Stimmt es dass...
Verzapft Krugman Unsinn?

Paul Krugman vergleicht das Bankgeschäft mit der Autovermietung und möchte damit die Praxis der Banken, Geld aus dem Nichts zu schaffen, rechtfertigen. Dieser Vergleich sucht allerdings an Plumpheit seinesgleichen.
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Wenn ich diese These meinen Bekannten ausbreite, die nichts mit Ökonomie zu tun haben, schütteln sie spätestens nach dem dritten Satz abfällig den Kopf. Aber Nobelpreisträger Paul Krugman sieht das anders. In seinem Lehrbuch "Volkswirtschaftslehre" beschreibt er, wie Banken Geld schöpfen, indem sie Kredit vergeben und den Kunden dafür aus dem Nichts ein Bankguthaben einräumen. Wenn zu viele Kunden allerdings gleichzeitig eine Bank beim Wort nehmen und über ihre Guthaben verfügen wollten, hätte sie dieses Geld nicht, weil die Banken standardmäßig nur einen kleinen Teil des Geldes verfügbar halten, auf das die Kunden theoretisch jederzeit zugreifen könnten.

Das ist weder unehrenhaft noch unseriös, stellt Krugman fest und bemüht das Beispiel der Autovermietung, die es theoretisch auch jedem ermöglicht, sich jederzeit ein Auto zu mieten, um von A nach B zu kommen. Aber wenn an einem Tag plötzlich alle von A nach B wollten, dann gäbe es nicht genug Autos dafür. Das finde auch jeder normal.

Der Vergleich ist blühender Unsinn, wie jeder Nichtökonom sofort merkt. Autovermietungen versprechen uns nicht, uns jederzeit ein Auto zu vermieten. Die meisten Menschen sind nicht einmal in Geschäftsbeziehung mit ihnen. Eine Bank dagegen hat unser Geld und verspricht uns, es jederzeit zurückzuzahlen, ein Versprechen, das sie nur halten kann, wenn alle ihr vertrauen und wenige es in Anspruch nehmen. Wenn die Leute das Vertrauen verlieren, dass eine Autovermietung genug Autos für alle dahat, passiert erst einmal gar nichts. Wenn sie das Vertrauen in die Banken verlieren, bricht der Zahlungsverkehr zusammen. Deshalb müssen die Banken gerettet werden, damit sie ihr Versprechen erfüllen können.

Warum verzapft ein Nobelpreisträger der Ökonomie solch eklatanten Unsinn? Leider hat das System. Praktisch alle führenden Lehrbücher vernebeln bei der Erläuterung des Geldsystems mehr, als sie aufklären. Nur dass wenige es so plump tun wie Krugman. Alle nehmen es als gegeben, dass die Banken das Privileg haben, Geld aus dem Nichts zu schaffen, und den beträchtlichen Gewinn daraus einstreichen dürfen, während der Staat und die übrige Volkswirtschaft die Kosten tragen müssen, wenn etwas schiefgeht.

Das auflagenstärkste Lehrbuch von Mankiw/Taylor beschränkt sich auf die Feststellung, dass eine Erhöhung des Mindestreservesatzes, die die Geldschöpfung durch die privaten Banken begrenzen würde, das Bankgeschäft empfindlich stören könnte.

Warum lesen sich führende Volkswirtschaftslehrbücher, als wären die entsprechenden Abschnitte in den PR-Abteilungen der Banken verfasst worden? Hängt es damit zusammen, dass die Banken und Zentralbanken weltweit die wichtigsten Anbieter von Drittmitteln, Forschungsstipendien, Vortragshonoraren und gut bezahlten Jobs für Makroökonomen sind?

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es dass...: Verzapft Krugman Unsinn?"

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  • Genau das ist des Pudels Kern, nicht erst seit der aktuellen Krise...

  • Mit Verlaub, das einzige Geld was hier aus einem Nichts geschöpft wurde, war das Honorar des Authors, nämlich aus einem Nichts von Wissen und einem Nichts von Inhalt.
    Warum tut sich das HB das an? Was muss man tun um auf die Liste derer die mal bissel Bankbashing schreiben dürfen zu kommen?
    Peinlich.

    Banken schöpfen kein Geld aus dem Nichts. Banken können jedoch gleichzeitig Guthaben und Verbindlichkeiten schaffen - und da ist nichts Verwerfliches dran. Sie können auch mit ihrem Nachbar einen Kreditvertrag unterschreiben, in Sie ihm 10.000 Euro zu x Zinsen borgen, ihm dafür zunächst einen Gutschein geben, (Kontoauszug) den er jederzeit bei Ihnen gegen die 10.000 tauschen kann, und schon haben sie Geld geschaffen.
    Sie sollten das halt nur tun, wenn sie über das nötige Eigenkapital verfügen ihm das Geld auch auszahlen zu können.
    Genau dazu sind die Banken auch verpflichtet - Basel 2 + 3 regeln detailliert wieviel Eigenkapital vorzuhalten ist, und eine Liquiditätverordnung schreibt auch noch vor welchen Anteil der Sichteinlagen eine Bank an liquiden Mitteln vorhalten muss, nämlich 40%.
    Ist das zuwenig? Wieviel hätten wir denn gern? 100%? Das Geschäftsmodell gibt es auch, nennt sich Bankschliessfach, kostet aber was, und bringt keine Zinsen. Warum? Ja, weil die Bank das Geld nicht weiterverleihen kann.
    Und das sollte sie aber, denn ansonsten würde als Guthaben gehaltenes Geld volkswirtschaftlich als Kaufkraft ausfallen.
    Es ist mir völlig schleierhaft, wie das Geschäft des Geldverleihs im Vergleich zum Autoverleih als unredlich angesehen wird, und man fordert, daraus gezogene Gewinne stünden der Allgemeinheit zu.
    Ja, stehen Sie, mit genau dem Steuersatz der für andere gewerbliche Einkünfte auch gilt, und der Rest ist für den der das Geschäft betreibt, denn der kann es besser als der Staat, oder das Volk, oder der Weihnachtsmann.



  • Also hier zu vermuten, dass Herr Krugman von Banken bezahlt wurde, um durch einen Vergleich von Autovermietern mit Banken das Bankrisiko zu verniedlichen, ist wohl genauso an den Haaren herbeigezogen wie der Artikel selbst.

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