Stimmt es, dass... Werden geschiedene Väter steuerlich diskriminiert?

Die Frage, ob geschiedene Väter steuerlich benachteiligt werden, verneinen deutsche Gerichte einhellig. Norbert Häring sieht die Lage etwas anders und erklärt, warum auch Scheidungskinder diskriminiert werden.
13 Kommentare
Ein Vater mit seinen Kindern. Quelle: dpa

Ein Vater mit seinen Kindern.

(Foto: dpa)

Die Gerichte sagen einhellig Nein. Der gesunde Menschenverstand, jedenfalls meiner, sagt Ja. Worum geht es? Geschiedene Elternteile, deren Kinder beim anderen Elternteil leben - in der Praxis meistens die Väter -, haben das Recht und die Pflicht, Umgang mit ihren Kindern zu pflegen. Wenn sie aus beruflichen Gründen an einem anderen Ort oder gar in einem anderen Land als die Mutter wohnen müssen, kann das ziemlich teuer sein. Sie müssen beträchtliche Fahrtkosten in Kauf nehmen.

Wenn ihre Kinder regelmäßig bei ihnen sind, müssen sie eine hinreichend große Wohnung mieten oder kaufen. Die Finanzämter und die Gerichte erkennen solche Kosten nicht als außergewöhnliche Belastung an, mit sonderbar anmutenden Begründungen. Zum einen seien die Belastungen nicht außergewöhnlich, sondern Konsequenz einer Normalität, nämlich des Umgangs mit den eigenen Kindern. Zum anderen seien solche Belastungen durch das Kindergeld, das dem Vater normalerweise hälftig zusteht, abgegolten.

Man stelle sich einmal vor, das Finanzamt würde diese Argumentation mit der Normalität der Belastung auf den Umgang eines nicht geschiedenen Fernpendlers mit seiner Frau anwenden. „Es ist normal, dass ein Mann seine Frau am Wochenende sehen will, das ist keine außergewöhnliche Belastung“, würde das dann heißen. Das Bundesverfassungsgericht würde das sofort mit dem grundgesetzlich gebotenen Schutz von Ehe und Familie kassieren. Es ist schwer verständlich, warum die Gerichte in Deutschland bei dieser Schutzbestimmung immer nur den ersten Teil beachten, der sich auf die Ehe bezieht, nicht aber auf die Familie, sprich die Kinder. Der Vater bleibt Vater, auch wenn er geschieden ist. Die Kinder gehören zu seiner Familie.

Diese Kinder sind es, die neben dem Vater darunter leiden, wenn Besuche aus finanziellen Gründen eingeschränkt werden. Ein Fernpendler, der pendeln muss, weil sein Beruf ihn an einen bestimmten Ort bindet, kann nur über den Teil des Gehalts verfügen, der nach den beruflich bedingten Pendelkosten übrig bleibt, egal ob er zur Frau pendelt oder zu den Kindern oder die Kinder zu ihm. Nur auf dieses Gehalt nach Pendelkosten sollte er Steuern zahlen müssen. Danach zu unterscheiden, ob man zur Ehefrau oder zu den Kindern pendelt, ist kaum nachvollziehbar.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Das Argument mit der Abgeltung durch das Kindergeld mag durch juristische Spitzfindigkeiten unanfechtbar sein. Kindergeldbeträgen um 100 oder 200 Euro, die man als geschiedener Vater bekommt, stehen für die Fernpendler teilweise Belastungen von vielen Hundert Euro pro Monat gegenüber. Die als abgegolten und „nicht außergewöhnlich“ zu betrachten, ist schon ziemlich extravagant.

Startseite

Mehr zu: Stimmt es, dass... - Werden geschiedene Väter steuerlich diskriminiert?

13 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Werden geschiedene Väter steuerlich diskriminiert?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gute Frage, warum ist das deutsche Recht so kinderfeindlich, dass es ihre Väter hasst? Nach einer Trennung hat man Männer da, wo man sie haben will: Auf der Abschussliste. Jugendämter sorgen dafür, dass Wohnadressen und Lebensmittelpunkte der Kinder nur bei der Mutter sind. Kindergeld und Unterhalt kriegt sie, Fahrgeld zu ihrem noch so fernen Wohnort zahlt er. Steuervorteile hat alle nur sie allein. Unterhalt zahlt er voll, auch wenn er die Kinder bis zu 49 Prozent betreut, also Kinderzimmer, Kleidung, Essen, alles bereits zur Hälfte finanziert hat. Ab 51 Prozent hat nämlich die Kinderbesitzerin unumschränkte Alleinherrschaft. Darauf achten Familienrichter. Väter sind in Deutschland übrigens seit dem Krieg verhasst und Jugendämter seit den 30-er Jahren aktiv. Noch Fragen? Deutsche Steuerzahler und Krankenkassen tragen immense Kosten für emotional, wirtschaftlich und gesundheitlich ruinierte Trennungsväter.

  • Getrennt lebende und geschiedene Väter (und Mütter) werden vor allem durch den Entzug des Ehegattensplittings steuerlich diskriminiert. Das Elternpaar verliert auf diese Weise je nach Einkommensverteilung u.U. bis zu 7000€ netto pro Jahr. Stattdessen tritt die absurde Situation auf, dass besser verdienende Väter (häufiger als Mütter) nicht nur die Mehrkosten durch die Trennung tragen, sondern auch noch - wie Singles - für den Splittinggewinn zur Kasse gebeten werden, der der größten Gruppe der vom Ehegattensplitting Profitierenden zugute kommt, den kinderlosen Ehepaaren. Väter finanzieren also kinderlose Ehen. Hier werden die Kinder steuerlich diskriminiert, denn ihre Eltern erleben auch im gehobenen Mittelschicht-Milieu durch die Trennung einen heftigen sozialen Abstieg.

  • PS. An meinen anonymen Vorredner:
    Das ganze auf INDIVIDUALVERANTWORTUNG reduzieren zu wollen, mag dem Bedürfnis nach einfacher Denkstruktur entspringen, der Fokus ist dabei (in guter deutscher Tradition) nicht auf die gerichtet, die sich nicht wehren können - UNSERE KINDER!
    Angeblich geht es doch immer um DAS KINDESWOHL (fragen Sie alle Beteiligten!). Diese Verlogenheit kennt (bei Firma deutscher Staat, genauso wie bei vielen, entfremdenden Müttern, manchmal auch Vätern) keine Grenzen.

    Es geht IMMER und ausschließlich um das "Wohl", die Verlustminimierung der Firma D.S: Darauf sind alle judikativen Systeme, Jugendämter etc., ja sogar die Volkssozialisierung abgestellt.

    Desshalb kann ich als Vater von Kindern die ins Ausland entführt wurden, die enormen Schulden die ich aufnehmen musste um der gesetzlichen SorgePFLICHT nachzukommen, auch nirgendwo geltend machen.
    Es ist nicht einmal möglich den Verursacher (die Mutter) auf Schadensersatzbasis in die Verantwortung für ihren Gesetzesbruch zu nehmen.
    Dies schadet direkt wieder meinen Kindern, da mir dadurch die Mittel zur Teilnahme am Leben meiner Kinder, ja selbst meine eigentliche SorgePFLICHT eingeschränkt werden.

  • Von Papa Jan:

    DANKE Herr Häring, das muss "GETRENNTE Väter" heißen.

    Es geht hier um die DISKRIMINIERUNG von KINDERN!, manchmal auch um die Diskriminierung von getrennten Vätern.
    Die Analogie zum miserablen Sorgerecht bzw. dessen genau so miserabler Umsetzung durch Richter und insbesondere Jugendämter, ist deutlich. Auch hier werden Kinder diskriminiert. Dies hat der EUGH als Menschenrechtsverletzung mehrfach festgestellt und gerügt.

    Familienrecht, insbesondere das Recht von Kindern z.B. auf Umgang, wird von der "Firma Deutschland" - vom deutschen Rechtsstaat mehr als Stiefmütterlich behandelt.
    Die "Firma" möchte keine unnötigen Ausgaben (steuerliche Annerkennung der SorgePFLICHT, des Umgangs, z.B bei weiten Entfernungen etc.) Gewinnmaximierung ist für die Firma das Credo. Väter die gezwungen werden bis zur Kotzgrenze zu arbeiten um den Unterhalt und die Umgangskosten aufzubringen sind gleichzeitig hervorragende Steuerzahler, das viele dabei finantiell für den Rest ihres Lebens ruiniert werden interessiert niemanden. Sie sind eine Minderheit. Der Steuerzahlernachwuchs kommt auch ohne Lebensbeteiligung der Väter.

    Die angeblich so hoch SOZIALisierte Firmenkultur Deutschlands, kann im Bezug auf die MENSCHENRECHTE seiner Kinder vielen weniger entwickelten Ländern das Wasser bei weitem nicht reichen. Über die (geschichtlichen) Ursachen dieser deutschlandspezifischen Kinderverachtung darf nachgedacht werden.
    ACH WIE HOHL IST DOCH DAS KINDESWOHL!

    Für meine Kinder Z.&J. Papa Jan

  • Familienförderung mit neuer Konsequenz

    Ich finde, Herr Häring benennt endlich einen schizophrenen Umgang mit dem Steuerrecht, der mir schon lange auf der Seele (und der Geldbörse) liegt. Familie muss neu gedacht werden im Deutschland von 2012. Wenn der Staat Familie schützen will, kann er nicht nach Scheidung damit aufhören und Kinder in finanzielle und Beziehungsarmut durch verhinderten Umgang verabschieden. Das ist entwicklungsschädigend! Kinder brauchen (in der Regel) beide Eltern, und das sollte der "steuerzahlenden Gesellschaft" was wert sein!

    Vater P

  • Es gibt genügend Fälle, in denen geduldet bewusst weit weg gezogen wird, um dem Vater den Umgang mit seinen Kindern zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen.
    Nach gültigem Recht ist es egal, in welcher Entfernung der Vater zu seinen Kindern tätig ist und ob er den Umgang mit seinen Kindern pflegen kann. Er wird unabhängig davon immer denselben Betrag an Unterhalt zahlen müssen. Einerseits wird also vom Vater größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der Erwerbstätigkeit eingefordert, der dieser ja auch gerne für seine Kinder nachkommt, andererseits keine Rücksicht darauf genommen, inwieweit es dem Vater dann dabei noch möglich ist, Umgang mit seinen Kindern pflegen zu können. Erhebliche Fahrt- und Reisekosten werden dem Vater zugemutet, nicht berücksichtigt. Das führt zwangsläufig auf die Dauer für die Kinder zum Verlust des Vaters und umgekehrt und kann so nicht rechtens sein.

  • ...

  • Während der Lektüre schmunzelte ich angesichts der vermeintlichen Posse. Der Autor dachte sich wohl, warum nicht mal mittels provokativer Therapie den einen vermeintlich therapieresistenten Patienten (=Kläger) zu heilen versuchen ... Ein Blick auf die Kommentare lässt mich nun aber zögern, ob es Herr Häring nicht vielleicht doch anders gemeint hat. Ich fasse noch mal kurz zusammen. a) Es gibt Ehepartner, deren Versuch zusammen zu leben, gescheitert ist und dadurch bedingt nun höhere Ausgaben haben. b) Es gibt Ehepartner, die sich von vorne herein entschieden haben nicht zusammen zu leben und sich zu einem späteren Zeitpunkt haben scheiden lassen, die höhere Ausgaben haben. In beiden Fällen fände ich es skandalös, wenn die Fehleinschätzung hinsichtlich der Partnerwahl bwz. für das gewählte Lebensmodell durch den Staat alimentiert werden sollte, die Mitmenschen (Steuerzahler) dafür also finanziell gerade stehen sollen. Wo leben wir denn??? Man kann doch dem Individuum nicht jegliche Verantwortung für seine Entscheidungen abnehmen.

  • ...

  • Ein geschiedener Vater in Deutschland hat das ausschliessliche und alleinige Recht Unterhalt zu zahlen. Um alle weiteren Rechte muss er sich nicht sorgen, die werden ihm meist ohne weiteres aberkannt. Frau könnte es auch Unterhaltssklave nennen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%