Stimmt es, dass...
Wollen Tankstellen Autofahrer verwirren?

Preisänderungen von bis zu zehn Cent am Tag sind an deutschen Tankstellen beinahe die Regel geworden. Die Betreiber verweisen auf den schärferen Wettbewerb - aber kann das wirklich der Grund sein?
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An deutschen Tankstellen sind in den letzten Monaten Preisänderungen von sechs bis zehn Cent innerhalb eines Tages nicht mehr die Ausnahme, sondern zur Regel geworden. Die täglichen Preisänderungen an den Rohölmärkten sind gegenüber diesen Schwankungen verschwindend gering. Es fällt schwer, sich einen legitimen und plausiblen Grund für eine derartig volatile Preisgestaltung auszumalen.

Um diese zu erklären, verweisen Sprecher von Aral und Shell auf den Wettbewerb zwischen den Tankstellen, der schärfer geworden sei. Aber plausibel ist das nicht. Denn die Tankstellenpächter legen ihre Preise nicht selbst fest - sie bekommen zentrale Vorgaben und müssen vor Preisänderungen eine Genehmigung einholen. Warum sollte eine Tankstellenkette einem Teil ihrer Pächter den Auftrag geben, mit den Preisen so weit nach unten zu gehen, dass sie am anderen Tag wieder zehn Cent nach oben müssen? Wo doch ohnehin die anderen Tankstellen gleich nachziehen und man zwischenzeitlich Verluste macht?

Immerhin gibt Marktführer Aral die durchschnittliche Gewinnmarge der Tankstellen mit nur einem Cent je Liter an. Aber zu ihrem Glück müssen die Tankstellenbetreiber nicht nachweisen, dass es einen legitimen Grund für ihr sonderbares Preisgebaren gibt. Wettbewerbsexperte Professor Hans-Theo Normann von der Uni Düsseldorf: „Für mich sieht das sehr nach gezielter Schaffung von Intransparenz aus.“

Dass die Tankstellenketten es dem Kunden schwermachen wollen, günstige Tankstellen zu finden, ist in der Tat die plausiblere Erklärung. Eine Tankstelle, die morgens auf dem Weg zur Arbeit noch das billigste Benzin anbot, ist abends, wenn man die gewonnenen Informationen nutzen möchte, vielleicht schon bei den teuersten. Aber um das festzustellen, muss man erst die Preise aller gesehen haben. Doch dann wird kaum jemand zurückfahren, um zur günstigsten Tankstelle zu kommen. Und wer am nächsten Morgen billig sein wird, weiß man ohnehin wieder nicht.

Das Beste, was Autofahrer realistischer Weise erreichen können, ist ein Gefühl dafür, wann am Tag die Preise typischerweise angehoben werden und wann wieder gesenkt. Preisvergleiche zwischen den Tankstellen sind dagegen kaum noch effektiv möglich.

Für die vier großen Tankstellenbetreiber kann das nur funktionieren, wenn sie alle aufgrund einer expliziten oder impliziten Absprache darauf verzichten, sich als konstant günstige Kette im Bewusstsein der Kunden zu etablieren, um so Marktanteile zu gewinnen. Aber eine solche Absprache müsste ihnen erst einmal einer nachweisen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Wollen Tankstellen Autofahrer verwirren?"

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  • ...Ähnliches kann man auch direkt über ARAL.de oder SHELL.de umsetzen. Fazit: wer sich frühzeitig per Internet informiert, hat in jedem Fall einen Informationsvorsprung. Und heute hat ja fast jeder einen irgendwie gearteten, mobilen Zugang ins Internet.

  • Um immer über die günstigste Tankstelle in der Umgebung informiert zu sein, empfehle ich www.clever-tanken.de

  • Zum Glück fahre ich ein Auto, dessen Tankfüllung für über 1.000km ausreicht und passe mein Tankverhalten so an, daß ich i.d.R. die untere Preisspanne erwische. Wer mir den Diesel verkauft, ist mir ziemlich schnuppe.

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