Stimmt es, dass...

Kämpfen Sinn und Wagenknecht gemeinsam gegen die Euro-Retter?

Die Euro-Krise offenbart Gemeinsamkeiten zwischen konservativen Ökonomen wie Hans-Werner Sinn und Linken-Vertretern wie Sahra Wagenknecht. Beide lehnen den aktuellen Rettungskurs ab - und haben in einigen Punkten recht.
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Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Wie so oft berühren sich in Sachen Euro-Rettung die Extreme. Rechter Nationalismus und linker Internationalismus marschieren gemeinsam gegen die immer größer und teurer werdenden Rettungspakete. Der konservative Ökonom Hans-Werner Sinn geißelt den Transfer deutscher Steuergelder nach Südeuropa und die Tatsache, dass Deutschland zugunsten des Südens hohe finanzielle Risiken eingeht.

Und die Linken-Vizechefin Sahra Wagenknecht gehört zu den ganz wenigen Prominenten aus Politik, Medien oder Wirtschaft, die Sinn zustimmen und ihn gegen eine Breitseite der Verdammung in Schutz nehmen. Wie kommt es zu dieser verstörenden Einigkeit von links und rechts?

Es liegt an dem gemeinsamen Nenner, den der Wirtschaftsprofessor und die Kommunistin haben: Ihre Fundamentalkritik an der Dominanz der Interessen des Finanzkapitals bei nahezu allen Maßnahmen der Krisenbewältigung. Sinn kann darauf verweisen, dass trotz Hunderten von Milliarden an Kosten und Risiken, die Deutschland auf sich genommen hat, die Krise Jahr für Jahr schlimmer wird.

Wagenknecht kann darauf verweisen, dass von dem Steuergeld, das fließt, sehr, sehr wenig den Finanzsektor wirklich verlässt. Sie kann darauf verweisen, dass den Menschen in den Krisenländern extreme Härten zugemutet werden, dass aber das Spitzenpersonal der großen internationalen Finanzhäuser schon wieder höhere Gehalts- und Bonuszahlungen bekommt als vor der Krise.

Selbst die Piraten halten sich bedeckt
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  • Da muss ich widersprechen. Gerade Frau Wagenknecht geißelt immer wieder den Bankensozialismus, der gerade darin besteht, dass die Steuerzahler für die Zockereien der Bankster aufkommen müssen. Wenn nämlich eine Bank bankrott geht, stimmt die Bank ein Wehgeschrei an, und de Staat eilt mit den Steuergeldern der arbeitenden Bevölkerung herbei und "rettet" die Banken, die dann munter weiterzocken. Diesen Teufelskreis wollen Sinn UND Wagenknecht durchbrechen, daher fordern beide, dass auch Banken bankrott gehen dürfen. Die Positionen beider KONvergieren also.

  • Ich glaube, eine solche temporäre Allianz zwischen den Bankster-Gegnern wäre genauso schwierig, wie eine Allianz zwischen Juden und Muslimen in der Beschneidungsfrage.
    Schwierig, aber nicht unmöglich!

  • Einer der Irrtümer im Detail war zum Beispiel die Behauptung, dass aufgrund der Target-2-Problematik die Kreditversorgung in Deutschland leiden würde.

  • @ Giesbert.
    Man muss sich eben auf dem kleinstmöglichen Nenner treffen - und das ist die €-Rettungs-Gegnerschaft. Weg mit dem blöden Parteiengezänk! Das ht uns erst hierher gebracht! Wenn man gleich gemerkt hätte, dass es ähnliche Interessen gibt, hätte man es gar nicht erst so weit kommen lassen brauchen! Aber nein - da pflegt jeder sein Gärtchen und stellt seine Zwerge rein... ich kann es nicht mehr hören!

  • Ich fände es gut und richtig, wenn die Linke und die konservativen Ökonomen sich in dieser einen Sache zusammen täten. Sie sollten über ihren eigenen Schatten springen, um ein großes und wichtiges Ziel zu erreichen:
    Das weitestgehende Verdrängen der Finanzindustrie von den Schaltplätzen unserer Demokratie.
    Denn wenn dies NICHT gelingt, dann ist es aus mit der Demokratie. Auch wenn sie viele Fehler hat, so ist es doch immer noch die beste aller Regierungsformen, da sie für eine größtmögliche Chancengleichheit und eine größtmögliche Gerechtigkeit bei gleichzeitigem Leistungsanreiz sorgt – so sollte es zumindest sein.
    Wenn wir, das Volk, aber nicht dafür sorgen, dass die Demokratie verteidigt wird, dann werden wir sie verlieren.
    Ich denke, die Gefahr des Demokratie-Verlustes ist es wert, einmal die Bezeichnungen LINKS und RECHTS und KONSERVATIV ad acta zu legen und sich in dieser einen Sache zu einer großen Allianz zusammen zu schließen.
    Danke, Herr Häring, dass Sie die Leser auf das aufmerksam machen, was sie eigentlich schon vorher fühlten, sich aber aus lauter Befürchtung, nun womöglich ein Kommunist zu sein, nicht eingestanden haben.
    Ich fordere alle Gegner dieser €-Rettung auf, sich zusammenzutun!! Ganz egal, von wo Sie kommen: es ist für eine richtige und gerechte Sache!!

  • „Die Linken halte ich trotz Frau Wagenknechts zutreffender Einschätzung für nicht wählbar“. – Diese ohne Sachargumente dahin geworfenen Feststellung, Ludwig500, ist der Ausdruck einer weit verbreiteten, hauptsächlich aber nur „gefühlten“ Ablehnung der Linken. Sie ist zugleich der unbillige Erfolg einer ebenso weit verbreiteten Medienpolitik, die sich bemüht, allenfalls negative Berichterstattung über die angeblichen Kommunisten zu bringen. Damit werden vorhandene Alternativen zu den derzeit in Unfähigkeit befangenen Politikern faktisch in der öffentlichen Meinung tabuisiert. Es ist bedauerlich, dass damit so gescheit argumentierenden Leuten wie Frau Wagenknecht eine aktive Teilnahme an der Umsetzung des Volkswillens (mehrheitlich gegen die EURO-Hilfsmaßnahmen unvertretbaren Umfanges) versagt bleibt.

  • Gute Frage, die zugleich die Mittel entlarvt, mit denen unseriöser Journalismus tendenziöse, durch nichts unterlegte Behauptungen zur Stimmungsmache benutzt. Wenn Herr Häring nicht bereit war, wenigstens ein oder zwei Beispiele für die angeblichen Irrtümer des Prof. Sinn zu nennen, dann sollte er seine im Zusammenhang mit seinen sonstigen akzeptablen Ausführungen unpassende Einschränkung unterlassen.

  • Ich glaube, Sinn und Wagenknecht halten beide die maßgebliche Politik für halben Sozialismus. Frau Wagenknecht ist das zu wenig, Herrn Sinn ist das zu viel. Frau Wagenknecht hätte nichts gegen die Vergemeinschaftung der Haftung und die Sozialisierung der Schulden, wenn auch die Sozialisierung der Überschüsse und Gewinne erfolgte. Herr Sinn meint hingegen: Wer die Entscheidung trifft, ins Risiko zu gehen, ob nun als Schuldner oder als Gläubiger, hat auch die Verantwortung, wenn es um die Haftung für die Schulden und die Übernahme der Verluste geht und sollte sie nicht auf diejenigen abwälzen können, die an der ursprünglichen Risikoentscheidung nicht mitwirken konnten. Wer insolvent wird, ob nun als Gläubiger oder Schuldner, muß als Marktteilnehmer ausscheiden können mit der Möglichkeit, irgendwann in anderer Verfassung an ihn zurückzukehren. Der Unterschied zwischen den Positionen ist also gravierend.

  • Hallo Herr Häring,

    bei welchen Einzelfragen irrt sich Herr Sinn?

  • Ich fände es besser wenn der eine Pirat dies, ein anderer gerne auch was völlig konträres sagt. Ich hatte die Piraten so verstanden, dass sie transparent sein wollen und kein blinder Parteigehorsam praktiziert wird.

    Habe sie auch noch nicht komplett abgeschrieben, aber ich meine, dass sie helfen könnten, in der aktuellen Situation zur öffentlichen Aufklärung beizutragen.

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