Stimmt es, dass...

Profitiert die Schweiz von der Euro-Krise?

Der Schweizer Franken gilt immer noch als sicher. Viele glauben, in der Alpenrepublik einen sicheren Hafen für ihre von der Krise betroffenen Euros gefunden zu haben. Die Schweizer Währung wird immer weiter aufgewertet.
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Schweizer Fahne vor idyllischer Kulisse. Quelle: dpa

Schweizer Fahne vor idyllischer Kulisse.

(Foto: dpa)

FrankfurtAm Beispiel der Schweiz kann man schön sehen, welches Privileg es ist, eine eigene Währung zu haben, von der man beliebige Mengen aus dem Nichts schaffen kann. Der Schweizer Franken stieg im Zuge der Finanzkrise von Mitte 2007 bis Mitte 2011 von 1,65 Franken je Euro auf weniger als 1,10 Franken, weil Fluchtgeld aus dem Euro-Raum bei den als relativ sicher geltenden Banken der Alpenrepublik angelegt wird. Um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu schützen, kauft die Notenbank seit 2011 so viel Euros, wie nötig sind, damit der Euro-Kurs nicht unter 1,20 Franken fällt.

Diese Euros bezahlt sie mit Notenbankguthaben in Franken, die sie zu diesem Zweck zusätzlich schafft. Allein im Mai und Juni hat sie auf diese Weise ihre Devisenreserven um 127 Milliarden Franken oder mehr als 100 Milliarden Euro ausgedehnt. Insgesamt betragen sie mit 365 Milliarden Franken schon fast zwei Drittel einer Jahreswirtschaftsleistung.

Milliarde für Milliarde wird die Schweiz reicher, wenn sie immer noch mehr Euros mit neuen Franken kaufen kann. Das kann die Notenbank weitermachen so lange wie nötig, aber ihr ist es wahrscheinlich ganz recht, wenn viele das nicht richtig verstehen und über die Grenzen der Devisenmarktintervention sinnieren und diskutieren.

Denn das hält die Hoffnung am Leben, dass die Notenbank irgendwann aufhört, den Euro zu stützen und den Franken zu drücken, so dass den ausländischen Anlegern Aufwertungsgewinne winken würden. Das hält den Zustrom von Euros in Gang. Ein Problem entstünde nur dann, wenn die zusätzlichen Franken massenhaft für Käufe Schweizer Güter genutzt würden, was die Preise dieser Güter nach oben treiben würde. Aber das haben die ausländischen Anleger ja nicht vor. Ihr Geld soll nur sicher auf dem Bankkonto liegen.

Bisher sind die Schweizer Preise auch noch sehr weit davon entfernt, zu stark zu steigen. Wegen der fallenden Einfuhrpreise aufgrund der vorangegangenen starken Franken-Aufwertung sinken sie immer noch. Selbst wenn die Euro-Krise wider Erwarten einmal aufhören sollte und das Fluchtkapital massenhaft die Schweiz wieder verließe, droht keine Gefahr. Mit einem Devisenschatz in dieser Größenordnung kann die Notenbank auch in der anderen Richtung fast nach Belieben intervenieren und den Anstieg des Euro-Kurses durch Verkäufe ihrer Reserven zum Beispiel bei 1,30 Franken je Euro beenden. Wenn sie ein vernünftiges Kursziel verkünden würde, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Notenbank dabei mehr als einen relativ kleinen Teil ihrer zuvor gewonnenen Reserven wieder einbüßen würde.

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23 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Profitiert die Schweiz von der Euro-Krise?"

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  • wer sagt denn das alle deutsche die ihr geld in der schweiz anlegen steuerhinterzieher sind?

    geht es nicht besser darum das der deutsche finanzminister nach einnahme quellen sucht, und somit andere staaten unter druck setzt?

    aus neid ihrem unvermögen mit einem staatshaushalt um zu gehen.

  • die Schweiz tut viel um den Euro stabil zu halten.
    Die Schweiz ist als Exportland auch auf einen stabilen Euro angewiesen.
    Daher hat die Schweiz für zig Milliarden Euro gekauft um den Kurs des Euro auf min. 1.20CHF zu halten.

    Anstatt ewig mit Neid auf die Schweiz zu zeigen solltet ihr dankbar sein.

    Aber so sind die Deutschen, neidvoll, uninformiert und undankbar.

  • Einer der Hautpvorteile der Eurokrise für die Schweiz wurde hier völlig außer Acht gelassen: Abartig niedrige Finanzierungskosten!

    Schweiz Anleihe 10 Jahre: Seit fast einem Jahr durchgehend unter 1%
    Schweiz Anleihe 5 Jahre: Seit fast einem Jahr durchgehend unter 0,5%, zuletzt negativ
    Schweit Anleihe 2 Jahre: Seit fast einem Jahr bei 0%, seit 2 Monaten deutlich negativ

    Bei solchen Finanzierungsbedingungen konsolidiert sich der Staatshaushalt quasi von alleine!

  • die Franken tun gar nichts, sie liegen einfach nur auf den Konten rum. Werden ja auch nicht verzinst. Im Gegenteil: die Anleger müssen sogar noch Gebühren zahlen. Genauso wie man mittlerweile eine negative Rendite von dänischen Staatsanleihen in Kauf nimmt, nur um nicht im Euro investiert zu sein.

    return of investment ist wichtiger als return on investment.

    Es ist übrigens seit 1/2 Jahr nicht mehr Hildebrand, sondern Jordan, der die SNB leitet. Aber gerüchteweise war eh vorher auch schon Jordan das Gehirn der SNB.

  • Oh Gott!
    Auch wenn die Anleger keine Güter in der Schweiz erwerben wollen, muss sich die Bank überlegen wo sie das Geld anlegt.

    Und?

    Das die zusätzlich geschöpften Franken irgendwo hin gehen ist unbestritten, bleibt die Frage wohin? Es geht ja nicht um die Geldscheine es geht um den Geldwert.

    1. Inflation
    Findet nicht statt und ist auch nicht in Sicht, da haben Sie Recht (auch wenn Ihre Analyse des Grundes total falsch ist).

    2. Auslandsinvestitionen
    Trauen sich die Banken z.Zt. kaum, da die SBN mit einem Federstrich die 1,20 Grenze aufheben kann und die dann zu erwartende Aufwertung, die Auslandsinvestitionen abwerten lässt.

    3. Geldmenge (M3) verringern
    Versucht Herr Hildebrand z.Zt. verzweifelt, ist aber kaum möglich.

    4. Neue Werte innerhalb der Schweiz schaffen
    Und hier fließt z.Zt. die Masse der neue geschöpften Franken hin. Stichwort Immobilienblase!

    Wohin das führt erfragen Sie am besten in Spanien oder Irland.

    Vielleicht wäre es nützlich mal bei der NZZ oder anderen Kollegen nachzufragen.
    Viel Erfolg dabei!

  • Es ist eben doch gut, wenn das Volk direkt Einfluss nehmen kann. Entlarvt auch die dämlichen Behauptungen einer bedrohlichen DM-Aufwertung im Falle deren Wiedereinfährung als Unsinn. Durch massives Aufkaufen anderer Währungen kann man das nicht nur hervorragend steuern. Man hätte sogar noch die Option unsere eigene, auch nicht geringe Staatsschuld abzutragen.

  • Profitiert genauso wie Deutschland. LOL!
    Gewinn ist so gross dass uns alle aus dem Sueden Europa (Serbien auch)Ihnen dafuer dankbar sind. Mein freundliches Rat: holen Sie wieder Ihre DEUTCHE MARK ein. Je frueher dessto besser fuer Deutschland (Schweiz auch, sonst kollabiert Franken zusammen mit dem Teuro).
    Schoene Gruesse aus Serbien.

  • Es herrscht kein Despot namens Märkte in Deutschland, sondern ein Parlament und eine Regierung, die ihre Entscheidungen zur Euro-Rettung einfach durchdrücken,
    Entscheidungen, für die sie von der deutschen Bevölkerung keine Unterstützung hatten und haben.
    Die Märkte reagieren nur auf die Auswirkungen eines fehlerhaften Konstruktes, von wirtschaftlichen Amateuren durchgedrückt, um ihre Euro-Visionen zu befriedigen.
    Die Märkte sind nicht schuld sondern das deutsche Parlament und die deutschen Regierungen, Kohl, Schroder und Merkel.

  • wusste ichs doch dass Sie die Wahrheit nicht ertragen, und dort von Redaktion editiert hineinschrieben, was Sie aber nicht wussten: ich habe es für mein Buch abgespeichert, Sie sollten sich einfach was schämen, stehen Sie bitte hier einfach auch zu der brandschwarzen Vergangenheit Ihrer Heimat, das wäre fair diskutiert, was Sie Herr Chefredaktor Stock anpreisen!!!

  • Ich finde nur den Titel bezeichnend um die
    Diskussion zur Rückkehr zur DM. Es wäre kein
    unverantwortliches Experiment, wie die Einführung
    dieser schwachsinnigen politischen Kunstwährung
    Euro.

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