert, dann wird es noch viel viel schlimmer werden.
    99% Der Menschen vollen Frieden, Essen, Arbeit, Auskommen, u. ein bisschen Zukunft, 1% will das Gegenteil, 99% erhalten das Gegenteil
    weil 1% es so will und die absolute Macht dazu hat!

    Zitat Carl Friedrich v. Weizäcker (Link siehe oben)

    1. Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen

    2. Die Löhne werden auf ein noch nie da gewesenes Minimum sinken

    3. Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammen-brechen

    4. Ca. 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus, werden in Deutschland wieder Menschen verhungern

    5. Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch

    6. Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eigenen Schutz Privatarmeen zu unterhalten

    7. Um ihre Herrschaft zu sichern werden diese Eliten frühzeitig den totalen Überwachungsstaat schaffen, eine weltweite Diktatur einführen

    8. Die ergebenen Handlanger dieses Geldadels sind korrupte Politiker

    9. Die Kapitalwelt fördert wie eh und je, einen noch nie dagewesen Nationalismus

    10. Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren

    11. Um Rohstoffbesitz und dem eigenen Machterhalt dienend, werden Großmächte Kriege mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen führen

    12. Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus, das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr Armageddon”

    Das schrieb Weizäcker 1984!!!!!! in seinem Buch:
    “Der bedrohte Frieden”!

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