Stimmt es, dass...
Kämpfen Sinn und Wagenknecht gemeinsam gegen die Euro-Retter?

Die Euro-Krise offenbart Gemeinsamkeiten zwischen konservativen Ökonomen wie Hans-Werner Sinn und Linken-Vertretern wie Sahra Wagenknecht. Beide lehnen den aktuellen Rettungskurs ab - und haben in einigen Punkten recht.
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Wie so oft berühren sich in Sachen Euro-Rettung die Extreme. Rechter Nationalismus und linker Internationalismus marschieren gemeinsam gegen die immer größer und teurer werdenden Rettungspakete. Der konservative Ökonom Hans-Werner Sinn geißelt den Transfer deutscher Steuergelder nach Südeuropa und die Tatsache, dass Deutschland zugunsten des Südens hohe finanzielle Risiken eingeht.

Und die Linken-Vizechefin Sahra Wagenknecht gehört zu den ganz wenigen Prominenten aus Politik, Medien oder Wirtschaft, die Sinn zustimmen und ihn gegen eine Breitseite der Verdammung in Schutz nehmen. Wie kommt es zu dieser verstörenden Einigkeit von links und rechts?

Es liegt an dem gemeinsamen Nenner, den der Wirtschaftsprofessor und die Kommunistin haben: Ihre Fundamentalkritik an der Dominanz der Interessen des Finanzkapitals bei nahezu allen Maßnahmen der Krisenbewältigung. Sinn kann darauf verweisen, dass trotz Hunderten von Milliarden an Kosten und Risiken, die Deutschland auf sich genommen hat, die Krise Jahr für Jahr schlimmer wird.

Wagenknecht kann darauf verweisen, dass von dem Steuergeld, das fließt, sehr, sehr wenig den Finanzsektor wirklich verlässt. Sie kann darauf verweisen, dass den Menschen in den Krisenländern extreme Härten zugemutet werden, dass aber das Spitzenpersonal der großen internationalen Finanzhäuser schon wieder höhere Gehalts- und Bonuszahlungen bekommt als vor der Krise.

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Selbst die Piraten halten sich bedeckt

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Kämpfen Sinn und Wagenknecht gemeinsam gegen die Euro-Retter?"

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  • Da muss ich widersprechen. Gerade Frau Wagenknecht geißelt immer wieder den Bankensozialismus, der gerade darin besteht, dass die Steuerzahler für die Zockereien der Bankster aufkommen müssen. Wenn nämlich eine Bank bankrott geht, stimmt die Bank ein Wehgeschrei an, und de Staat eilt mit den Steuergeldern der arbeitenden Bevölkerung herbei und "rettet" die Banken, die dann munter weiterzocken. Diesen Teufelskreis wollen Sinn UND Wagenknecht durchbrechen, daher fordern beide, dass auch Banken bankrott gehen dürfen. Die Positionen beider KONvergieren also.

  • Ich glaube, eine solche temporäre Allianz zwischen den Bankster-Gegnern wäre genauso schwierig, wie eine Allianz zwischen Juden und Muslimen in der Beschneidungsfrage.
    Schwierig, aber nicht unmöglich!

  • Einer der Irrtümer im Detail war zum Beispiel die Behauptung, dass aufgrund der Target-2-Problematik die Kreditversorgung in Deutschland leiden würde.

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