Stimmt es, dass...
Kann die Bundesbank über ihr Gold noch verfügen?

Im Internet gehen Verschwörungstheorien um, wonach die Bundesbank über ihre Goldreserven im Ausland nicht mehr verfügen könne oder es gar nicht mehr existiere. Die Bundesbank dementiert, geizt aber mit Detailauskünften.
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Leser Jürgen Sohn ist verunsichert durch die Verschwörungstheorien, die im Internet blühen, auf Webseiten goldvernarrter Papiergeldverächter und von Rechtsnationalen. Danach hat die Bundesbank gar keine Verfügungsgewalt mehr über das im Ausland gelagerte Gold, oder es ist schon längst nicht mehr da.

„Bei schweren Wirtschafts- und Währungsturbulenzen bringen die circa 3400 Tonnen des deutschen Goldes nur dann Rettung, wenn sie hierzulande zur Verfügung stehen“, heißt es etwa auf dem Goldseiten-Blog. Es sei in New York und müsse dort bleiben, weil es von den USA als Pfand für deutsches Wohlverhalten betrachtet werde.

Nach Lesart der Rechtsnationalen können die USA jederzeit deutsches Vermögen beschlagnahmen, weil das entsprechende Besatzungsgesetz (SHAEF) Nummer 52 in Ermangelung eines Friedensschlusses weiterhin jederzeit anwendbar sei. In der letzten Bundesbank-Bilanz sind Gold und Goldforderungen im Wert von 115 Milliarden Euro aufgeführt. Was davon physisches Gold und was Anspruch auf Gold ist, unterscheidet die Bank nicht, die per Gesetz mit der Verwaltung der deutschen Gold- und Devisenreserven betraut ist.

Tatsächlich lagert nach Auskunft der Bundesbank der größte Teil der Goldreserven in New York bei der dortigen Zentralbank Federal Reserve. Dort kann jeder die Goldtresore in Augenschein nehmen. Aber viel mehr, als dass es dort Gold gibt, sieht man nicht. Der zweitgrößte Teil lagere in Frankfurt, gefolgt von London und Paris. Genaueres erfahren wir nicht. Die Bundesbank nennt die ausländischen Verwahrorte „wichtige Handelsplätze“, die Skeptiker betonen, dass es die Hauptstädte der westlichen Besatzungsmächte sind.

Tatsächlich hat die Bundesbank über das New Yorker Gold seit gut drei Jahrzehnten nicht mehr verfügt im Sinne von etwas damit getan; nach ihrer Auskunft, weil sie keinen Grund dazu gehabt habe. Pro Jahr werden nur fünf Tonnen Gold zur Münzprägung verwendet. Dieses Gold werde jeweils dem Londoner Lagerort entnommen. Als die europäischen Notenbanken sich im Rahmen eines Goldabkommens Obergrenzen für Goldverkäufe setzten, gehörte die Bundesbank zu den wenigen, die nichts verkauften und ihre Quote an andere Notenbanken weitergab.

Anders als Deutschland hat die Siegermacht Frankreich ihr Gold, das sie sich in den 1960er-Jahren hartnäckig von den USA für ihre überzähligen Dollar auszahlen ließ, nicht in New York gelassen, sondern nach Paris geholt. Auch die Bank von Italien lagert ihr Gold nach eigenen Angaben zu Hause.

Fazit: Nach Aussagen der Bundesbank ist nichts dran an den Gerüchten. Mit Details knausert sie allerdings. Prüfberichte externer Wirtschaftsprüfer, die die (vollständige) Existenz des Goldes bestätigen, gibt es nicht. Umfassendere Rechnungslegung und Informationen könnten dazu beitragen, dass unser Gold seinen Hauptzweck besser erfüllt, nämlich das angeknackste Vertrauen in unsere Papierwährung zu stützen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Kann die Bundesbank über ihr Gold noch verfügen?"

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  • das Wort "rechtsradikal" wird genauso gern und aus dem gleichen Grund genutzt wie "Verschwörungstheorie":
    Diskreditierung!!

  • Wie schnell könnte doch die Buba den "Verschwörungstheoretikern" den Wind aus den Segeln nehmen, wenn sie mal einen ordentlichen Prüfbericht erstellen und das deutsche Gold "nach Hause" holen würde.

    Da sie es nicht tut, sollte man vielleicht darüber nachdenken, ob diese "Verschwörungstheoretiker" nicht vielleicht recht haben.

    Warum ist es eigentlich rechtsnational, wenn man wissen will, wo das für deutsches Steuerzahlergeld gekaufte Gold geblieben ist???

    In Frankreich und Italien wird man der Bevölkerung nicht unterstellen, "rechts" zu sein, wenn es um das eigene Vermögen geht!

  • Schlecht recherchierter Artikel... Allein die Benutzung des für unsere ach so freie Mainstreampresse wohl ultimativen Totschlagarguments "VERSCHWÖRUNGSTHEORIE" läßt mich immer wieder munter grinsen. An so einer "Verschwörungstheorie" kann ja gar nichts dran sein, lächerlich! Ändert nichts an der Tatsache, dass die Bundesbank seit geraumer Zeit keine Prüfung der Bestände mehr durchgeführt hat und diese in absehbarer Zeit auch nicht wird durchführen können. Schreibt selbst die "BILD" - und dieser Autor hat sich zumindest Mühe gegeben.

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