Stimmt es, dass...
Sollten Krisenländer ihre Reichen schröpfen?

Der Vorstoß deutscher Politiker, die Krisenländer sollten doch ihre reichen Staatsbürger zur Kasse bitten, ist nicht ungefährlich. Weit mehr zu holen als in den Krisenländern gibt es bei Deutschlands Oberschicht.
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Deutsche Koalitionspolitiker haben den Vorschlag in die Debatte geworfen, in den Krisenländern des Euro-Raums eine Abgabe auf große Vermögen einzuführen, um den Staatshaushalt zu sanieren. Dahinter stand die Vorstellung von den reichen griechischen Reedern, die einen großen Teil des griechischen Privatvermögens auf sich vereinen, aber wenig Steuern zahlen.

Was die Eintreibung der normalen Einkommensteuer angeht, scheint in Griechenland tatsächlich viel im Argen zu liegen. Was die Vermögensverteilung angeht, so ist der Vorstoß aus dem konservativen Lager aber gefährlich. Denn die Vermögensverteilung ist in Deutschland weit ungleicher als in den Südländern. Und so eine Debatte lässt sich, wie sich bereits gezeigt hat, kaum auf das Ausland begrenzen. Wenn das im Ausland funktioniert, warum dann nicht auch im Inland? Bisher hieß das Gegenargument ja meist, eine Vermögensteuer bringe kaum etwas ein, schrecke aber die Vermögenden ab.

Ein Blick auf den letzten Welt-Vermögensreport der Schweizer Großbank Credit Suisse zeigt, dass das Potenzial an Großvermögen, das man besteuern könnte, in Deutschland entgegen einem verbreiteten Vorurteil viel größer ist als in den südlichen Mittelmeerländern. Denn die Vermögen sind hierzulande stärker konzentriert. Es gibt in Griechenland und anderen Südländern prozentual deutlich weniger Habenichtse, aber eben auch weniger größere und große Vermögen.

Italien ist ebenfalls ein interessanter Fall. Die Anleihen des hoch verschuldeten Staats werden überwiegend von Italienern gehalten und stellen bei diesen Vermögen dar. Mit 260.000 Euro ist das Durchschnittsvermögen der erwachsenen Italiener 30 Prozent höher als das der Deutschen. Das ist der Gegenposten zu der Staatsverschuldung, die bezogen auf die Wirtschaftsleistung in Italien mehr als die Hälfte höher ist als in Deutschland.

Das Land insgesamt ist also keinesfalls überschuldet. Aber der Anleihemarkt als Mechanismus, der die aus der Staatsfinanzierung entstandenen privaten Vermögen wieder für die Staatsfinanzierung nutzbar machen soll, funktioniert derzeit nicht mehr.

Das liegt am Euro. Japanische Investoren, die in heimischer Währung anlegen wollen, kaufen japanische Staatsanleihen. Italienische Investoren, die in Euro anlegen wollen, kaufen derzeit lieber deutsche Staatsanleihen. Die diskutierten Zwangsanleihen für Reiche sind eine Möglichkeit, das Problem zu lösen. Aber um sie umzusetzen, müsste man erst einmal den freien Kapitalverkehr außer Kraft setzen. Denn Finanzkapital ist scheu wie ein Reh. Da wäre eine dicke Kröte zu schlucken, denn Kapitalverkehrsfreiheit ist eine heilige Kuh in Europa und noch mehr im Euro-Raum.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Sollten Krisenländer ihre Reichen schröpfen?"

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  • Ist doch eigentlich ganz einfach. Jeder Vermögende legt sein Vermögen offen. Alles, was er versteckt hat und nicht angibt, wird im Falle der Entdeckung komplett beschlagnahmt. Ausgenommen müssen jedoch Firmenvermögen sein.

    Allerdings muss der Freibetrag auch hoch genug sein. Hat ein Selbstständiger mit 60 Jahren 2 Millionen auf der hohen Kante zur Altersvorsorge, so darf da niemand ran.

  • Warum zwingen die EU nicht die schweizer Banken und die Regierung(Wie die USA)die Kontendaten der Schwarzgeldkonten, ausländischer Kontoinhaber preiszugeben? Es wäre sicherlich für die Schuldnerländer eine Hilfe bei der Konsolidierung.

  • Besser ist: Der deutsche Steuerzahler zahlt alles!

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