Stimmt es, dass...
Werden die Banken größer statt kleiner?

Größere Banken haben entscheidende Vorteile: Zum Beispiel bekommt eine große Bank besonders günstig Kredit von anderen Finanzinstituten, da die Wirtschaft den Kollaps einer großen Bank nicht verkraften würde.
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Wenn Politiker und Regulierer über Lehren aus der Finanzkrise sprechen, dann ist das Too-big-to-fail, das nicht mehr sein dürfe, besonders wohlfeil. Banken dürfen sich nicht mehr darauf verlassen, heißt es, dass man sie immer retten werde - egal wie rücksichtslos sie Risiken eingehen -, weil Wirtschaft und Finanzsystem den Kollaps einer großen Bank nicht verkraften würden.

Weil Bankmanager, Geldgeber und Analysten das wissen, haben große Banken einen beträchtlichen Vorteil in ihrem Geschäftsgebaren gegenüber kleineren Instituten. Ein kleines Institut kann ein wahrscheinlich sehr einträgliches, aber im ungünstigen Fall verlustreiches Geschäft aus Furcht vor dem Bankrott nicht eingehen.

Eine Bank, die zu groß ist, um bankrottgehen zu dürfen, kann dagegen beherzt zugreifen. Und weil eine Bank, die nicht bankrottgehen kann, sehr kreditwürdig ist, bekommt eine zu große Bank besonders günstig Kredit von anderen Finanzinstituten. Sie ist aus solchen Gründen profitabler und kann kleinere Institute verdrängen.

Bisher geschieht kaum etwas, um den Trend zum Too-big-to-fail umzukehren, außer dass darüber diskutiert wird, wie man große Banken im Krisenfall zerlegen und teilbankrottgehen lassen kann. Noch ist das wenig mehr als ein Hoffnungswert. Unterdessen geht der Trend zur Größe weiter, wie sich aus der soeben vorgelegten Statistik der Europäischen Zentralbank über Anzahl und Bilanzsumme der Banken im Euro-Raum ableiten lässt.

Nur 37 Großbanken mit einer Bilanzsumme von durchschnittlich 724 Milliarden Euro vereinen 60 Prozent der kombinierten Bilanzsumme aller Kreditinstitute auf sich. Tatsächlich ist der Marktanteil der Großbanken noch höher, denn Filialen und Töchter von Banken mit Hauptsitz in einem anderen Land des Euro-Raums oder von außerhalb werden separat gezählt. Sie vereinen noch einmal 20 Prozent der kombinierten Bilanzsumme auf sich. Bei diesen Instituten wird es sich zu einem großen Teil um Filialen und Töchter der 37 Großbanken handeln.

Die durchschnittliche Bilanzsumme der Großbanken hat 2011 um sieben Prozent zugenommen, in den beiden letzten Jahren sogar um 22 Prozent. Dagegen hat die durchschnittliche Bilanzsumme der gut 500 mittelgroßen Banken 2011 nur um 0,4 Prozent zugenommen, also weniger als die Inflationsrate, während der Zuwachs bei den über 3 000 kleinen Banken gerade die Geldentwertung ausglich.

Man sollte sich klarmachen, dass es bei den Bemühungen um die Rettung der Banken und um die Sicherung des Finanzsystems in der Zukunft um nur drei Dutzend Institute mit fast grotesk aufgeblähten Bilanzen geht.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Werden die Banken größer statt kleiner?"

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  • fragen sie doch die 12-jährigen , die wissen es schon heute !!!!!!

    http://www.youtube.com/watch?v=aVE4JD_Mq_A&feature=player_embedded

    http://nebadonien.files.wordpress.com/2012/08/geldsystem-genial-erklc3a4rt-von-einer-12-jc3a4hrigen.pdf

  • Too-big-to-fail ist nur eine freche Behauptung, zumal fail ja in den unterschiedlichsten Schattierungen stattfinden könnte.

    Ansonsten ein guter Artikel, danke. Es ist eben wie bei Monopoly. Am Ende bleibt nur einer übrig. Hier dann vielleicht pro Kontinent.

    Fakt ist: Die Finanzwirtschaft regiert die Wirtschaft, die Wirtschaft regiert die Politik. Wir haben einen Finanzfaschismus mit einer Fassadendemokratie als Feigenblatt.

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