Stimmt es, dass...
Kann sich die EZB gegen einen Bankrott Griechenlands absichern?

Die EZB nimmt ab sofort keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit an. Sie signalisiert damit, dass das Land nicht mehr weit von einem Euro-Rauswurf entfernt ist. Doch das Risiko trägt trotzdem weiter die EZB.
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Ab heute nimmt die Europäische Zentralbank (EZB) keine griechischen Staatsanleihen oder vom griechischen Staat garantierten Anleihen mehr als Sicherheit an. Die griechischen Banken, denen es deshalb an Sicherheiten fehlt, um sich bei der EZB Liquidität zu borgen, werden auf eine Notfallkreditlinie der griechischen Notenbank verwiesen. Der Schritt, den die EZB überraschend am vergangenen Freitag ankündigte, ist vor allem wegen seiner Signalwirkung interessant. Praktische Konsequenzen hat er ansonsten kaum. Die Absicherungswirkung gegen einen Bankrott Griechenlands, die man auf den ersten Blick vermuten könnte, tritt nicht wirklich ein.

Durch ihren Schritt macht die EZB deutlich, dass Griechenland nur noch ein Votum des EZB-Rats vom Rauswurf aus dem Euro-Raum entfernt ist. Denn die Notfallkreditlinien von den nationalen Zentralbanken, genannt Emergency Liquidity Assistance oder ELA, sind an eine Genehmigung vom EZB-Rat gebunden. Ihre Rechtfertigung ist brüchig. Denn wenn die Sicherheiten, die griechische Banken bieten können, nichts mehr wert sind, sind die griechischen Banken eigentlich pleite. Und insolvente Banken dürfen nach den Regeln der EZB auch die nationalen Zentralbanken nicht stützen. Vielmehr sollen sie nur dazu dienen, vorübergehende Liquiditätsprobleme etwas großzügiger zu beheben als nach den normalen Regeln. ELA-Kredite vergibt die nationale Notenbank auf eigenes Risiko. Wenn Banken ihre Notenbankkredite nicht zurückzahlen können und die hinterlegten Sicherheiten nichts wert sind, müssen sie die Verluste verbuchen. Dagegen werden Verluste aus der normalen Kreditbereitstellung im EZB-Auftrag auf alle Euro-Länder verteilt, unabhängig davon, in welchem Land sie anfallen.

Doch die Bedeutung dieser Risikoverlagerung nach Athen ist auf die Buchungstechnik begrenzt. Wenn die griechische Notenbank ihren Banken per Kredit Euros ausgibt, egal ob im Rahmen des normalen EZB-Programms, oder über ELA, bringt sie Zahlungsmittel in Umlauf, mit denen Griechen von uns etwas kaufen können oder die sie auf Bankkonten im Ausland verschieben können, um später etwas damit zu kaufen. Diese Kaufkraft in Euro bleibt so oder so erhalten. Wenn die griechischen Banken ihre ELA-Notenbankkredite nicht zurückzahlen können, fällt der Buchverlust zwar der griechischen Notenbank zu. Aber die wird ihre Verbindlichkeiten gegenüber der EZB im Fall eines Austritts aus der Währungsunion ohnehin nicht begleichen können. Diese „Target-Saldo“ genannten Verbindlichkeiten entstehen, wenn die Euros, welche die griechische Notenbank in Umlauf bringt, das Land verlassen. Sie haben immerhin die Größenordnung von 100 Milliarden Euro. Letztlich landen die Verluste also doch bei der EZB und damit im übrigen Euro-Raum.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Kann sich die EZB gegen einen Bankrott Griechenlands absichern?"

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  • r stellt sich nun doch die Frage, wie das Bargeldnach Griechenland kommt (gedruckt wird es je wohl woanders) und wer dies bewilligt. Die Bundesbank wiederum müsste längst die Geldanlage bei det faktisch überschuldeten EZB einstellen, mithin auch keine zusätzlichen Geldanlagen von den (deutschen) Banken mehr annehmen. Mithin würden auch die deutschen Banken einen Bargeldzufluss ablehnen, sofern der überweisende lediglich ein Guthaben bei einer anderen (tendenziell überschuldeten) Euro-Notenbank vorzuweisen hat. Das scheint der einzige Weg zu sein, die TARGET Risiken zu begrenzen. Das physikalische Euro-Bargeld könnte natürlich irgendwo hinterlegt sein und wie ein Bestand in einem Wertpapierdepot oder Goldbestand einem Eigentümer (z.B. einer deutschen Bank) zugeordnet sein.

  • Was macht sie mit den alten Anleihen?

    Da diese jetzt nicht mehr benötigt werden, könnten die gegen die Pensionsverpflichtungen gegenüber den Politikern, die uns das Problem geschaffen haben, umgetauscht werden.

    Die Annahme der Staatsanleihen war doch ohnehin nicht vom EZB-Vertrag gedeckt.

    Ist Draghi noch zu halten oder wer will Draghi noch halten?

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