Stimmt es dass, ...
Kann Spanien dem Abwärtsstrudel nicht mehr entrinnen?

Das Vertrauen von Anlegern in die Kreditwürdigkeit Spaniens sinkt. Die Sparbemühungen von Staat und Unternehmen tun ihr übriges. Dennoch: Das Land kann aus seiner Abwärtsspirale ausbrechen. Es gibt zwei Möglichkeiten.
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Seit der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kein Tabu mehr ist, richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf Spanien. Denn Spanien ist das schwächste Land, das noch nicht unter den Fittichen des Rettungsfonds EFSF steht und daher für seine Finanzierung weiter auf das Wohlwollen der Finanzmärkte angewiesen ist. Spaniens Problem besteht vor allem darin, dass die Banken wegen uneinbringlicher Kredite in einem schlechten Zustand sind und zu wenig Kapital haben.

Der Staat ist zu klamm, um es sich leisten zu können, das gesamte Bankensystem mit ausreichend Kapital auszustatten. Aber jeder weiß, dass die Last letztendlich auf den Staat fallen wird. Deshalb sinkt das Vertrauen der Investoren in die Kreditwürdigkeit des Staates mit jedem neuen Problem der spanischen Banken. Das treibt die Renditen für spanische Staatsanleihen nach oben und deren Kurse nach unten, was wiederum die Probleme der spanischen Banken weiter steigert. Denn diese sind die Hauptbesitzer spanischer Staatsanleihen und erleiden durch die Kursrückgänge neue Verluste.

Verschlimmert wird die Abwärtsspirale dadurch, dass die Sparbemühungen der Unternehmen und des Staates sowie die Kreditzurückhaltung der Banken die Wirtschaft immer tiefer in die Rezession treiben. Das führt zu noch höheren Kreditausfällen bei den Banken und höheren Defiziten beim Staat.

Spanien steckt also in einer Abwärtsspirale, aber es gibt Möglichkeiten herauszukommen. Eine besteht darin, dass Spanien sich unter einen europäischen Rettungsschirm begibt. Das würde bedeuten, dass es sich einem umfassenden Sanierungsprogramm unterwirft wie Griechenland und dafür Hilfskredite bekommt, die es ermöglichen, die Banken mit neuem Eigenkapital auszustatten und vom Kapitalmarkt zeitweise unabhängig zu werden. Weil das Beispiel Griechenland jedoch so abschreckend ist und auch Portugal unter dem Rettungsschirm nicht gerade saniert wurde, versucht Madrid, diese Unterwerfung unter das europäische Spar- und Reformdiktat unbedingt zu vermeiden.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die spanischen Anleihekurse durch Wiederaufnahme ihrer Anleihekäufe nach oben und damit spiegelbildlich deren Renditen nach unten treibt. Das würde eine Aufwärtsspirale bewirken, weil der Spielraum des Staates, den Banken zu helfen, größer und gleichzeitig die Probleme der Banken kleiner würde.

Für diese Art der Problembewältigung, die nicht mit expliziten Auflagen verbunden ist, gibt es in der EZB aber derzeit keine Mehrheit.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es dass, ...: Kann Spanien dem Abwärtsstrudel nicht mehr entrinnen?"

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  • Und wieder sind es Banken, die Europa und seinen Bürgern schwer schaden. Und wieder ist unsere Regierung unfähig oder sogar unwillig, deren Risikogeschäfte entscheidend einzudämmen. Es ist die ideologische Verbohrtheit, die zur unkonditionierten Preisgabe deutscher Steuergelder führt; der wirklich wirksame Hebel wird nicht genutzt. Der regierungstragenden Partei laufen inzwischen die Mitglieder scharenweise weg, weil Ideologie über die Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Tugenden gestellt wird. Spekulationen zum Schaden Dritter sind sicherlich keine Markttugend - ebenso wie deren Duldung. Statt die f u n k t i o n i e r e n d e Marktwirtschaft als Ausgleichssystem der Marktakteure überzeugend zur Geltung zu bringen, werden deren Leistungsgrenzen beschworen. Ein fataler historischer Fehler zur Beschönigung von Missstand und Handlungsunfähigkeit.

  • Nicht nur Spanien steuert dem Exitus entgegen, sondern
    mit dem bevorstehenden Fall wird es dann zum Euxitus
    der gesamten ''EU'' kommen. Die Dolchstoßlegende hat
    man auch schon parat, es waren die bösen Spekulanten
    die ''Europa'' ans Messer geliefert haben!!

  • Lieber forist, ja es gibt einen, z. B. Günther Lachmann, der an Hand eigener Recherchen und Überlegungen oft recht nah an der Wahrheit ist und systemisch an sich nicht gewünschte kritische Artikel veröffentlicht - und das sogar in der "Welt"! Ich schätze seine journalistische Arbeit, der allerdings geglegentlich die Hilfslosigkeit anzumerken ist, in der sie erfolgen muß. Herr Lachmann ist ein "Kind seiner Zeit", "erzogen" und geprägt von den Linksideologen, den Gutmenschen, leider ohne ausreichend tiefe Kenntnisse der tatsächlichen Hintergründe und Voraussetzungen, unter denen unser Leben und Leiden in dieser verlogenen BRD jetzt - heute - abläuft.

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