Stimmt es, dass...
Müssen Unternehmen den Markt umgehen?

Unternehmen sind Planwirtschaften. Sie versuchen, auf Fünf-Jahres-Basis zu planen, um ihre Entwicklung, ihre Produktion und ihr Marketing dauerhaft umsetzen zu können.
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Ordoliberale in der Tradition von Walter Eucken sind sich mit linken Kapitalismuskritikern und Mittelstandsvertretern einig: Die „Vermachtung“ (Eucken) der Wirtschaft ist ein Problem, gegen das der Staat vorgehen sollte. Die Bildung von Monopolen und Oligopolen ist zu unterbinden. Small is beautiful.

Hinter der Vorliebe für das Kleine steht bei Ordoliberalen die Ehrfurcht vor dem freien Wettbewerb, bei den Linken die Sorge, dass wirtschaftliche Macht zu politischer Macht wird. Bei den Vertretern kleinerer Unternehmen versteht sich die Vorliebe von selbst.

Dass viele Marktwirtschaftler kleine Unternehmen verklären, hängt damit zusammen, dass Unternehmen der lebende Beweis für Mängel des Marktes sind. Sie sind Planwirtschaften. Große Unternehmen sind große Planwirtschaften. Ein großer Teil des internationalen Handels besteht aus Warenströmen innerhalb von Unternehmen. Diese gehorchen nicht den Gesetzen des freien Marktes, sondern eher einem Fünfjahresplan. Auch innerhalb eines Landes findet ein sehr hoher Anteil der wirtschaftlichen Transaktionen nicht über den Markt statt, sondern innerhalb von Unternehmen.

Das ist so, weil der Markt nicht geeignet ist, komplexe Produktionsprozesse zu organisieren. Die Unsicherheit ist zu hoch, die Kosten, immer neue Verträge für jeden Produktionsschritt auszuhandeln wirken prohibitiv. Wer ein Auto entwickeln und bauen will, der kann sich nicht darauf verlassen, dass er immer die passenden Ingenieurleistungen bekommt, dass die nötigen qualifizierten Arbeitskräfte, speziellen Maschinen und Vorleistungen immer dann und zum kalkulierten Preis verfügbar sind, wenn sie gebraucht werden. Nicht von ungefähr bauen Länder, deren Wirtschaft von einer Vielzahl kleiner Unternehmen und Selbständigen dominiert wird, keine Autos. Das Unternehmen mit seinen hierarchischen, planwirtschaftlichen Strukturen bringt Ordnung und Planbarkeit in einen Teil der arbeitsteiligen Wirtschaft und ermöglicht so, Entwicklungs-, Produktions- und Marketingstrategien umzusetzen. Je komplexer die Produkte oder Produktionsprozesse, desto größer sind die Bereiche, die dem Markt entzogen werden müssen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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