Stimmt es, dass...
Wusste die Bank von England nichts über die Libor-Manipulation?

Seit aus den Libor-Manipulationen ein Riesenskandal geworden ist, reden sich die Verantwortlichen raus. Doch ist es möglich, dass die britische Notenbank nichts davon wusste?
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Die britische Notenbank nimmt Anstoß an der Behauptung in der Kolumne vom 14. August, wonach mindestens US-Notenbankchef Ben Bernanke, der spätere Finanzminister Tim Geithner sowie der Chef der Bank von England, Mervyn King, seit 2008 von den Manipulationen des Referenzzinses Libor wussten.

Ein Sprecher der Bank betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass die US-Notenbank der Bank von England 2008 zwar Vorschläge zur Reform des Libors, aber keine Informationen über konkretes Fehlverhalten von Banken übermittelt habe.

Am Referenzzinssatz Libor hängen hohe Milliardenvolumina an variabel verzinsten Kreditkontrakten mit Haushalten und Unternehmen und noch mehr Zinsgeschäfte unter Finanzinstituten. Seit aus den Libor-Manipulationen ein Riesenskandal geworden ist, spielen die Aufseher heiße Kartoffel.

Die New York Fed - die für die Beaufsichtigung der Banken im Großraum New York zuständige regionale Untergliederung der US-Notenbank - und ihre Mutter unter Chef Ben Bernanke, reden sich damit heraus, dass sie der Bank von England Bescheid gesagt hätten und mehr nicht hätten tun können. Denn der Libor wird in London ermittelt.

Die Bank von England entschuldigt sich damit, dass sie nur von einer abstrakten Manipulationsmöglichkeit gewusst habe, nicht aber von konkretem Fehlverhalten. Auf der Internetseite der Bank heißt es, dass die US-Notenbank ihr die konkreten Informationen über Manipulationen durch Barclays und andere Banken, welche die Amerikaner erst vor zwei Monaten veröffentlicht haben, damals, 2008, noch nicht zur Verfügung gestellt habe.

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Die Fed hatte konkrete Hinweise

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  • Unfug, davon haben zumindest alle Beteiligten gewußt, sonst hätten diese Manipulationen wohl kaum stattfinden können. Es hat nur keiner das Nest beschmutzen wollen. Mit der Zeit ist es dann ein Art Gewohnheitsrecht geworden, bis man die Auswirkungen nicht mehr verschleiern konnte.
    Genauso ist es mit den Rating-Agenturen.
    Journalisten sollten sich vielleicht bei solchen, in geschlossenen Kreisen stattfindenden Manipulationen und Informationswegen, mehr mit Organisations-Psychologie beschäftigen, dann beantworten sich viele Fragen von allein, und man muß seinen Lesern keine spekulativen Fragen vorsetzen.

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