Stimmt es, dass ...
Schadet Marktmacht der Bevölkerung?

Unternehmensgiganten wie Microsoft sind durch Fast-Monopole im Besitz großer Marktmacht. Doch welche Auswirkungen haben solche Verhältnisse auf die Konsumenten - bringen sie Schaden oder Nutzen?
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Die kurze Antwort auf die Frage lautet Nein. Das kann man unter anderem durch den Vergleich der Wirtschaftsstrukturen von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Nationen sehen. Je höher das Entwicklungs- und Einkommensniveau, desto größer sind in der Regel die Unternehmen, und desto mehr Waren produzieren sie, bei denen die Absatzmenge nur relativ wenig vom Preis abhängt. Das ist die ökonomische Definition von Marktmacht: Man erfährt den Preis für das, was man produziert, nicht aus der Zeitung, sondern kann ihn - in gewissem Rahmen - selbst festlegen.

Bestes Beispiel ist Microsoft. Das Unternehmen hat ein Fast-Monopol für Betriebssysteme. Wenn es den Preis erhöht, ist das Hauptproblem nicht die Abwanderung der Kunden zu Wettbewerbern, sondern dass manche gar nicht mehr oder weniger kaufen.

Auf der anderen Seite stehen Volkswirtschaften, deren Wirtschaftsstruktur dem ökonomischen Lehrbuchideal der vollkommenen Konkurrenz nahekommt. Eine Vielzahl kleiner Unternehmen und Selbstständiger produziert Waren, oft Rohstoffe wie Weizen oder Reis, deren Preis sie in keiner Weise beeinflussen können. Grund dafür ist die enorme Konkurrenz unter den vielen Anbietern. Wenn sie einen höheren Preis fordern als den Marktpreis, verkaufen sie gar nichts.

Entsprechend werden in einem Land, in dem die Unternehmen Marktmacht haben, viel höhere Löhne gezahlt und Gewinne erwirtschaftet als in einem Land, in dem die Konkurrenz ausgeprägt ist und die Margen minimal sind.

Nur Unternehmen mit Marktmacht können Größenvorteile nutzen und ständig in die Verbesserung von Produkten und Prozessen investieren.

Die lange Antwort ist wie immer etwas komplizierter: Je entwickelter eine Volkswirtschaft, desto mehr neigen die Unternehmen dazu, ihre Marktmacht defensiv einzusetzen. Sie nutzen sie, um Konkurrenten zu schaden, anstatt besser und größer zu werden. Deshalb ist Wettbewerbskontrolle sinnvoll, die unfaire Praktiken mächtiger Unternehmen unterbindet. Mehr Wettbewerb ist aber nicht nur Selbstzweck. Es kommt immer auf die Umstände an.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass ...: Schadet Marktmacht der Bevölkerung?"

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  • Natürlich nicht!!

    Die Bürger zahlen gerne die diktierten Höchstpreise der Monopolisten und Quasimonopolisten. Und dann sind da noch die Kartelle - wie der Pharmabereich, die zocken ohnehin ab.

    Diese Monopolisierung mit Duldung der Machthaber nannte vor 100Jahren mal jemand "Staatsmonopolistischer kapitalismus" .
    Das Ende seiner Theorie ist bekannt.

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