Stimmt es, dass...
Steckt Afrika in der Armuts-Falle?

Große Teile Afrikas sind abhängig von Entwicklungshilfe und Rohstoffen. Darauf lässt sich kein Industrieland aufbauen. Doch es gibt alternative Strategien zum Erfolg - wenn die Weltgemeinschaft mitspielt.
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Wenn man an Afrika südlich der Sahara denkt, so kommen einem vor allem Armut, Unterentwicklung und Hungersnöte in den Sinn. In vielen Ländern kann das langfristige Wirtschaftswachstum kaum mit dem Bevölkerungswachstum mithalten. Auch milliardenschwere Entwicklungshilfe ändert das nicht. Wenn die Wirtschaftspolitik der Regierungen nicht auf Entwicklung ausgerichtet ist, kuriert die bestgemeinte Hilfe nur an Symptomen.

Doch Länder wie Taiwan oder Südkorea, das noch 1970 auf dem Einkommensniveau von Tansania lag, zeigen, dass rasante Entwicklung auch für sehr arme Länder möglich ist: Nötig ist eine gezielte Industrialisierung, um einerseits Vorteile der Massenproduktion und der Arbeitsteilung zu realisieren, andererseits unabhängiger zu werden von einseitiger Rohstoffproduktion, bei der die Konkurrenz groß ist und die Preise stark schwanken.

Was Afrika sicherlich nicht aus der Armut holen wird, sind die vielen karitativen Initiativen auf lokaler Ebene. Sie können zwar, wenn sie sich nicht als kurzlebiger Aktivismus entpuppen, Einzelnen oder einzelnen Dörfern helfen. Aber wenn es an Elektrizität und Straßenanschlüssen fehlt, werden sie die Bevölkerungstragfähigkeit des Landes kaum erhöhen und so das Elend nur verschieben.

Der Chefvolkswirt der Weltbank Justin Lin, ein Chinese, hat konkrete Anleitungen für Nigeria und andere Länder verfasst, wie diese geeignete Branchen identifizieren und fördern können. Ohne solche Staatshilfe geht kaum etwas. Denn gegen die Unternehmen der Industrieländer kann ein industrielles Pionierunternehmen unter den unsäglichen Bedingungen, wie sie in Afrika zumeist herrschen, am freien Markt unmöglich bestehen.

Doch dieser Hilfe sind Grenzen gesetzt. Die heutigen Regeln des Weltwirtschaftssystems erlauben nämlich Entwicklungsstrategien nicht mehr, die auf Zollschutz und Subventionen für heimische Industrie, auf regionale Handelsintegration vor globaler Integration sowie auf Kreditlenkung zugunsten der eigenen Industrie setzen.

Es waren solche Strategien, die Japan, Korea, Taiwan und nicht zuletzt China groß machten. Zwar profitiert Afrika derzeit davon, dass China und der Westen um seine Rohstoffe buhlen. Nachhaltige Entwicklung wird das aber kaum bringen, weil auch China nur an Afrikas Land und Afrikas Rohstoffen interessiert ist. Es sieht wirklich nicht gut aus für Afrika.

Für Anregungen ist der Autor erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Steckt Afrika in der Armuts-Falle?"

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  • Natürlich steckt Afrika in der Armutsfalle. Unsere exportorientierte Wirtschaft baut schließlich darauf, dass dort keine eigene Wirtschaft aufgebaut werden kann. Wo sollte unsere Wirtschaft sonst auch mit ihren subventionierten Produktionsüberschüssen hin?

  • Den Vergleich der Subsahara-Länder mit den ostasiatischen Musterländern halte ich - ähnlich wie der Autor - für unsinnig. Südkorea z.B. war durch die Jahrzenhnte lange japanische Kolonialzeit und den späteren Korea-Krieg völlig am Boden - wirtschaftlich, politisch und kulturell.
    Es ging danach letztlich "nur" darum, die Folgen dieser Zerstörung zu beseitigen. Denn die zwei Jahrtausende davor war es neben China und Rom eine der höchstentwickelten Gemeinwesen: Dort wurde der Buchdruck 90 Jahre vor Gutenberg erfunden, eine Musik-Notation lange vor Guide von Arezzo, ein brilliant einfaches Alphabeth im 15. Jahrhundert gepanzerte Schiffe im 17.Jahrhundert erdacht, der (fast) globale Welthandel und ein effizienter Beamtenstaat schon im frühen Mittelalter etc. etc. Da war es doch nur eine Frage der Zeit, bis das Land ökonomisch an den Westen aufschließt bzw. uns überholt in Patenten, Exportkraft, Infrastruktur und Bildungsniveau. Ähnliches lässt sich sicher über Japan und Taiwan berichten. Dieses wirtschaftsförderliche kulturelle Erbe ist bei den Subsahar-Läandern meines Wissens mitnichten vorhanden.

  • und was ist mit der Ausplünderung der Resourcen Afrikas durch Neo-kolonial-Unternehmungen und lokale Seilschaften ?
    Vernichtung lokaler Landwirtschaft und Produktion durch EU-Export-Subventionen ? Griechenland ist überall ??

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