Stimmt es, dass...
Wird Inventur des Bundesbank-Goldes zur Staatsaffäre?

Die Bundesbank muss den deutschen Goldschatz einer Inventur unterziehen. Ein Großteil des Schatzes lagert bei der Federal Reserve Bank of New York, die keine unabhängige Prüfung zulässt. Kommt es zur Staatsaffäre?
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Anfang des Jahres überstellte der Rechnungshof der Bundesbank einen Bericht. Darin stellte er fest, dass die Bundesbank rechtlich verpflichtet sei, unseren Goldschatz von 133 Milliarden Euro, der zum großen Teil bei der Federal Reserve Bank of New York lagert, einer Inventur zu unterziehen. Die Bundesbank verweigert diese. Im Frühjahr forderte der Haushaltsausschuss vom Rechnungshof dieses Gutachten an. Dieser teilte mit, der Bericht werde binnen weniger Wochen übermittelt.

Es sollte nur eine Stellungnahme der Bundesbank und ein abschließendes Resümee der Rechnungsprüfer angehängt werden. Eine erneute Nachfrage in dieser Woche ergab das gleiche Ergebnis. Innerhalb einiger Wochen, „wohl noch im Oktober“ werde der Bericht den Parlamentariern zugehen. Es gehe um „schwierige Rechtsfragen“ heißt es von Bundesbank und Rechnungshof zur Erklärung.

Das ist wenig überzeugend. Denn seit Jahren muss sich die Bundesbank mit parlamentarischen Anfragen zu dem Thema auseinandersetzen. Eigentlich genügend Zeit für das halbe Hundert Bundesbank-Juristen, eine Rechtsmeinung zu entwickeln. Es scheint, als habe der Rechnungshof Angst vor der eigenen Courage bekommen, seit die Bundesbank ihm die potenziellen diplomatischen Verwicklungen eines Inventurwunsches erklärt hat.

Die Federal Reserve von New York, eine privatwirtschaftlich verfasste Niederlassung der US-Notenbank, verwaltet nicht nur Bundesbankgold, sondern auch Gold der USA und von weiteren Nationen. Eine unabhängige Inventur lässt sie nicht zu. Entsprechende Forderungen von US-Parlamentariern blockt sie ab. Wie kann sie da das deutsche Gold unter Aufsicht zählen lassen? Wenn es beim Lagerort allein um praktische Erwägungen ginge, könnte die Bundesbank die Konsequenz ziehen und das Gold abholen.

Falls sie das aber nicht ohne massive diplomatische Verwicklungen tun kann, steckt sie in der Klemme. Die Parlamentarier beweisen unterdessen Engelsgeduld und Einsichtsfähigkeit. Selbst der aufmüpfige Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, der im Frühjahr mit der „Bild“-Zeitung im Tross zur Goldbesichtigung nach New York fuhr und sich bis August kämpferisch gab, ist inzwischen in Sachen Goldreserven nicht mehr zu sprechen.

Die Abgeordnete Erika Steinbach wollte Mitte August in einer parlamentarischen Anfrage an die Bundesregierung wissen, wann das deutsche Gold das letzte Mal durch „körperliche Inaugenscheinnahme“ überprüft worden ist. Nun ist sie nach eigener Aussage mit der Antwort vollständig zufriedengestellt, dass es eine jährliche „Buchinventur“ gebe. Das Feld für eine Überstellung des hochnotpeinlichen Rechnungshofberichts, vermutlich an die Geheimschutzstelle des Parlaments, scheint gut bestellt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Wird Inventur des Bundesbank-Goldes zur Staatsaffäre?"

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  • Fragt mal bei den Rotschilds, Rockefellers und Konsorten nach. Die wissen bestimmt wo das Gold ist.

    Liebe Grüße von www.antizensur.de

  • Ein Volk dass nicht lernen und für die Wahrheit und Recht kämpfen will, sich also in kleinen Grüppschen aufspaltert, seine Hochverräter und Verbrecher in den Eigenen Reihen nicht entfernen will, soll und muss versklavt bleiben.

  • Mit der militaerischen Besetzung und der Kapitulation der deutschen Wehrmacht des Deutschen Reiches ist auch das Gold des DR von den alliierten beschlagnahmt.
    Nunmehr stellt sich die juristische Frage, ist die Federal Reserve Bank of Amerika, welche ja bekanntlich eine Privatbank ist, berechtigt eine treuhaenderische Verwaltung des beschlagnahmten Goldes fuer das Deutsche Reich berechtigt?
    Nach meinen Kenntnissen war das DR zu keinem Zeitpunkt mit der Fed in kriegerischen Auseinandersetzungen!
    Oder liegt hier ein historischer Schluessel, dass zu jener Zeit die Regierung der USA und das US amerikanische Militaer fuer die Interessen der Hintergrundmaechte missbraucht wurde, und aus jenem Grund auch das Gold des DR nicht im physischen Besitz der US Administration sich befindet!
    Es ist fast anzunehmen, dass hier religioes motivierte "Langfinger" eine Vermoegensumschichtung abgewickelt haben, oder warum "Ziert" man sich so zu einer simplen Inventur?
    Es ist doch heute fuer denkende Menschen sichtbar, dass einige Grossbanken die Eigentumsrechte missbrauchen, und warum soll dieses Verhalten vor 70 Jahren anders gewesen sein ??

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